Der Blick durch das kleine Sichtfenster in den Kessel des Dillinger Biomasse-Heizkraftwerks in der Christastraße ist faszinierend. Dort verbrennen bei Temperaturen von etwa 1000 Grad Holzhackschnitzel. Damit wird Thermoöl erhitzt. Eine sogenannte ORC-Turbine erzeugt daraus Strom, der ins Netz eingespeist wird, und Abwärme für warmes Wasser, das fürs Heizen zu Dillinger Haushalten gepumpt wird. Das alles erfahren Teilnehmer eines Rundgangs im Biomasse-Heizkraftwerk des Versorgers Energie Schwaben. Und sie bekommen mit, dass nach einer erneuten Millionen-Investition weitere Häuser ans Netz angeschlossen werden können.
Nach dem Ringschluss hat Energie Schwaben jetzt ein neues Pumpenhaus gebaut
Neues Pumpenhaus: Seit 15 Jahren gibt es die Fernwärmeversorgung in Dillingen. Energie Schwaben hat in den vergangenen Jahren unter großem Aufwand den sogenannten Ringschluss im mittlerweile 15 Kilometer langen Netz hergestellt – von der Innenstadt über den Georg-Schmid-Ring zurück zum Heizkraftwerk in der Christastraße. Jetzt hat Energie Schwaben weitere zwei Millionen Euro in ein neues Pumpenhaus, eine Druckleitung und zwei Pufferspeicher investiert. Daraus ergebe sich der Vorteil, dass künftig das Warmwasser mit einem einheitlichen Druck von 16 Bar ins Netz gepumpt werden kann.
180 Abnehmer versorgt Energie Schwaben bisher mit Wärme
180 Abnehmer: Insgesamt sind etwa 180 Abnehmer in Dillingen an das Wärmenetz von Energie Schwaben angeschlossen. Darunter finden sich viele große Einrichtungen wie Akademie, Bundeswehr und Stadtverwaltung. „Rein rechnerisch entspricht das etwa 1500 Haushalten“, erläutert der Bereichsleiter Wärme bei Energie Schwaben, Ralf Oldenburg. Der eingespeiste Strom, der in dem Prozess anfällt, liege bei etwa fünf Gigawatt im Jahr, was dem Verbrauch von rund 1200 Durchschnittshaushalten entspreche.
8300 Tonnen Hackschnitzel: In den beiden Kesseln des Heizkraftwerks werden neben Gas jährlich etwa 8300 Tonnen Holzhackschnitzel bei Temperaturen von 1000 Grad verbrannt. Bei dem Material handle es sich um Abfallholz, etwa Baumwipfel, erklärt Oldenburg. Geliefert werden die Hackschnitzel von der Dillinger Biomasse GmbH. Die beiden neuen Pufferspeicher neben dem Pumpenhaus mit seinen fünf Pumpen haben eine Höhe von 14 Metern. Darin befinden sich 240 Kubikmeter bis zu 85 Grad heißes Wasser, das bei Bedarf ins Wärmenetz gepumpt wird.
20-Jahre-Vertrag: Das Ganze ist kein Ferienprogramm für Erwachsene, der Termin hat einen konkreten Anlass. Energie Schwaben, vertreten durch Geschäftsführer Markus Last, und die Stadt Dillingen, vertreten durch Oberbürgermeister Frank Kunz, unterzeichnen am Ende des Rundgangs einen neuen Vertrag. Es ist die Verlängerung des Wegerechtsvertrags für die nächsten 20 Jahre. „Das Wärmenetz in Dillingen hat sich in den vergangenen 15 Jahren bewährt und als zuverlässig erwiesen“, stellt Kunz fest. Der Rathauschef will wissen, ob das Dillinger Wärmenetz nicht auch in Gebiete nördlich der Bahnlinie erweitert werden könne – nach Hausen, ins Mittelfeld und nach Schretzheim. „Wir wollen das Angebot, mit regenerativen Energien zu heizen, in Dillingen ausbauen“, betont der Rathauschef und der Energie-Schwaben-Geschäftsführer nickt dabei zustimmend. Mit der Vertragsverlängerung hat das Unternehmen nun die Grundlage, die Wärmeversorgung in den kommenden Jahren schrittweise weiterzuentwickeln.
„Wir haben jetzt weiteres Anschluss-Potenzial“
Weiteres Anschluss-Potenzial: Wie Last erläutert, plane Energie Schwaben, das Wärmenetz kontinuierlich auszubauen und neue Technologien wie Wärmepumpen und weitere erneuerbare Wärmequellen in die Versorgung zu integrieren. Der Geschäftsführer sagt: „Unsere Kundinnen und Kunden sind damit bestens für die Energiezukunft gerüstet, denn unsere Wärmenetze schonen das Klima.“ Heizkraftwerke wie in Dillingen zählen Lasts Worten zufolge mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent zu den effizientesten Anlagen, da sie Strom und Wärme gleichzeitig bereitstellen. Wärme-Bereichsleiter Oldenburg erklärt auf Anfrage, dass durch die jüngsten Investitionen ins Pumpenhaus die Kapazität deutlich gesteigert wurde. „Wir haben jetzt weiteres Anschluss-Potenzial“, informiert der Experte. Die Kapazität der Anlage sei um etwa 20 Prozent erhöht worden.
Heizkosten bei Fernwärme: Wer sein Haus in Dillingen mit Fernwärme von Energie Schwaben heizt, zahlt dafür zehn Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 25.000 kWh pro Jahr ergeben sich damit Kosten von 2500 Euro. Dieser Preis entspreche in etwa dem Heizen mit Gas, erläutert Oldenburg. Gegenwärtig seien einige Häuslebesitzer mit Ölheizungen an einem Anschluss ans Wärmenetz interessiert.
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