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Friedberg/Augsburg: 14-Jährige forscht im Lockdown und gewinnt Preis

Friedberg/Augsburg

14-Jährige forscht im Lockdown und gewinnt Preis

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    Zoë Prillwitz hat zu Mikroplastik in der Natur geforscht.
    Zoë Prillwitz hat zu Mikroplastik in der Natur geforscht. Foto: Leonie Prillwitz

    Gläser türmen sich neben dem Mikroskop. Gefüllt sind sie mit allerlei undefiniertem braunen Material. Auf den ersten Blick. Die 14-Jährige Zoë Prillwitz vom Maria-Ward-Gymnasium Augsburg schaut aber genauer hin: Zwischen den unscheinbaren braunen Krümeln versteckt sich Mikroplastik. Dazu gehören allgemein alle kleiner als fünf Millimeter großen Plastikpartikel. Die Jugendliche aus Friedberg konnte einen ersten Platz bei "Schüler experimentieren" erreichen. Dies ist die Juniorenklasse bei "Jugend forscht".

    Nahezu unsichtbar stellt das Mikroplastik doch eine große Gefahr für die Umwelt dar. Unter anderem kommt es zu Verdauungsstörungen und Entzündungen bei Fischen und anderen Kleintieren, die das Mikroplastik fressen. So von Plastik gefüllte Mägen können durch das Sättigungsgefühl auch zum Verhungern der Tiere führen.

    Prillwitz untersucht die Mikroplastiksituation in den Wasserläufen und Kanälen der Stadt Augsburg. „Mein Ziel ist es, den Mikroplastikeintrag in unsere Umwelt zu reduzieren“, erklärt sie. Aus ihren Ergebnissen erarbeitet die 14-Jährige außerdem Maßnahmen dazu. An ausgewählten Probestellen der Flüsse, Kanäle und Quellbäche nimmt sie dazu regelmäßig Proben. Mit dem Thema Mikroplastik setzt sie sich nun seit drei Jahren auseinander.

    Gesichtspeelings als Inspiration für Mikroplastik-Projekt

    Begonnen hat die Friedbergerin in der siebten Klasse mit der Entwicklung eines Mikroplastikfilters für das Waschbecken. „Bei all den Gesichtspeelings und Glitzerseifen, die in meiner Klasse damals verschenkt wurden, habe ich mich natürlich irgendwann gefragt, was damit im Abfluss passiert.“ In den Kläranlagen kann ebenjenes Mikroplastik nicht aufgehalten werden und gelangt in die Umwelt.

    Auch nach dem Verbot von festem Mikroplastik in Kosmetika 2020 ist es hier ein Problem, denn einige Hersteller sind deshalb auf gelförmiges Mikroplastik umgestiegen. „Bei Probennahmen am Lech habe ich neben Glitzerpartikeln und Kunststofffragmenten auch synthetische Fasern und Kunstrasenfasern und Einstreugranulat gefunden“, berichtet Prillwitz. „Da war mir klar, dass ich handeln will.“

    Um weitere Mikroplastikquellen zu identifizieren, deren Eintragsmengen zuzuordnen und entsprechende Maßnahmen dagegen erarbeiten zu können, hat sie 2019 mit ihren Untersuchungen begonnen. Zunächst wurden je zehn Punkte an Bächen, Flüssen und Kanälen der Stadt Augsburg beprobt und so anschließend auf verschiedene Arten von Mikroplastik untersucht.

    Allerhand fand die 14-Jährige in den heimischen Bächen.
    Allerhand fand die 14-Jährige in den heimischen Bächen. Foto: Leonie Prillwitz

    Anschließend ging es an die Aufbereitung: Die Sedimentproben aufgeschwemmt, mit einem Siebturm nach Größe sortiert und die Wasserproben gefiltert. Unter dem Mikroskop wurden die Mikroplastikpartikel danach von organischem Material getrennt und ausgezählt. Nach der Auswertung überlegte sie, welche Eintragsquellen für den jeweiligen Probenort in Frage kommen und welche Handlungsempfehlungen sich daraus ergeben könnten.

    Auch im Lockdown fällt Abfall an

    Besonders interessant wurde es für sie mit dem ersten Lockdown. „Mich hat es natürlich sehr interessiert, ob und wie sich der Lockdown auf die Mikroplastiksituation auswirkt“, so die Schülerin. Dazu wiederholte sie die Proben währenddessen. Gleich verfuhr sie außerdem im Juli und Dezember, um einen jahreszeitlichen Vergleich zu erstellen.

    Anders als ursprünglich erwartet, sei die Lockdown-Probenreihe keine Nullprobengelegenheit gewesen. „Wegen der Ausgangsbeschränkungen gingen die Leute viel spazieren“, sagt die 14-Jährige. Die Folgen davon spiegeln sich in ihren Ergebnissen wieder. „An beliebten Spazierwegen sind die Mikroplastikzahlen gestiegen, im Stadtzentrum gesunken.“ Beispiele sind die hohe Mikroplastikbelastung an Wertach und Wolfzahnau. Die Sommer- und Wintervergleichsproben sind aktuell in Bearbeitung. Selbiges gilt für die jüngsten Hochwasserproben, eine spontaner Entschluss der Jungforscherin.

    Auf die Ergebnisse sei sie sehr gespannt, denn schon bei der Probennahme habe sie außergewöhnlich große Mengen an Treibgut, wie beispielsweise Styroporbehältern, beobachtet.

    Beim Forschen findet sie auch ein Gebiss

    Diesen „Uferabfall“ fand sie an jeder ihrer Untersuchungsstellen. Neben großen Mengen an Verpackungsmüll, Plastikspielzeug und Mund-Nasen-Bedeckungen habe sie mitunter sogar ein Gebiss gefunden. Auffällig sei zudem die Probenstelle Brunnenbach 1 geworden, an dessen Quelltopf Traumfänger und Tücher im Gebüsch hingen und bemalte Steine im Wasser versenkt worden seien. Die bunten Textilfasern fanden sich in entsprechend großer Zahl auch in den Proben wieder.

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