"Klonk", klappt der Seitenständer ein. Leises Summen, als ich die Zündung einschalte, und dann kommt der Moment der Wahrheit. Nach zweimonatigem Stehen, einer kurzen Fahrt in die Garage und ihrer ersten kalten Nacht. Springt sie direkt an? Und wie. Mein Motorrad, das ich in den letzten zwei Monaten nach meinem Umzug so schmerzlich vermisst habe, ist endlich angekommen. Und ich mache meine erste Tour. Es soll nach Inning an den Ammersee gehen.
Ich will zur Seepromenade fahren und mir dabei die Landschaft in meiner neuen Heimat anschauen. Und natürlich Motorrad fahren. Es ist das Wochenende vor dem 1. März, dieser ist für viele Motorradfahrer der offizielle Start der Saison und noch ziemlich kalt, zumindest bei der Fahrt. Dennoch sind schon einige unterwegs, und natürlich grüßen wir einander mit der linken Hand. Von Augsburg fahre ich zuerst einmal Richtung Friedberg, dann geht es über Kissing, Mering, Merching und Steindorf gen Süden. Mein Motorrad ist übrigens das ganze Jahr über zugelassen und für mich war es somit der erste "Saisonstart".
"Der Weg ist das Ziel" trifft hier zu
Mit dem Motorrad die Gegend zu erkunden, ist viel intensiver als im Auto oder Bus. Man ist weniger abgelenkt und weniger abgeschottet von der restlichen Welt. Man spürt den Windzug, wenn ein Auto vorbei fährt, riecht seine Umgebung und mit einem leisen "plock" fliegen einem die Fliegen gegen den Helm. Und obwohl mir jetzt wirklich kalt ist, macht das Fahren einfach unglaublich viel Spaß.
Mein Motorrad ist dabei gar nichts Besonderes: Eine Honda, die ich vor gut fünf Jahren gebraucht gekauft habe. 48 PS, mittlerweile fast 27.000 Kilometer, reparierter Unfallschaden. Und trotzdem will ich keine Andere haben. Hat sich doch mein Herz vor Freude überschlagen, als sie geliefert wurde.
Einfach die Dörfer anschauen, ein bisschen lernen, was wo ist, das ist mein Ziel. und so zuckele ich herum. Wundere mich, wie klein eine Straße werden kann und darüber, dass es Orte gibt, bei denen Ortsein- und -ausgang nur wenige Meter voneinander entfernt liegen. Außerdem kann ich hier zum ersten Mal in meinem Motorradfahrer-Leben mit meiner eigenen Maschine wirklich enge Kurven fahren. Was mich zuerst einmal völlig überfordert.
Denn bei mir zu Hause "versperren" keine Hügel den Blick auf die Straße, und man kann einfacher planen, wie man fährt. Man sieht nicht, ob sich die Kurve noch zuzieht. So bin ich bei meiner ersten Tour noch sehr langsam und vorsichtig. Als ich am Ammersee ankomme, bleibe ich kurz stehen. Ich muss meine Hände wärmen. Und dann nichts wie weiter, das Ufer ist total übervölkert. Also lieber schnell wieder los. Fahren.
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