In den Augen der Mitglieder des Historischen Fördervereins sollte der Marxenwirt im Kissinger Altort die Rettung sein. Schon seit über eineinhalb Jahren gibt es nun keine Hiasl-Erlebniswelt mehr in der Gemeinde. Die Ausstellungsstücke sind längst in dem Gebäude der ehemaligen Neuapostolischen Kirche, das der Gemeinde gehört, eingemottet. Kein Heimatmuseum erinnert mehr an die Zeit und das Leben des Matthäus Klostermayr. Dabei galt die Hiasl-Welt lange Zeit als ein touristisches Aushängeschild des Landkreises Aichach-Friedberg.
Zuletzt brachten die Mitglieder den Marxenwirt in Kissing als neuen Standort ins Gespräch. Über dem alteingesessenen Bierlokal im Altort der Gemeinde gibt es einen ehemaligen Festsaal, der schon lange nicht mehr genutzt wird. Die Biografie Klostermayrs ist mit dem Marxenwirt verbunden. Der bayerische Hiasl wurde dort verhaftet, um zum Militärdienst eingezogen zu werden. Doch nun steht fest, dass das Heimatmuseum nicht in das Gebäude des Marxenwirt einziehen wird. Der Grund sind die hohen Kosten. Das Museum war von der Regio Augsburg Tourismus zusammen mit dem Wittelsbacher-Land-Verein finanziert worden. Auch die Gemeinde Kissing hatte es unterstützt. Betrieben wurde es von den Mitgliedern des Historischen Fördervereins.
Experten schauen sich den Marxenwirt in Kissing an
Landrat Klaus Metzger ist als Vorsitzender des Wittelsbacher-Land-Vereins eingebunden. Er hatte zugesagt, dass Experten vom Kreisbauamt den Marxenwirt anschauen. „Die Besichtigung hat ergeben, dass die Instandsetzung der Räume für einen Museumsbetrieb nur mit einem enormen Aufwand möglich wäre – die Schätzung liegt bei etwa einer Million Euro“, heißt es beim Landratsamt. Damit scheide der Marxenwirt als Standort für das Museum aus. Metzger: „Der Hiasl und die Erlebniswelt liegen mir sehr am Herzen, aus geschichtlichen und auch aus touristischen Gründen. So charmant eine Lösung beim Marxenwirt auch gewesen wäre – letztendlich war es nicht zu realisieren. Jetzt suchen wir weiter nach einer passenden Heimat für unseren Hiasl, gemeinsam mit dem Förderverein und der Gemeinde.“
Tourismusdirektor Götz Beck von der Regio Augsburg erklärt, dass für die Einrichtung, den eventuellen Bau oder die Renovierung eines Museums der Landkreis zuständig sei. „Wir haben immer den Betrieb in Verbindung mit dem Verein, die inhaltliche Aufbereitung und Gestaltung des Museums über Fördergelder sowie das Marketing übernommen. Daher können wir zur Location nichts sagen, da uns die Hintergrundinformationen fehlen.“
Hiasl soll auf die Theaterbühne kommen
Ronald Kraus, dem Vorsitzenden des Fördervereins, liegt das Gutachten des Bauamts vor. Bei der Besichtigung sei herausgekommen, dass das Gebälk im Dachgeschoss in einem guten Zustand ist. Die Böden zum ersten Obergeschoss und Erdgeschoss seien aber als „stark schwankend“ aufgefallen. Eventuell seien Schäden durch einen früheren Wassereintritt entstanden. Das Bauamt gehe davon aus, dass eine Instandsetzung für die Ausstellung eine Millionen Euro kosten würde.
Kraus begrüßt, dass die Experten sich das Gebäude angeschaut haben. „Wir als Verein sind froh, dass nun belastbare Zahlen vorliegen.“ Die Absage des Landrats überrascht ihn nicht. „Das ist schade, aber leider war das absehbar.“ Schon beim Ortstermin und bei einer Sitzung des Wittelsbacher-Land-Vereins habe sich Metzger eher ablehnend gezeigt. Aus Sicht des Vereins wäre der Standort im Altort aufgrund der historischen Komponente gut gewesen. Kraus und seine Mitstreiter wollen aber die Flinte nicht ins Korn werfen: „Wir suchen weiter nach Alternativen.“ Derweil wird der Hiasl wohl in naher Zukunft auf einer Theaterbühne zu sehen sein. Sebastian Seidel vom Sensemble Theater in Augsburg arbeitet weiter an einem Stück. Laut Beck steht die Finanzierung. Zudem betreibt die Regio inzwischen einen Online-Auftritt, in dem das Leben Klostermayrs geschildert wird. „So können wir das Thema zumindest über den Internetauftritt und solchen Aktivitäten im Bewusstsein halten“, sagt Beck.
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