Das Schulwerk der Diözese Augsburg betreibt 40 Schulen im Regierungsbezirk Schwaben, darunter vier Schulen in Dillingen: das Bonaventura-Gymnasium und die gleichnamige Realschule, eine Fachoberschule und die Fachakademie für Sozialpädagogik. Der Direktor des Schulwerks, Peter Kosak, verfolgte die Pressekonferenz der bayerischen Landesregierung am Donnerstagmittag gespannt. Ab dem 27. April sollen alle Schüler, die in diesem Schuljahr ihre Abschlussprüfung schreiben, zurückkehren. Der Präsenzunterricht für weitere Schüler soll frühestens am 11. Mai folgen.
Coronavirus: Abstand und Maskengebot für Schüler
Auch für die Schulen der Diözese in Dillingen heißt es nun, sich einen konkreten Plan zu machen. Denn die Vorgaben des Kultusministeriums für die restlichen Klassenstufen sind noch relativ schwammig. Die Hygienebeauftragte des Schulwerks erstelle bereits einen Plan für alle Schulen, sagt Kosak. Klar ist, dass die neue Corona-Strategie weiterhin auf einen Abstand von 1,5 Metern und ein Maskengebot setzt. Hinzu kommen kleinere Klassenstärken von zehn bis 15 Schülern. Am 20. Mai sollen bereits die Abiturprüfungen beginnen. Nervös macht das Kosak nicht, ganz im Gegenteil, er zeigt sich sehr zuversichtlich. „Ich bin froh, dass die Abiturienten zumindest drei Wochen Präsenzunterricht haben werden“, sagt Kosak.
Der Schulleiter des Bonaventura-Gymnasiums und der Fachoberschule Dillingen, Franz Haider, sieht das ähnlich. Für ihn und seine Schulgemeinschaft waren die vergangenen Wochen „eine totale Überraschung“. Entscheidungen mussten schnell umgesetzt werden. Umso zufriedener ist er mit den Ergebnissen der Onlinebetreuung durch die Lehrer. Als Zwischenfazit haben zwei Drittel der Schüler eine Umfrage ausgefüllt. Demnach seien sie überdurchschnittlich zufrieden mit der Umsetzung. Am Montag möchten sich die Teamleiter des Gymnasiums und der FOS zusammensetzen und das konkrete Vorgehen planen. Die kommenden Wochen werden laut Schulleiter Haider jedoch nicht leichter, sondern schwieriger. Die Motivation und Euphorie der ersten Tage könnte unter den Heimlernern abnehmen – auch wegen der geringen Abwechslung im Alltag. Das Lehrerkollegium soll sich deswegen verstärkt um neue Lernideen in den Schulklassen des Bonaventura-Gymnasiums kümmern.
Schüler: Homeschooling funktioniert, doch die Klausuren bleiben liegen
Jürgen Köhnlein aus Laugna ist Elternbeiratsvorsitzender des Bonaventura-Gymnasiums. Tochter Johanna besucht die elfte Klasse der Schule – und ist enttäuscht, dass die neue Regelung nicht auf die Vorabschlussklassen fällt. Die Sorge der 16-Jährigen: Viele Klausuren könnten nun eng getaktet bei Wiederbeginn der Schule auf sie zukommen. Die Lehrer könnten noch keine Rückmeldung dazu geben. Köhnleins jüngere Tochter, Theresa, besucht die achte Klasse der Wertinger Realschule und hat damit ebenso weiterhin Heimunterricht. Dieser habe erst schleppend funktioniert, aber habe sich mittlerweile eingependelt. Die 14-Jährige hat noch zwei Jahre Schulzeit vor sich. Sie vermisse vor allem ihre Freunde. Dass die geplante Englandfahrt der Schule abgesagt wurde, bedauert sie sehr. Das Pauken von daheim funktioniere im Hause Köhnlein jedoch recht gut.
Corona-Strategie: Hygieneschutzmaßnahmen drei Tage zu spät für Schulen
Helmut Herreiner leitet die Grund- und Mittelschule Höchstädt. Er wartete am Donnerstag ebenso gebannt auf den weiterführenden Plan der Landesregierung. Herreiner hält die bayerische Corona-Strategie für einen guten Weg. Drei neunte Klassen und eine zehnte Klasse werden im Juni die Prüfungen für den qualifizierenden Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife absolvieren. Dass die Grundschule geschlossen bleibt, hält er ebenso für richtig. „Angesichts der momentanen Situation wäre es eine Horrorvorstellung gewesen, alle 530 Schüler auf einmal im Schulgebäude zu haben“, sagt Herreiner, der nun vor weiteren organisatorischen Herausforderungen steht und sich nun mit dem Schulverband und Busunternehmen absprechen wird. Für ihn gibt es bei den geforderten Maßnahmen auch noch Ungereimtheiten: „Das Kultusministerium möchte erst am 29. April ein Konzept zu den Hygieneschutzmaßnahmen vorlegen. Da haben wir schon drei Tage Schule hinter uns.“ Daher sehe er sich dazu veranlasst, für den Schulbeginn eigene Maßnahmen einzuleiten.
Bastian Burggraf aus Lutzingen besucht die 10M der Mittelschule in Höchstädt und gehört somit zu jenen, die das Schulgebäude auch wieder von innen sehen werden. Der 17-Jährige kam mit den vergangenen Schulwochen gut zurecht. Seine Aufgaben habe er immer rechtzeitig abgegeben. Ein strikter Plan der engagierten Lehrer und die Motivation, für den Mittleren Schulabschluss zu lernen, taten ihr übriges, wie Bastian und Mutter Christine Burggraf bestätigen. Im Klassenchat der 10M ist die Entscheidung sehr positiv aufgenommen worden: „Wir sind alle froh, dass es weitergeht“, beschreibt der Schüler die Lage. Während die Abschlussprüfungen in den Hauptfächern erst am 15. Juni beginnen, steht für Bastian Burggraf bereits vom 4. bis 8. Mai die Technikprüfung an, seinem Wahlpflichtfach. Damit bleibt ihm und seinen Mitschülern rund eine Woche Präsenzunterricht vor dieser Abschlussprüfung. Doch Sorgen macht er sich nicht. „Ich habe viele Übungsaufgaben gemacht und bin damit ziemlich gut vorbereitet.“
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