Die Alte Kaserne in Donauwörth beherbergt schon lange keine Soldaten mehr, eigentlich war das auch noch nie so wirklich der Fall. Und doch ist der Name nach wie vor ein fester Begriff in Donauwörth. In dem 1715 errichteten zweigeschossigen Langbau gibt es zahlreiche Wohnungen, immerhin 17 Stück sind es. Einige davon stehen allerdings derzeit leer. Nun gibt es Ideen, dass zumindest das Erdgeschoss auch anderweitig genutzt werden könnte – auch, um den Tourismus in Donauwörth anzukurbeln. Das aber sorgt auch für Widerspruch.
Ein Blick in den Hof des Langbaus, der einst dezent auf die alte Stadtmauer aufgesetzt wurde, er lässt Idylle vermuten. Alte Holzbalkone, Blumenkästen, ein gemeinsamer, sonniger Innenhof – das Bauwerk wirkt in einem romantischen Sinne aus der Zeit gefallen. Sicher ist derweil trotzdem: Hier muss bald saniert werden. Doch wie genau, das scheint noch unklar zu sein.
Neun Wohnungen stehen leer in der Alten Kaserne in Donauwörth
Hier, an der Pflegstraße 24, gibt es 18 sogenannte "Nutzungseinheiten", sprich: 17 Wohnungen und einen Vereinsraum. Von den 17 Wohnungen sind sieben vermietet und neun stehen leer. Der Vereinsraum ist ebenfalls vermietet. Die neun leer stehenden Einheiten sollen wohl erst im Rahmen einer künftigen Generalsanierung angepackt werden, was mitunter für Unverständnis in der Stadt sorgt, da ja Wohnraum dringend benötigt wird in und rund um Donauwörth.
Derweil ist auch eine ganz neue Idee entstanden, was hier an der Pflegstraße entstehen könnte, um das Idyll quasi perfekt zu machen. Michael Bosse von der Fraktion der Parteifreien im Stadtrat (PWG/ FW/ BfD) nennt hierzu den Begriff "Handwerkerhof". Viele kennen hierzu ein prominentes Beispiel aus der Frankenmetropole Nürnberg. Dort, zwischen historischer Altstadt und Bahnhof, ist 1971 im Schutze der historischen Stadtmauer auf dem Areal des ehemaligen Waffenhofs der Reichsstadt jenes Projekt entstanden, das Jahr für Jahr von hunderttausenden Touristen besucht wird. Hier finden sich Töpferwerkstätten, Zinngießereien, Gastrobetriebe, Manufakturen für so allerlei. Ähnliches könnte es auch in Donauwörth geben, sagt Bosse: "Der historische Bau ist sehr schön. Hier Handwerkern und Künstlern Räume zur Verfügung zu stellen, wäre eine denkbare Option." Nicht zu teuren Mieten, sondern zu "bestimmten Pauschalpreisen", wie Bosse betont. Womöglich würde die Stadt so einen "neuen touristischen Anziehungspunkt schaffen".
Die Stadt Donauwörth hat freie Hand zu entscheiden
Die Stadt hat an sich freie Hand, mit dem großen Gebäude zu machen, was sie will, da die gesamte Immobilie städtisches Eigentum ist. Und das bereits seit 1917. Ohne Zweifel ist das 110 Meter lange Gemäuer historisch interessant: 1715 ließ es der bayerische Kurfürst Max Emanuel errichten, als Kaserne für gut 400 Soldaten. Um das Stadtbild nicht zu stören, sorgten die Architekten dafür, dass es sanft an die Stadtmauer gesetzt wirkt. Und in der Tat schmiegt sich die Kaserne regelrecht an die alte Feste an.
Doch die letzten Umbauten sind schon eine Zeit lang her. Die jüngste Teilsanierung, dabei handelte es sich um den Einbau einer Gasetagenheizung, wurde im Jahr 2001 durchgeführt.
Die Angelegenheit Alte Kaserne Donauwörth soll bald im Ausschuss diskutiert werden
Für Oberbürgermeister Jürgen Sorré steht derweil fest: "Das ganze Gebäude muss generalsaniert werden." Das aber möglichst gebündelt. Dennoch, es werde "niemand auf die Straße gesetzt und niemand wird rausgekündigt". Wohnungen sollen zudem "dauerhaft" bleiben in der Alten Kaserne. Doch über die langfristige Nutzung des gesamten Areals werde zeitnah in den städtischen Gremien diskutiert werden. Die Ideen, die es gebe, würden bald in den Ausschuss eingebracht. Eines sei für ihn aber bereits jetzt klar, sagt Sorré: "Ein Luxus-Projekt kann ich ausschließen." Will heißen: Günstiger Wohnraum soll weiter bestehen, wenn auch nicht zwingend nur unter dem Label "sozialer Wohnungsbau". Auch das wird wohl noch ein Diskussionspunkt sein. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, "Wohnungen mit Kleingewerbe zu kombinieren". Das schlösse sich an ein Projekt "Handwerkerhof" an: Handwerker beziehungsweise Künstler wohnen, wie es über Jahrhunderte üblich war, angrenzend an ihre Werkstätten.
Albert Riedelsheimer, Sozialarbeiter und Stadtrat für die Grünen, sieht einen Handwerkerhof kritisch: In Donauwörth brauche man händeringend günstigen Wohnraum und Sozialwohnungen – da wäre ein solches Projekt seiner Meinung nach ziemlich fehl am Platze. Ihm schwebt dagegen ein generationenübergreifendes Wohnen vor: altere Menschen nebst jungen Familien, vielleicht auch Flüchtlinge aus der Ukraine und von anderswo. Eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt. Es gibt also eine ganze Reihe von Ideen für Areale wie die Alte Kaserne.