Ausgerechnet die Fahrerinnen und Fahrer der als sparsam geltenden Diesel-Autos brauchen derzeit an der Tankstelle besonders starke Nerven – der Kraftsoff, den sie benötigen, um mobil zu bleiben, ist deutlich teurer als Superbenzin.
Und das, obwohl doch das steuerliche „Diesel-Privileg“ gilt. Da wittert mancher frustrierte Dieselfahrer faule Preistricks der Mineralölkonzerne. Doch auch unabhängige Experten verweisen auf ein explosives Gemisch aus Gründen für den Dieselpreis-Wahnsinn.
Weltweit besonders gefragt – aber nicht für den Auto-Tank
Weltweit gesehen ist Diesel demnach krisenanfälliger, weil er stärker nachgefragt wird als Benzin. Vor allem Transportwesen und Industrie benötigen gewaltige Mengen. Im Riesen-Markt China etwa ist der Diesel-Bedarf für Schwerlastverkehr oder Generatoren auf Baustellen und in der Industrie immens. So treibt die Verknappung von Rohöl durch die iranische Blockade der Straße von Hormus die Preise auf den internationalen Märkten nach oben. Das wiederum bekommt besonders Deutschland zu spüren: Während heimische Raffinerien den Bedarf an Benzin fast vollständig decken können, ist die Bundesrepublik beim Diesel auf Importe angewiesen. Rund ein Drittel muss im Ausland bezogen werden.
Eine gewichtige Rolle spielt der strenge Winter: Diesel ist chemisch eng verwandt mit Heizöl, das nach der außergewöhnlich langen Kälteperiode knapp geworden ist. Der für den Boiler im Keller gedachte Brennstoff entsteht zwar meist in den gleichen Anlagen und mit fast identischen Prozessen wie Diesel, wird aber deutlich geringer besteuert und ist deshalb für die Verbraucherinnen und Verbraucher billiger. Was immer wieder Besitzer von Dieselfahrzeugen dazu verleitet, Heizöl zu tanken. Das kann dann erst recht teuer werden und sogar hinter Gitter führen. Damit es nicht im Tank des Dieselautos verfahren werden kann, wird Heizöl rot eingefärbt. Der Zoll kontrolliert das regelmäßig, Autofahrer die damit im Tank erwischt werden, riskieren hohe Strafen, es drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Der CO₂-Preis ist für Diesel höher
Schließlich spielt auch der Staat eine Rolle beim Preisunterschied zwischen Diesel und Benzin. Zwar ist die Energiesteuer für Diesel mit etwa 47 Cent pro Liter in Deutschland weiter niedriger als für Benzin (gut 65 Cent pro Liter), doch der Effekt dieser Subvention wird an anderer Stelle wieder aufgezehrt. Einführung und schrittweise Erhöhung der CO2-Bepreisung betreffen Diesel nämlich stärker als Super – weil er mehr Emissionen verursacht. Auch die Treibhausgasminderungsquote, die Mineralölkonzerne zur Beimischung von Biokraftstoff verpflichtet, schlägt sich auf den Dieselpreis stärker durch.
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