Die Bundesregierung plant eine Renten-Reform, die ab 2026 einige Neuerungen für Rentner mit sich bringt. Neben Maßnahmen wie dem Halten des Rentenniveaus und der neuen Mütterrente sollen auch die sogenannte Frühstart-Rente sowie die Aktivrente eingeführt werden. Durch Letztere sollen Rentner künftig einen gewissen Betrag pro Monat steuerfrei dazuverdienen können. So sollen ältere Erwerbstätige auf dem Arbeitsmarkt gehalten und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Doch es könnte ein praktisches Problem geben, das das Weiterarbeiten nach der Rente erschwert, wie eine aktuelle Auswertung ergeben hat. Könnte die Aktivrente daran scheitern?
Was ist die Aktivrente und ab wann soll sie eingeführt werden?
Beschäftigte im Rentenalter können künftig mit einem steuerfreien Zuverdienst bis zu 2000 Euro im Monat weiterarbeiten, informierte die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Aufs Jahr gerechnet wären das also bis zu 24.000 Euro. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte zum Hintergrund, dass die deutsche Wirtschaft gerade auch die älteren und erfahrenen Arbeits- und Fachkräfte brauche.
Eine Umfrage des Civey-Umfrageinstituts ergab kürzlich, dass etwa die Hälfte der befragten Mittfünfziger die Aktivrente nach ihrem Renteneintritt „wahrscheinlich“ nutzen will. 43 Prozent der Befragten gaben hingegen als „unwahrscheinlich“ an, nach ihrem Renteneintritt noch zu arbeiten.
Die Aktivrente soll ab dem Erreichen der Regelaltersgrenze greifen, erklärte die Bundesregierung. Es ist also nicht möglich, früher in Rente zu gehen und dann den steuerfreien Betrag zu nutzen. Außerdem gilt die Aktivrente nur für reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Sie gilt demnach nicht für Selbstständige, Freiberufler, Land- und Forstwirte, Minijobs und Beamte. Das führte in der Vergangenheit bereits zu Kritik an der Aktivrente.
Nach Beratungen im Koalitionsausschuss teilte die Bundesregierung im Oktober 2025 mit, dass die Aktivrente ab dem 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Bundeskanzler Merz (CDU) kündigte zudem an, dass die Rentenkommission bereits in diesem Jahr eingesetzt werden soll.
Weiterarbeiten in der Rente: An welchem Problem könnte die Aktivrente scheitern?
Rentner, die die Aktivrente ab 2026 nutzen und auch im Alter weiter arbeiten wollen, stehen allerdings vor einem Problem: Es gibt kaum offene Stellen für sie. Das zeigte eine neue Auswertung des Datenanbieters Index, die der WirtschaftsWoche (WiWo) vorliegt. Für diese hat Index 200 Printmedien, 320 Onlinebörsen, das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit und etwa 900.000 Firmenwebseiten in Deutschland ausgewertet und nach Stellenausschreibungen für Rentner gesucht.
Das Ergebnis: In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 waren nur 1958 offene Stellen an Rentner gerichtet. Und das, obwohl Rentner bei Arbeitgebern gefragt sein dürften, erläuterte Index-CEO Jürgen Grenz der WiWo. Unternehmen könnten von deren umfassender Expertise, langjähriger Erfahrung und zeitlicher Flexibilität profitieren. Ein Grund könnten laut Grenz arbeitsrechtliche Hürden sein: Wenn Unternehmen gezielt Stellen für Rentner ausschreiben, könnten jüngere Arbeitnehmer wegen Altersdiskriminierung klagen.
In welchen Branchen werden Stellenanzeigen für Rentner ausgeschrieben?
Zu der Frage, in welchen Branchen vor allem Rentner gesucht werden, ergab die Index-Analyse folgendes Bild:
- Verkehr, Transport und Logistik
- Bauwesen und Handwerk
- Technische Berufe
- Vertrieb und Verkauf
- Wissenschaft und Weiterbildung
Ein Viertel der Inserate war aus dem Bereich Verkehr, Transport und Logistik. Auch Handwerker und Bauunternehmen suchen verstärkt Senioren – Bereiche, in denen besonders großer Fachkräftemangel herrsche, so Grenz‘ Einschätzung. In Busunternehmen können Rentner ebenfalls verstärkt Jobs finden. In Deutschland gibt es laut WiWo keine Altersgrenze beim Busführerschein, zudem seien Senioren oft zeitlich flexibel und damit eine begehrte Arbeitskraft. Hingegen sind Rentner in Bereichen wie Forschung und Entwicklung, im Personalwesen sowie im Rechts- und Steuerwesen kaum gefragt. In der Unternehmensführung ergab die Analyse von Index sogar, dass keine einzige Stelle ausgeschrieben war.
Damit die Aktivrente funktioniert, braucht es also neue Ideen, wie Arbeitgeber und Senioren gezielt zusammenkommen können. Arbeitswissenschaft-Experte Hans Martin Hasselhorn sagte gegenüber WiWo, dass es mittlerweile Internetportale gebe, die arbeitswillige Rentner und suchende Unternehmen zusammenbringen. Schwieriger sei es hingegen, Rentner zu erreichen, die nicht suchen, sich aber eine Weiterbeschäftigung vorstellen könnten. Hasselhorn nennt hier die Möglichkeiten von Nachbarschaftsportalen, regionalen Aushängen und Plakaten sowie Mund-zu-Mund-Propaganda.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren