Das Gehalt von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland kann stark variieren. Wer wissen möchte, wo das eigene Einkommen im bundesweiten Vergleich liegt, stößt bei der Recherche meist auf Angaben zum Durchschnittseinkommen. Als aussagekräftiger gilt jedoch das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, das einen anderen Wert ermittelt. So betont das Deutsche Wirtschaftsinstitut Berlin (DIW) ausdrücklich, dass das mittlere Einkommen und das Durchschnittseinkommen nicht identisch sind. Doch worin genau unterscheiden sie sich?
Wie wird das Durchschnittseinkommen ermittelt?
Jedes Jahr erhebt das Statistische Bundesamt Daten zu den Durchschnittsgehältern aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld fließen dabei in die Berechnung mit ein. Um den Durchschnittswert – das sogenannte arithmetische Mittel – zu ermitteln, werden zunächst alle Einkommen addiert. Anschließend wird diese Summe durch die Zahl der erfassten Datensätze geteilt.
Das Durchschnittsgehalt von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland lag im April 2024 laut Daten des Statistischen Bundesamts bei 4634 Euro brutto. Auf der Webseite wird jedoch betont, dass das individuelle Einkommen meist deutlich von diesem Wert abweicht. Faktoren wie Geschlecht, Alter, Qualifikation oder berufsspezifische Anforderungen beeinflussen die Lohnhöhe erheblich. Demnach verdient nur ein Drittel der Beschäftigten mehr als der Durchschnitt. Die anderen zwei Drittel liegen darunter.
Wie wird das mittlere Einkommen ermittelt?
Beim mittleren Einkommen, das in der Regel als Medianeinkommen bezeichnet wird, handelt es sich nach Angaben des DIW um „das Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt.“ Wie das Statistische Bundesamt auf seiner Webseite erklärt, ist der Median jener Wert, der in einer der Größe nach sortierten Reihe genau in der Mitte steht. In Bezug auf das Einkommen bedeutet das: Sortiert man die Bevölkerung vom niedrigsten bis zum höchsten Gehalt und unterteilt sie anschließend in zwei gleich große Gruppen, entspricht das Einkommen der Person, die genau in der Mitte steht, dem Medianeinkommen. 50 Prozent verdienen also mehr und 50 Prozent weniger.
Laut dem DIW wird das Medianeinkommen in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften unter anderem für Armutsberechnungen genutzt. Auch bei Verteilungsanalysen werde der Medianwert häufig mitangegeben, um die Mitte der Verteilung zu verdeutlichen.
Mittleres Einkommen und Durchschnittseinkommen im Vergleich
Dass das mittlere Einkommen und das Durchschnittseinkommen nicht identisch sind, verdeutlicht auch ein Blick auf die Zahlen:
- Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betrug der mittlere Bruttojahresverdienst in Deutschland im Jahr 2024, gemessen am Median, 52.159 Euro.
- Im Gegensatz dazu lag der durchschnittliche Bruttojahresverdienst, gemessen am arithmetischen Mittel, bei 62.235 Euro.
Die Diskrepanz zwischen den beiden Werten lässt sich auf die unterschiedliche Einkommensverteilung in Deutschland zurückführen. Während das oberste Prozent auf einen Bruttojahresverdienst von 213.286 Euro kam, verdienten die untersten zehn Prozent 32.526 Euro brutto oder weniger.
In einem Großteil der Länder zeichnet sich laut dem DIW bei der Einkommensverteilung das gleiche Bild ab: Während viele Menschen über ein niedriges oder mittleres Einkommen verfügen, beziehen nur wenige ein sehr hohes Einkommen. Ähnlich verhält es sich bei der Verteilung der Vermögen. Die relativ geringe Anzahl der sehr reichen Haushalte wirkt sich dabei direkt auf das Durchschnittseinkommen aus, welches dadurch deutlich nach oben gezogen wird. In Wirklichkeit liege jedoch die Mehrzahl der Haushalte mit ihrem Einkommen oder Vermögen unter diesem Durchschnittswert.
Im Vergleich zum Durchschnittseinkommen sei das Medianeinkommen demnach bei Stichproben deutlich „robuster“ gegenüber Ausreißern. Daher werde der Median auch häufig gegenüber dem Durchschnittseinkommen bevorzugt.
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