Die Absolventen des Gymnasiums Friedberg könnten ein ganzes Dorf füllen: 4120 Abiturienten hatte die Schule in den 50 Jahren ihres Bestehens. 708 Schüler besuchen sie momentan. Der demografische Wandel und die Gründung des Meringer Gymnasiums 2013 wirken sich jedoch aus.
In den Hochzeiten Anfang der 1980er Jahre waren es über doppelt so viele Schüler, nämlich bis zu 1450. Damals gingen allerdings die Babyboomer zur Schule, es gab nur zwei Gymnasien im Landkreis und diese waren neunstufig. Die Einrichtung platzte irgendwann aus allen Nähten. Schulleiterin Ute Multrus ist daher nicht unglücklich über den Rückgang der Zahlen, wenn sie auch das Für und Wider erkennt.
Keine Schüler aus Mering und wenige aus Kissing in Friedberg
„Die Anonymität nimmt ab, es wird persönlicher“, beschreibt sie die Entwicklung, die vorhersehbar gewesen sei. In den 50 Jahren weise die Schülerkurve immer wieder starke Schwankungen auf. Und in der Untersuchung, die im Rahmen der jahrelangen Diskussion über ein drittes Gymnasium im Landkreis erstellt wurde, seien die Auswirkungen auf Friedberg prognostiziert worden – wenn auch nicht ganz im jetzigen Ausmaß.
Der Rückgang am Rudolf-Diesel-Gymnasium Hochzoll, dessen Schüler großteils aus Kissing und Mering kamen, war dort ebenfalls Thema. Das Diesel nimmt nun verstärkt Schüler der teils überlasteten Augsburger Innenstadtschulen auf.
„Das dritte Gymnasium war erklärter politischer Wille“, sagt Multrus. Und wie wirkt der sich im Alltag aus? Friedberg hat keine Schüler mehr aus Mering und kaum welche aus Kissing – Gemeinden, die wegen der guten Anbindung an München sowie der großzügigen Ausweisung von Baugebieten boomen. Umgekehrt besucht aber auch kein Schüler aus Friedberg das Gymnasium Mering, verlautet von der dortigen Schulleitung.
Friedberg kommen die gewonnenen Raumkapazitäten pädagogisch durchaus zugute. Am Gymnasium gilt längst nicht mehr das Prinzip „eine Klasse – ein Zimmer“. „Wir bieten individuelle Förderung in Kleingruppen, gerade in der Mittelstufe“, erläutert Multrus. So werden Klassen in naturwissenschaftlichen Fächern getrennt nach Geschlechtern unterrichtet.
Aber Förderung beginnt gleich nach dem Übertritt. Auch im ländlichen Raum sei die Schülerschaft mittlerweile heterogen. Und so werden die Fünftklässler von Lern- und Übergangstutoren aus der Mittelstufe begleitet. Auch Ferienkurse finden statt.
Schule habe sich verändert, die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen werde laut Multrus immer mehr in den Fokus gerückt. Abgesehen von den seit Jahrzehnten beliebten Institutionen Big Band und Chor wurde eine Vielzahl gemeinschaftsstiftender Initiativen aufgebaut, von Schulsanitätern über Austauschprogramme bis zu den Arbeitskreisen Umwelt und Eine Welt, letzterer in Kooperation mit dem Gemeinschaftsprojekt Blumenthal.
Soziales Miteinander, Toleranz, Kommunikation, solche „Werte, die verbinden“ sollen als Leitbild nicht nur auf dem Papier stehen. „Wir versuchen, sie zu leben“, betont Multrus. Ein Ruf, der dem Gymnasium in der Vergangenheit nicht gerade anhaftete. Wirkten sich das und die Namensdebatte womöglich ebenfalls auf die Zahlen aus?
Die Übertrittsquote an Gymnasien in Aichach-Friedberg ist niedrig
Multrus sieht eher andere Ursachen. So liege die Übertrittsquote von Viertklässlern mit Gymnasialeignung im Landkreis nur bei 33 bis 38 Prozent. Das sei niedrig im Vergleich zum Münchner Speckgürtel mit 80 Prozent. Realschule bzw. die Kombination Realschule/FOS sei im Wittelsbacher Land beliebt. „Das zeigt, dass das dreigliedrige Schulsystem funktioniert.“
Multrus macht aber keinen Hehl daraus, dass die Entwicklung ein geringeres Budget bedeutet. „Unser Angebot an Aktivitäten kann dann eventuell nicht aufrechterhalten werden.“ Auch die Kurseinteilung für die neue Oberstufe – 2018 kehrte der Freistaat Bayern zum neunstufigen Gymnasium zurück – müsse man sich überlegen. Dennoch betont Multrus: „Es ist ein Werben um Schüler – aber nicht um jeden Preis.“ Mit dieser Entwicklung steht Friedberg nicht allein da: Am Deutschherren-Gymnasium in Aichach sinken die Zahlen ebenfalls.
Informationsabend am Gymnasium Friedberg
Infoabend am 19. März um 18 Uhr zum Übertritt ans Gymnasium und Besichtigung des Schulhauses mit Vorführungen sowie Präsentation der Fächer.
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