Ein Smiley, der anzeigt, ob ein Geschäft den Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern ernst nimmt? Ein kontroverses Thema. Am Ende gibt es eine Kampfabstimmung zwischen der Fraktion der 'Freien' und der 'Konservativen'. Was wie echte Politik klingt, ist bei diesem Projekt am Albertus-Gymnasium in Lauingen allerdings nur reine Show: ein sogenanntes Planspiel. Die 75 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen schlüpfen dafür in eine neue Rolle - inklusive fiktivem Namen und Lebenslauf - und werden für einen Schultag zu Landtagsabgeordneten.
Die Idee dahinter: Politische Prozesse runterbrechen und greifbar machen. Und das scheint funktioniert zu haben. "Am Anfang waren viele noch skeptisch", sagt Franziska Köstler vom Centrum für angewandte Politikforschung der LMU München (CAP). Das CAP-Team hat das Planspiel inhaltlich vorbereitet und dessen Durchführung an dem Tag betreut. Manchen sei nicht klar gewesen, dass es sich um ein Mitmachtformat handelt und hätten trockene Prozesse erwartet. Die Rückmeldungen, die sie am Ende bekommen hat, waren dann aber positiv. Und mitgemacht hätten die Schülerinnen und Schüler auch: "Bei der Fraktion, die ich betreut habe, wurde wirklich heiß debattiert", sagt sie.
Ein komplettes Gesetzgebungsverfahren - in etwa viereinhalb Stunden
In etwa viereinhalb Stunden erleben die Schülerinnen und Schüler den kompletten Kreislauf eines Gesetzgebungsverfahrens. Zu dem Thema Verbraucherschutz sollen sie vier Gesetzesvorlagen erarbeiten. Dafür werden sie in vier Fraktionen aufgeteilt, die sich - farblich und inhaltlich - an echten Parteien im Landtag orientieren: die Konservativen, die Ökologen, die Freien und die Sozialen. Dann wurde der Landtag im Plenum eröffnet, ein Landtagspräsident gewählt. Und die Landtagsabgeordneten für einen Tag beginnen mit ihrer Arbeit an den Gesetzesentwürfen in vier Ausschüssen.
Wie nah ist dieser Prozess an der Realität? Das wollen die Schüler und Schülerinnen im Anschluss erfahren. Beantworten können ihnen das drei Menschen, die es wissen müssen: Aus dem Landtag kommen Abgeordnete aus dem Dillinger Stimmkreis in den Theaterkeller des Gymnasiums. Neben Georg Winter (CSU) sind auch Johann Häusler (Freie Wähler) und Eva Lettenbauer (Grüne) vor Ort. "Das ist immer eine starke Wertschätzung für die Schülerinnen und Schüler, wenn die Abgeordneten dann auch kommen", sagt Köstler.
Politiker und eine Politikerin aus dem Landtag beantworten die Fragen der Teilnehmenden
"Wenig überraschend, es dauert länger", sagt Lettenbauer über die Gesetzesverfahren in der Realität. Was beim Planspiel alles in ein paar Stunden an einem Tag komprimiert wird, findet meist über mehrere Tage hinweg statt. Teilweise gebe es zwischen den Sitzungen einige Tage Pause. Sehr großes Interesse gibt es von den Schülerinnen und Schülern auch beim Thema Gehalt. "Wie viel verdienen Sie pro Monat?" steht nicht nur auf einer, sondern gleich zehn Fragekarten, die der Moderator vorher einsammelt. Die Antwort - 8500 Euro - sorgte dann für einiges Gemurmel bei den Zuschauenden. "Das ist ähnlich viel wie ein Bürgermeister oder der Chef eines Gymnasiums aber weniger als ein Landrat", ordnet Winter das Gehalt ein. Es solle sie als Abgeordnete ein Stück weit unabhängig machen.
Die drei Abgeordneten verraten auch persönliches. Häusler sagt etwa, dass er selbst schon einmal als Jugendlicher Cannabis ausprobiert hat und dass seine Frau jede seiner Reden auf im Fernsehen mitverfolgt und ihn oft kritisiert. Winter wird zu seiner Meinung zum YouTuber Rezo und zum neuen Landrat Markus Müller gefragt. Und Lettenbauer berichtet darüber, wie es ist, sich als junge weibliche Abgeordnete im Landtag behaupten zu müssen.
Die Schülerin Michelle sagt zu dem Projekt: "Es war mal etwas anderes, es war interessant zu sehen, wie es wirklich abläuft." Die 16-Jährige und ihre Freundinnen Teresa und Jana berichten davon, dass es teilweise gar nicht so einfach war, sich zu einigen. Genau das wollte Alexander Förg seinen Schülerinnen und Schülern zeigen. Er ist ihr Sozialkundelehrer und wollte ihnen Politik und deren Gestaltung "hautnah" zeigen - samt aller Probleme dahinter.