Alles ist angerichtet für eine heiße Tarifrunde: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Beamtenbund (dbb) fordern deutliche Gehaltserhöhungen für mehr als eine Million Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) kritisiert, dass die Forderungen völlig aus der Zeit gefallen seien. Beide Seiten scheinen weit auseinanderzuliegen, weswegen die Tarifverhandlungen viele Menschen in Deutschland betreffen könnten. Immerhin ist denkbar, dass Zehntausende Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher ihre Arbeit niederlegen.
Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Was fordern Verdi und Beamtenbund?
Verdi hat am Montag, 17. November 2025, den Ton für die Tarifverhandlungen gesetzt. Die Gewerkschaft fordert laut eines Berichts der Tagesschau sieben Prozent mehr Gehalt für Angestellte im öffentlichen Dienst. Mindestens 300 Euro soll die Lohnsteigerung für die Beschäftigten betragen. Außerdem sollen die Gehälter der Nachwuchskräfte um 200 Euro steigen und diesen eine unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung garantiert werden.
Der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke erklärte, dass es nach jüngsten Steuerschätzungen einen großen finanziellen Spielraum für die Länder gebe. „Das muss sich auch bei den Gehältern zeigen, denn der öffentliche Dienst steht im Wettbewerb um die besten Fachkräfte – bei zugleich mehreren Hunderttausend unbesetzten Stellen“, wird Werneke von der Tagesschau zitiert. Daher sei eine Erhöhung oberhalb der Inflation nötig, die in Deutschland derzeit bei 2,3 Prozent liegt.
Als Grund für die Lohnforderung nannte Verdi auch den Personalmangel im öffentlichen Dienst. Beim Bund, den Bundesländern und den Kommunen sollen insgesamt etwa 600.000 Arbeitskräfte fehlen. „An vielen Stellen wird an der Belastungsgrenze gearbeitet“, sagte Werneke. Gerade in Zeiten des Personalmangels käme es darauf an, Beschäftigte durch bessere Bezahlung zu gewinnen. „Beschäftigte in der freien Wirtschaft, bei Bund und Kommunen werden besser bezahlt als bei den Ländern“, bekräftigte Volker Geyer, Vorsitzender des Beamtenbunds, laut der Süddeutschen Zeitung: „Wir brauchen einfach die besten Köpfe für den öffentlichen Dienst. Und die werden wir nicht bekommen, wenn weiter zu wenig gezahlt wird.“
Ein sicherer Arbeitsplatz sei als Argument für einen Job im öffentlichen Dienst nicht ausreichend, da er „nicht die Rechnung an der Supermarktkasse“ zahle, sagte Geyer. Zudem seien laut einer Umfrage des dbb drei Viertel der Deutschen der Meinung, dass der Staat nicht mehr handlungsfähig sei. „Das hat auch mit dem Personalmangel zu tun. Und die Situation wird sich verschlechtern“, glaubt Geyer. Er rechnete laut Süddeutscher Zeitung vor, dass in den nächsten zehn Jahren 1,4 Millionen Beschäftigte den öffentlichen Dienst verlassen würden.
Das Ergebnis der Tarifverhandlungen möchten Verdi und der Beamtenbund auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte übertragen.
Gehaltsforderungen im öffentlichen Dienst: Was sagen die Länder?
Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) wies die Forderungen von Verdi und dbb zurück. Zwar wolle man den Beschäftigten der Länder eine „angemessene Lohnerhöhung“ ermöglichen, wird Andreas Dressel (SPD), TdL-Vorsitzender und Hamburger Finanzsenator, in der Tagesschau zitiert. Allerdings passe die Forderung nicht in die Zeit und sei komplett überzogen. Dressel verwies im Rahmen seiner Begründung auf die aktuelle Inflationsrate von zwei Prozent.
Die Gewerkschaften kritisierte der TdL-Vorstand für ihr Vorgehen. Verdi und dbb würden „mit ritualisierten astronomischen Forderungen nicht erfüllbare Erwartungen wecken, die am Ende zu großen Enttäuschungen bei vielen Beschäftigten führen“, erklärte Dressel. Er verwies auch darauf, dass Beschäftigte im öffentlichen Dienst beim Bund und Kommunen bereits im April 2025 eine Lohnerhöhung um 5,8 Prozent erhielten, die in zwei Stufen und einer Laufzeit von 27 Monaten bis Ende März 2027 erfolgt.
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Wo drohen Streiks im öffentlichen Dienst?
Die Tarifbeschäftigten der Länder, die von den Tarifverhandlungen direkt betroffen sind, arbeiten unter anderem in Schulen, an Kitas, in Kliniken, in Universitäten, in der Verwaltung, bei der Justiz, in Finanz- und Steuerbehörden und im Straßenbau. In all diesen Bereichen könnte es zum Ende des Jahres – und darüber hinaus – zu Streiks kommen.
Denn bereits in der letzten Tarifrunde hatten Zehntausende Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher ihre Arbeit niedergelegt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Es kam zu Unterrichtsausfall und Schließungen von Kitas. Auch in Unikliniken hatten die Ausstände Folgen – und die Streiks bei der Straßenmeisterei führten dazu, dass viele Straßen beim Wintereinbruch nicht geräumt wurden.
Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und dbb auf der einen und TdL auf der anderen Seite beginnen am 3. Dezember 2025.
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