Die einen besuchen gezielt die Stände bestimmter Firmen, andere interessiert alles. Aber das Ziel ist gleich: Erst einmal einen Praktikumsplatz bekommen. Junge Menschen aus dem ganzen Landkreis Donau-Ries strömen an diesem herbstlich anmutenden Samstagmorgen auf das Gelände der Grund- und Mittelschule Harburg, meistens in Begleitung ihrer Eltern. In der Wörnitzhalle und in großen, auf dem Sportplatz aufgestellten Zelten findet der Berufswegekompass statt. Es ist seine 23. Auflage – und doch hat sich seit dem Start viel verändert.
„Den Umgang mit Menschen muss man bei uns mögen“, sagt Alexander Lehmann. Moritz Göttler und sein ihm beratend zur Seite stehender Vater Thomas hören dem Mann am Stand der Raiffeisen-Volksbanken aufmerksam zu, um später zu erfahren, dass sie kein Geringerer als der neue Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts in Donauwörth in die Hintergründe des Bankkaufmann-Berufs eingeführt hat. Moritz Göttler drängt es aber zu anderen Ausstellern. Er träumt von einem technischen Beruf.
Berufswegekompass Harburg: Regionale Aussteller im Fokus
In Deutschland gibt es Hunderte anerkannter Ausbildungsberufe. Knapp 400 Berufsbilder werden von 165 Ausstellern aus der Region und den Nachbarlandkreisen in Harburg vorgestellt. Auch überregionale Firmen und Behörden sind in Harburg vertreten. Die jungen Leute müssen sich sputen, bleibt ihnen doch nur ein begrenzter Slot. „Niemand anders kann besser über die Berufsbilder berichten, als die Betriebe selbst“, sagt Jochen Schmidt, der Chef der Veranstaltung. Er und Achim Schubert haben wieder ein Event auf die Beine gestellt, das in anderen Landkreis durchaus neidvoll beäugt wird.
Großer Andrang beim Berufswegekompass in Harburg
„Die Organisation ist nahezu perfekt“, lobt ein Aussteller. „Das ist eine ganz wichtige Messe. Der Standort Harburg ist ideal, alles passt“, sagt Mario Steiner, der bei der Molkerei Zott in Mertingen die Ausbildung leitet, während seine Kollegin einen jungen Mann über den Beruf des Mechatronikers informiert.
Bundeswehr und Bäckerinnung: In Harburg konkurrieren Berufe um Nachwuchs
An den Ständen sind Berufe aus den verschiedensten Bereichen vertreten: vom Handwerk über kaufmännische und technische Berufe bis hin zu sozialen und pädagogischen Berufen. Neben Unternehmen sind auch staatliche Behörden und berufliche Schulen vor Ort. Auffallend in einer Halle: Während sich am Stand der Bundeswehr die Interessenten drängen, herrscht nur wenige Meter an einem anderen Platz gähnende Leere. „Manchmal verirrt sich jemand zu uns“, berichtet Rupert Diethei aus Nördlingen. Er ist Obermeister der Bäckerinnung. „Wir wissen, dass unsere Berufe wenig gefragt sind“, pflichtet sein Stellvertreter Wolfgang Hauser bei.
Für das duale Studium interessiert sich derweil Bernadette Sprater aus Buchdorf. Sie hat ihren Vater Ludwig im Schlepptau. Beide bleiben am Stand von Eisen Fischer aus Nördlingen hängen. Siegbert Mielich ist dort Controller und hat selbst diesen Ausbildungsweg durchschritten, „wie viele in der Führungsetage unserer Firma“. Er kann das duale Studium in Heidenheim nur empfehlen, „weil es danach vielfältige Möglichkeiten gibt.
Ausbilder in Harburg: Nicht der Beste zählt, sondern der Geeignetste
Luca Meyr weiß, was er will: Er möchte gerne Zimmermann werden. An zwei Ständen hat er sich mit seiner Mutter Bianca beraten lassen – und nun steht ein Praktikum an. Das vorgegebene Zeitfenster müssen die beiden nicht in Anspruch nehmen, aber dafür ist der Inhalt seiner Tasche bescheiden ausgefallen. Manche Firmen geben Zuckerwatte aus, andere Süßigkeiten – und bei der Molkerei bekommt man gleich einen Milchdrink. Bei den Zimmerern darf man nageln, dort ein Glücksrad drehen, weiter drüben sogar Dartpfeile fliegen lassen. Und die Metzger geben Hot Dogs aus.
Ob Berufsmusiker, Pfarrer, Koch oder Polizist - die Vielfalt der Berufe ist groß. Am Ende sind es mehr als 3300 Menschen, die dank des via Internet gebuchten Zeitfensters wohltuend ohne Gedränge an den Ständen vorbeischauen. In der Regel sind Praktika ein Idealfall für beide Seiten. Schülerinnen und Schüler spüren dabei mögliche Lehrstellen auf. Betriebe können die Fachkräfte von morgen frühzeitig an sich binden. Entscheidend, so die Ausbildungschefs, sei nicht unbedingt der Schulabschluss. „Wir suchen nicht den Besten, sondern den Geeignetsten“, sind sich zahlreiche Ausbilder einig.
Achim Schubert sagt: „Entscheidend ist die Qualität der Gespräche.“ Das bestätigt Schmidt: „Die Jugendlichen sind sehr gut informiert über die Firmen, die sie interessieren. Und auf der anderen Seite werden die Stände immer professioneller.“ Mit dem Platz sind die Veranstalter nun aber wohl am Limit.
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