Zu einem Sturm entwickelt sich die „Bürgerinitiative Gegenwind Marxheim-Schweinspoint“. Viele hundert Bürger unterstützen den Protest vor allem gegen das Vorranggebiet 56. Laut dem Entwurf des Regionalplanes Augsburg soll dort, auf den Jura-Höhen, eine Fläche von 1324 Hektar für Windräder ausgewiesen werden. Zum allergrößten Teil handelt es sich um Waldflächen, die sich über die Gemeindegebiete von Marxheim, Daiting, Buchdorf und Kaisheim erstrecken; bei letztere Kommune geht es nur um einen kleineren Teil westlich von Hafenreut, was von der Marktgemeinde nicht beanstandet wurde. Es ist mit Abstand das größte geplante Vorranggebiet für Windkraft im Landkreis Donau-Ries. Mit 173 und 164 Hektar folgen erst die nächstgrößeren Gebiete in der Umgebung von Forheim.
Doch damit nicht genug. Für Marxheim sind zwei weitere Vorranggebiete mit 25 (zwischen Neuhausen und Gansheim) beziehungsweise 28 Hektar (nordwestlich Gansheim) vorgesehen. Und der Planentwurf für die Region Ingolstadt rückt sein Gebiet 17 mit 137,9 Hektar unmittelbar an die Landkreisgrenze zu Burgmannshofen, Übersfeld und dem Tagmersheimer Ortsteil Blossenau. In „Rufweite“ ist ferner das geplante Gebiet 16 der Region Ingolstadt. Es beginnt unmittelbar an der Gemeindegrenze von Tagmersheim und Rennertshofen und umfasst 289,1 Hektar. In Marxheim und den Ortsteilen künden zwischenzeitlich Dutzende von Protest-Plakaten von der Initiative. Mit jeweils mehreren schraffierten Flächen belegt sind auch alle Mitgliedskommunen der Verwaltungsgemeinschaft Monheim, wohin es offensichtlich bereits intensive Kontakte gibt. Spektakulär war denn auch die Kulisse bei der Donnerstagsitzung des Gemeinderates. Durch ein Spalier von Protestierenden in Warnjacken, ausgerüstet mit Plakaten, marschierten die Gremiumsmitglieder ins Rathaus, wo sich rund 55 Zuhörer eingefunden hatten.
Tagesordnungspunkt eins war dann allerdings unspektakulär. Der Einladungstext ließ erahnen, dass sich die Gemeinde auf die Seite der Protestbewegung stellt. „Beratung und gegebenenfalls Beschlussfassung über die Notwendigkeit sowie gegebenenfalls die Auftragsvergabe eines rechtlichen Beistandes der Gemeinde Marxheim hinsichtlich der Ausweisung der Windvorranggebiete der Regionalpläne 9 und 10“, formulierte Bürgermeister Alois Schiegg die Agenda. Und tatsächlich war der Tagesordnungspunkt schnell „abgeräumt“. Tags zuvor hatten sich Bürgermeister, weitere Gremiumsmitglieder und Verantwortliche der BI zu einem Gespräch getroffen, das Schiegg zum Sitzungsauftakt als konstruktiv bezeichnete. Ergebnis war, dass sich die Gemeinde mit der Initiative solidarisiert. Von den Räten wurde kein Diskussionsbedarf zu der Frage angemeldet, ob man juristischen Beistand wolle, sondern welche Kanzlei man beauftragt.
Bürgermeister Schiegg offerierte dazu drei Alternativen: den Anwalt der Bürgerinitiative, den Verbund mit Monheim und die vor Jahren beim Windrad Ammerfeld tätige Kanzlei. Der Anwalt der Bürgerinitiative riet selbst von seiner Beauftragung ab, da BI und Gemeinde im Verfahren auch unterschiedliche Interessen haben könnten. Einstimmig beschloss der Gemeinderat nach vier Wortmeldungen, dass man wie die Mitgliedskommunen der Verwaltungsgemeinschaft Monheim die Kanzlei „p drei Rechtsanwälte“ in Augsburg mit der Vertretung beauftragt. Gemeinderat Alexander Knoll erachtete als Vorteil, dass der Anwalt schnell tätig werden kann, Gemeinderätin Nicole Vervoort nannte die interkommunale Zusammenarbeit als zielführend. Die Bürgermeister-Vertreter Andreas Mayr und Thomas Stuber schlossen sich dem an: Die betroffenen Gemeinden könnten mit einer Stimme sprechen und ihre Informationen durch den Anwalt bündeln.
1324 Hektar für Windkraft auf den Jura-Höhen
Das sowohl von Monheim wie Marxheim angestrebte Gespräch mit dem Planungsverbandes gab es bisher nicht. Zuviel verspricht man sich zwischenzeitlich vom Dialog nicht mehr. Man befürchtet, dass er „ergebnisoffen und unproduktiv“ endet. Genährt wird dies, weil viele Stellungnahmen der Kommunen im informellen Verfahren Ende 2023 unberücksichtigt blieben. Gewünschte Gebiete wie in Fremdingen wurden gestrichen, Anträge auf Streichung oder größere Entfernung von der Bebauung wurde dagegen nicht entsprochen. Die Bürgerinitiative betont auf ihrer Homepage (www.gegenwind-marxheim.de), dass sie grundsätzlich Befürworter der Windkraft ist, dennoch sei es unerlässlich, „den Verlust von Waldflächen zu verhindern und insbesondere naturbelassene Ökosysteme wie den Wald bei Marxheim-Schweinspoint zu bewahren.“
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