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Zinsportale haben zu Unrecht einen schlechten Ruf

Kolumne Von Sascha Straub
27.04.2021

Der Null-Prozent-Trend brachte die Online-Vermittler für Tages- und Festgeld gut ins Geschäft. Dann kam die Greensill-Pleite. Auf was Sparer achten sollten.

Steigende Inflation bei dauerhaft niedrigen Zinsen bieten keine guten Aussichten fürs Zinssparen. Das sicherheitsorientierte Sparen mit Tages- oder Festgeld zementiert sich zu einem Verlustgeschäft, wenn nicht zumindest mittelfristig Zinsen leicht über der Inflationsrate damit zu realisieren sind.

Als sich bei den Banken der Trend zum Null-Prozent-Tagesgeldkonto und damit der Rückzug aus dem Einlagengeschäft abzeichnete, drangen Zinsportale wie Weltsparen oder Zinspilot auf den Markt. Deren Idee war es, Zinsanlagen bei Banken mit europäischer Einlagensicherung online zu vermitteln. Den Sparern eröffneten sich wieder Zinskorridore zwischen 0,2 und 1,6 Prozent, je nach Anlage und Laufzeit. Die von den deutschen Banken hinterlassene Lücke im Einlagengeschäft konnte damit zumindest wieder etwas geschlossen werden.

Zinsportale sind nicht zur Prüfung der Banken da

Begehrt bei den Portalsparern sind die wenigen Banken mit deutscher Einlagensicherung. Nur deswegen konnte die unbekannte Greensill-Bank mit Festgeldangeboten zwischen 0,3 und 0,9 Prozent viele Sparwillige überzeugen. Die spätere Insolvenz war schockierend, und reflexartig wurden Schuldige gesucht: untätige Finanzaufsicht, gierige Sparer und natürlich die Zinsportale selbst. Diese würden auf unseriöse Weise unsicheren Banken massenweise Kunden zutreiben, weswegen diese auch verantwortlich seien.

Die Insolvenz des Finanzdienstleisters Greensill könnte noch Folgen für die Banken haben.
Foto: Sina Schuldt, dpa

Daran kann man so seine Zweifel haben, denn Hinweise auf unlautere Werbung gab es keine. Auch durften sich die Zinsportale auf die Einlagensicherung verlassen und waren darüber hinaus rechtlich nicht zur Überprüfung der Banken verpflichtet. Wenn man im Restaurant übers Internet bestellt und es schmeckt nicht, ist es ja auch kaum naheliegend, dem Lieferdienst die Schuld zu geben. Am Ende ist es für private Sparer auch gar nicht schlecht gelaufen.

Das Gespür der Zinsjäger war richtig, auf eine Bank mit deutscher Einlagensicherung zu setzen. Womit die Greensill-Bank ihr Geld verdient, ist letztlich unerheblich, was man kritisieren kann. Jedoch werden jetzt die privaten Sparer inklusive Zinsen entschädigt und stehen trotz Bankinsolvenz sogar besser da als jene Kunden, die Tages- oder Festgeld bei einer regionalen Sparkasse oder Volksbank haben. Verrückte Finanzwelt.

Die Greensill-Pleite könnte Folgen haben

Die Verlierer bei der Greensill-Pleite sind die institutionellen Anleger wie Kommunen, die nicht von der Einlagensicherung profitieren, und vielleicht auch ein wenig die Banken, die in die Sicherungssysteme eingezahlt haben. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Letztere jetzt prüfen, wie künftig sichergestellt werden kann, dass nicht automatisch jede Bank aus den gemeinsam finanzierten Sicherungstöpfen gestützt wird. Das könnte dann noch finanzmarktpolitisch interessant werden.

Sascha Straub arbeitet bei der Verbraucherzentrale Bayern und kümmert sich um Finanzdienstleistungen.
Foto: Marcus Schlaf

Sascha Straub ist Fachmann für Finanzfragen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern.

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