Bei der Eröffnung des Heinz-Piontek-Literaturwegs in Lauingen: (von links) Landrats-Stellvertreter Joachim Hien, Anton Hirner, Rüdiger Görner, Bürgermeisterin Katja Müller, Oberbürgermeister Frank Kunz, Mario Schoßer und Alfred Koch. Foto: Natalia Götz
Der Tag hätte für die Eröffnungszeremonie nicht besser ausgewählt werden können: Am Samstag lässt strahlender Sonnenschein die Wasseroberfläche der Donau, die durch Lauingen hindurchfließt, glitzern. Der Fluss, an dem an diesem Tag der Heinz-Piontek-Literaturweg zu Ehren des gleichnamigen Schriftstellers offiziell eröffnet wird. Genau pünktlich, denn an diesem 15. November wäre Heinz Piontek (1925 bis 2003) 100 Jahre alt geworden.
Der Heinz-Piontek-Literaturweg zwischen Lauingen (Hintergrund) und Dillingen umfasst 14 Stelen. Ebensoviele Jahre hat der Schriftsteller in der Region verbracht. Foto: Natalia Götz
Nun schmücken 14 Stelen das Donauufer zwischen Lauingen und Dillingen. Sie finden ihren Anfang an der Brenzmündung in Lauingen und führen bis zur Staustufe in Dillingen, rund sechs Kilometer lang. Jede Stele ist mit ausgewählten Prosa- und Gedichtstücken des oberschlesischen Schriftstellers beschriftet, der zu seinen Lebzeiten mitunter in Lauingen und Dillingen gewohnt hatte. Lauingens Bürgermeisterin Katja Müller sagt: „Spaziergänger sind zum Lesen und Verweilen sowie zum Nachdenken eingeladen.“ Dabei spielt das Wasser – in diesem Fall die Donau – eine zentrale Rolle.
Ein Herzensprojekt, das nach langer Planung fertiggestellt wurde
Am Samstagnachmittag haben sich die Räumlichkeiten des Ruderclubs in Lauingen vollends gefüllt. Alle Stühle sind bei der Eröffnungszeremonie belegt. Die Veranstaltung wird mit verschiedenen Musikstücken untermalt, wie zum Beispiel mit „Comptine d’un autre été: L’après-midi“ von Yann Tiersen. Momente, in denen die Gäste lauschen und innehalten. Nachdem alle Anwesenden zur Ruhe gekommen sind, eröffnet Alfred Koch, der mit Anton Hirner Initiator des Projekts ist, die Feier.
Alfred Koch bei der Eröffnung des Piontek-Literaturwegs in den Räumen des Lauinger Ruderclubs. Foto: Natalia Götz
„Wir konnten den Literaturweg zeitlich pünktlich und innerhalb des Kostenrahmens fertig stellen“, fasst Koch zusammen. Er und Hirner haben dabei mit dem Künstler Mario Schoßer gearbeitet, der für die Gestaltung der Stelen verantwortlich ist. Insgesamt habe die Realisation des Projekts vier Jahre gedauert. Koch bedankt sich bei den Unterstützern, die an der Umsetzung des Projekts maßgeblich durch finanzielle Unterstützung beteiligt waren: darunter das Bayrische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die Städte Lauingen und Dillingen, die VR-Bank Donau-Mindel sowie viele Privatpersonen. Mit ihren Spenden konnte die literarische Entdeckungstour realisiert werden, in welche die Initiatoren „viel Herzblut gesteckt haben“, so Dillingers Oberbürgermeister Frank Kunz.
Heinz Piontek – ein Dichter mit enger Verbindung zu Lauingen
Doch wer war Heinz Piontek und welche Rolle spielt er für Lauingen und Dillingen? Der Schriftsteller wurde 1925 im oberschlesischen Kreuzburg, im heutigen Polen, geboren. Von 1947 bis 1955 lebte er in Lauingen, anschließend bis 1961 in Dillingen, wo er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule drei Semester lang studiert hat. Danach hatte es den Schriftsteller nach München gezogen, bis er im Jahr 2003 verstarb. Im Verlauf seines Lebens wurde Piontek vielfach ausgezeichnet, auch mit dem Georg-Büchner-Preis. Doch vor allem die Jahre, die er hier in der Region verbrachte, haben ihn in seinem Schaffen tief geprägt.
Anton Hirner: „Hier reifte er zum anerkannten Schriftsteller“
„Lauingen und Dillingen sind die Hauptschauplätze von Heinz Piontek. Hier reifte er zum anerkannten Schriftsteller“, betont Hirner. So steht eine der Stelen, die das Gedicht „Lauingen an der Donau“ zum Titel hat, in der Nähe zur neuen Donauterrasse. Auf der einen Seite richtet sich der Blick zum Fluss, auf der anderen Seite ragt die Stadt Lauingen hinter der Stele hervor. Sie zeige die Verbundenheit, die Pionteks Texte zur Natur und zur Stadt ausdrückten, sagt Bürgermeisterin Müller.
Das Schaffen Pionteks wird bei der Eröffnungszeremonie auch durch einen Vortrag von Professor em. Dr. Rüdiger Görner von der Queen Mary University of London mit tiefsinnigen Gedanken und sorgfältigen Analysen der literarischen Werke ergänzt. Zum Abschluss richtet Hirner das Wort an die Anwesenden: „Das Projekt der literarischen Entdeckungstour soll den Schriftsteller würdigen, das Interesse an ihm wecken und seine Werke lebendig machen.“ Bürgermeisterin Müller macht den Zweck der literarischen Entdeckungstour ebenfalls deutlich: „Wir möchten Literatur im öffentlichen Raum sichtbar machen.“
Teilweise sind QR-Codes an den Stelen angebracht, die zu der Heinz-Piontek Homepage führen, um die Auseinandersetzung mit den Texten zu veranschaulichen. Ebenso gibt es Flyer-Boxen an einigen Stationen, die mehr Informationen zu dem Schriftsteller und dem Literaturweg bieten. Hirner ergänzt zum Schluss, dass „der Spaziergang entlang der Donau auch hilft, Ruhe zu finden.“ Somit sei ein neuer, kultureller Gedächtnisort entstanden, den Piontek „stolz und glücklich gemacht hätte“. Die 14 Stelen stehen jeweils für die Jahre, die Piontek in der Region gelebt hatte.
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