Aus Sicht eines Kaninchens ist es nur klug, oft sogar überlebenswichtig, Schmerzen zu verbergen so gut es geht. In freier Wildbahn suchen sich Raubtiere oft gezielt geschwächte oder langsamere Tiere als Beute aus. Besser also, man lässt sich nichts anmerken.
Und auch unter den Artgenossen ist es hilfreich, keine Schmerzen zu zeigen. Andernfalls könnte man in der Kaninchengruppe leicht seinen bisherigen Rang verlieren. Mit diesem Erbe ihrer wilden Verwandten leben unsere Hauskaninchen bis heute. Und Besitzer sind oft ratlos, wenn sie wissen wollen, ob dem Tier etwas weh tut.
Hier die wichtigsten Punkte, die man einmal pro Woche genau überprüfen sollte:
- Fress- und Trinkverhalten: Frisst das Kaninchen langsamer oder weniger? Lässt es Lieblingsfutter übrig? Kaut es anders als sonst? Ist der Kot anders als sonst? Das Hinterteil verschmutzt? Das sind wichtige Hinweise auf eine Erkrankung.
- Körperhaltung und Bewegung: Zeigt das Tier ständig einen runden Rücken, sitzt viel, bewegt sich aber weniger? Oder sind die Bewegungen steif? Wirkt es unruhig oder nervös? Bei diesen Anzeichen ist ein Tierarztbesuch fällig.
- Verhalten gegenüber Menschen und Artgenossen: Zieht sich das Tier zurück, ist deutlich ruhiger oder apathisch, reagiert verzögert auf Ansprache? Ist es ungewohnt aggressiv oder lässt sich ungern anfassen oder hochheben. Dann bitte medizinisch abklären lassen.
- Atmung, Lautäußerungen und Fell: Atmet das Tier schneller? Ist Zähneknirschen hörbar? Macht es seltsame Geräusche? Auch struppiges, ungepflegtes Fell kann auf Schmerzen oder Krankheit hinweisen.
Körperliche Anzeichen für Schmerzen
Am besten lassen sich Schmerzen am Köpfchen ablesen. Dabei betrachtet man gezielt Augen, Wangen, Näschen, die langen Haare rund um die Schnauze und die Ohren. Ein Kaninchen mit Schmerzen hat zusammengekniffene statt runde Augen. Die sonst runden Backen sind flach, wodurch das Gesicht eher dreieckig wirkt.
Das Näschen wird spitzer als normal und die Tasthaare am Mäulchen sind stark gefächert und abgespreizt. Sind dann auch noch die Ohren nach hinten gerichtet oder sogar auf den Rücken gelegt, ist es höchste Zeit für einen Gesundheitscheck.
Klingt alles ziemlich schwierig und kompliziert? Nur für den Anfang. Nimmt man sie unter den oben genannten Aspekten gezielt und regelmäßig ins Visier, fallen schon bald auch kleinste Veränderungen auf.
Wer sich dazu noch genauer informieren möchte (auch mit Bildmaterial) googelt am besten „Schmerzgesicht des Kaninchens“. Forscherinnen und Forscher haben unter diesem Begriff über Jahre hinweg eine Checkliste entwickelt, mit der das Wohl der Kaninchen besser beurteilt werden kann. Ursprünglich war sie dazu gedacht, um die Haltung von Versuchstieren zu verbessern. Nützlich ist sie aber für jeden, der genauer Bescheid wissen möchte, wie es dem eigenen Kaninchen eigentlich geht.
Zur Person
Tanja Warter ist Tierärztin und verknüpft seit Jahren die Leidenschaft für Tiermedizin mit dem Spaß am Schreiben. Darum ist sie geradezu prädestiniert, darüber zu berichten, ob sich eine Krankenversicherung fürs Haustier lohnt. Was ein Internierungslager mit Katzen und einer beliebten Trainingsmethode zu tun hat, schreibt sie hier.
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