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Kaninchen als Haustiere: Das muss man über ihre artgerechte Haltung wissen

Tierkolumne

Kein Kummer mit Kaninchen

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    Auch Kaninchen brauchen ausreichend Platz, um glücklich zu sein.
    Auch Kaninchen brauchen ausreichend Platz, um glücklich zu sein. Foto: Stefan Sauer, dpa

    Sicher, Kaninchen sind extrem putzige Tiere und sorgen für gute Stimmung, wenn sie durch den Garten toben oder Karotten aus der Hand fressen. Viele Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als mit Kaninchen fangen zu spielen, sie zu streicheln und zu umsorgen. Doch so schön diese Vorstellung sein mag, so schnell kann Kaninchenhaltung im echten Leben völlig danebengehen. Die Tiere haben außerordentliche Fähigkeiten, sehr spezielle Bedürfnisse und können sich kräftig verteidigen, wenn ihnen etwas missfällt. Worauf man bei der Anschaffung achten sollte:

    1. Platzbedarf: Die Hinterbeine von Kaninchen sind etwa doppelt so lang wie die Vorderbeine und damit optimal zum Hoppeln. Selbst ein kleines Kaninchen kommt mit jedem Hoppler gut 65 Zentimeter weit. Macht es Tempo, schafft es pro Einzelsprung sogar eineinhalb Meter. In Spiellaune vollführen sie sogar Luftsprünge. Dazu kommt das Buddeln. Ein perfektes Freigehege ist deswegen so großzügig wie möglich, bietet viel Schatten und verfügt über einen aus- und einbruchsicheren Zaun – was nicht einfach ist. Zum Käfig: Vier Quadratmeter (gern über zwei Ebenen) sollten es für zwei Kaninchen schon sein.
    2. Kuschelfaktor: Kürzlich beklagten sich Eltern bei mir: „Wenn unser Lukas die Hand in den Käfig streckt, knurren Adriano und Celentano. Sie beißen und kratzen auch.“ So hatten sie sich Kaninchen nicht vorgestellt. Die gute Nachricht: 95 Prozent der Fälle von Aggressionen gegen Menschen können behoben werden. Häufigste Ursachen: das Einsperren in zu kleinen Käfigen ohne Auslauf, fehlende Artgenossen und falscher Umgang. So gibt es eigenartige Theorien, man müsse Kaninchen zwangskuscheln, um sie zu zähmen. In Wirklichkeit fühlen sich die Tiere aber bedroht, erstarren regelrecht vor Angst und können nachher aggressiv werden, weil das Kaninchen lernt: „Wenn ich Angst habe, bringt Erstarren nichts. Besser beiße ich, damit man mich versteht.“
    3. Auswahl und Gesundheit: Bei Hunden spricht es sich langsam herum, dass es Rassen gibt, die nicht gesund sind. Man denke an die Möpse mit kurzen Schnauzen und Atemnot. Ähnlich kurze Schnauzen gibt es bei Kaninchen. Diese wirken sich auf die Form des Kiefers und auf das Zahnwachstum aus. Resultat: schiefe Zähne. Ein Problem, weil Kaninchenzähne lebenslang wachsen. Schleifen sie sich beim Mümmeln nicht durch den passenden Gegenbiss ab, werden sie länger und länger - bis die Tiere irgendwann nichts mehr fressen können. Betroffene Tiere müssen alle sechs bis acht Wochen zum Zähnekürzen zum Tierarzt. Auch Schlappohren bereiten Probleme. Weil kaum Luft in den Gehörgang gelangt, kommt es oft zu Ohrenentzündungen. Zusätzlich sind Ohren für die Kommunikation wichtig. Nach vorn gerichtet signalisieren sie Aufmerksamkeit und Neugierde, nach hinten entweder Entspannung oder auch Angst und Unterwürfigkeit. Schlappohrkaninchen können sich auf diese Art gar nicht verständigen.
    4. Fütterung: Heu, Blätter und Kräuter machen Kaninchen zufrieden und sind am gesündesten für Zähne, Magen und Darm. Richtig gefütterte Tiere leiden außerdem viel seltener unter Macken wie Gitterbeißen, Fellrupfen oder Tapetennagen. Empfehlenswert ist auch jeden Tag Gemüse: Karotten, gelber oder roter Paprika, Fenchel, Sellerie oder Brokkoli. Kraftfutter kann man im Prinzip weglassen. Weil es aber als Leckerei beliebt ist, setzt man sich am besten eine Obergrenze: maximal ein Esslöffel am Tag.

    Zur Person: Tanja Warter ist Tierärztin und verknüpft seit Jahren die Leidenschaft für die Tiermedizin mit dem Spaß am Schreiben.

    Sie haben Haustiere und wollen mehr über sie erfahren? Unsere Tierärtzin gibt in ihrer Kolumne Tipps:

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