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Grüne Geldanlagen
16.03.2021

Wie nachhaltig grüne Finanzprodukte heute schon sind

Nachhaltigkeit hat viele Aspekte – von ökologisch bis sozial. Entsprechend vielfältig sind auch mögliche nachhaltige Geldanlagen.
Foto: Tom Weller, dpa

Europa will bis 2050 klimaneutral werden. Das hat auch Folgen für die Finanzwirtschaft, deren Nachhaltigkeit – und die Anleger. Und zwar schon ab sofort.

Wer sich künftig zur Geldanlage beraten lässt, wird gefragt werden müssen, ob dabei auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden sollen. Mit dieser Maßnahme möchte die EU-Kommission die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft fördern. Ein legitimer Schritt, wenn man bedenkt, dass die Erreichung des Zieles, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen, einen vollständigen Umbau unserer Wirtschaft voraussetzt. Indem mehr Menschen nachhaltig investieren, wird auch mehr Geld in klimafreundliche Investments fließen, was wiederum die Realwirtschaft verändert.

Dieser plausible Plan hat einen Haken. Es gibt weder eine Legaldefinition noch einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was nachhaltige Geldanlagen sind. Dementsprechend bunt ist auch das Angebot auf dem Markt der Sustainable Finance. Es fängt damit an, dass jeder Anbieter von Finanzprodukten selbst festlegt, was für ihn nachhaltig ist. Nachhaltigkeitsziele können neben ökologisch auch sozial, ethisch, grün und klimaneutral sowie entsprechende Kombinationen daraus sein.

Wie grün sind grüne Finanzprodukte wirklich?

Für das Erreichen der Ziele gibt es keinen Königsweg. Die einen machen es anhand von Negativkriterien, wonach Anbieter ausgeschlossen werden, die in bestimmten Branchen wie Atomkraft, Tabak oder Waffen ihre Geschäfte machen. Weil aber in einer globalisierten Welt große Unternehmen ihre Aktivitäten breit streuen, arbeiten Finanzproduktanbieter mit Bagatellgrenzen für den nicht nachhaltigen Geschäftsbereich. Daraus kann sich ein weiteres Risiko ergeben: Wenn Produkte als nachhaltig ausgewiesen sind, obwohl diese weiterhin klima- oder umweltschädliche Elemente enthalten, spricht man auch von „Greenwashing“.

Sascha Straub arbeitet bei der Verbraucherzentrale Bayern und kümmert sich um Finanzdienstleistungen.
Foto: Marcus Schlaf

Aber auch die Bewertung nach einer Positivliste ist herausfordernd und oft nicht eindeutig. Hier sollen gezielt Anbieter bevorzugt werden, die im Sinne der Nachhaltigkeit besser sind als andere. Entweder sucht man nur Unternehmen aus bereits als nachhaltig klassifizierten Branchen aus, oder man schaut nach den Klassenbesten aller Branchen. Ein Hersteller von Handfeuerwaffen kann dann allerdings noch als ethisch nachhaltig gelten, solange keine Kriegswaffen herstellt werden.

Etwas mehr Durchblick im Informationsdschungel könnte die ESG-Offenlegungsverordnung der EU bringen. Danach müssen seit dem 10. März Finanzmarktteilnehmer konkrete Nachhaltigkeitsinformationen zu ihren Finanzprodukten online veröffentlichen. Die Wirkung bleibt abzuwarten. Nachhaltig investieren ist möglich – wenn man bereit ist, Kompromisse bei den Kriterien einzugehen und mit einem Rest an Ungewissheit leben kann, weil man selbst die Aussagen zur Nachhaltigkeit einer Geldanlage nicht vollständig wird überprüfen können.

Sascha Straub ist Fachmann für Finanzfragen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern.

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