Die Läden sind voll, Online-Shops laufen auf Hochtouren, Pakete stapeln sich – für viele Beschäftigte bedeutet die Weihnachtszeit vor allem eines: Stress pur. Besonders hart trifft es Verkäufer im Einzelhandel sowie Paketboten. Und das, obwohl ihr Einsatz in dieser Hochsaison oft nur schlecht bezahlt wird. Wie belastend die Weihnachtszeit für sie tatsächlich ist und wie sie dafür entlohnt werden, lesen Sie hier.
Verkäufer und Paketboten: Wie stressig ist die Weihnachtszeit für sie?
Wenn in der Adventszeit die Geschäfte voll sind und die Paketberge wachsen, steigt meist auch der Stress für Mitarbeitende im Verkauf und in der Zustellung. Für eine Verkäuferin eines Discounters aus Oberösterreich bedeutet die Zeit vor Weihnachten den „puren Horror“. Schon ab September beginne der Druck, wie sie im Gespräch mit Moment berichtet. Kunden beschweren sich, wenn sie Geschenke in letzter Minute nicht mehr finden, und die Belastung für das Personal werde so groß, dass Mitarbeitende „heulend am Klo“ anzutreffen sind.
Auch für Paketdienstleister ist die Vorweihnachtszeit alles andere als entspannt. Der DHL-Paketbote Tobias Kersten beschreibt diese Zeit dem Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) folgendermaßen: „Da ist man dann froh, wenn es vorbei ist. Die Füße tun weh, du läufst ja jedes Mal die Straßen ab und in den Häusern läufst du hoch und runter. Das ist anstrengend, das ist wirklich: puh.“ Dabei beginnt der Paketdienst mit den Vorbereitungen für die intensive Weihnachtszeit bereits kurz nach Ostern, wie der Abteilungsleiter Jens Hessel dem MDR verrät.
Für Weihnachten 2025 erwartet der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) nur einen leichten Anstieg der Sendungsmengen von etwa 1 bis 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch auch wenn die Zahlen nur minimal steigen, bleibt die Belastung für Mitarbeitende hoch. Um den Weihnachtsansturm zu stemmen, werden über 20.000 zusätzliche Mitarbeiter und 17.000 weitere Fahrzeuge eingesetzt.
Gehalt: Wie viel verdient ein Verkäufer?
Das Gehalt eines Verkäufers hängt stark von der Branche ab. Ein Job an der kleinen Lebensmitteltheke bringt deutlich weniger ein als der Verkauf von Luxusautos. Laut der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts erhielt im April 2025 ein Verkäufer im Lebensmitteleinzelhandel durchschnittlich 2700 Euro brutto im Monat. Wer Kleidung, Elektronik, Autos oder Hartwaren verkauft, kann schon etwas mehr erwarten: Hier lag das Durchschnittsgehalt bei 3306 Euro. Laut gehalt.de können Automobilverkäufer sogar mit durchschnittlich 4316 Euro monatlich rechnen.
Aber nicht nur die Branche spielt eine Rolle. Auch der Standort des Unternehmens macht laut gehalt.de einen großen Unterschied. Am wenigsten verdienen Verkäufer in Mecklenburg-Vorpommern mit nur 2295 Euro im Monat, am meisten ihre Kollegen in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 2796 Euro. Zusätzlich können Berufserfahrung und Unternehmensgröße zu deutlichen Gehaltsunterschieden führen.
Zum Vergleich: Das Durchschnittsbruttogehalt aller Vollzeitbeschäftigten lag laut Statistischem Bundesamt im April 2024 bei 4634 Euro. Lebensmittelverkäufer verdienten damals laut den Verdiensterhebungen sogar noch etwas weniger, nämlich 2584 Euro brutto monatlich.
Gehalt: Wie viel verdient ein Paketbote?
Auch das Gehalt von Paketboten liegt unter dem Durchschnitt für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland. Laut der Verdiensterhebung vom Statistischen Bundesamt lag das durchschnittliche Bruttogehalt einer Fachkraft für Post und Zustellung im April 2025 bei 3072 Euro. Je nach Erfahrung, Bundesland und Größe des Unternehmens kann das Einkommen von Paketboten jedoch deutlich variieren. Paketboten in Mecklenburg-Vorpommern verdienen gehalt.de zufolge so nur 2505 Euro brutto, während in Baden-Württemberg bereits 3051 Euro im Schnitt gezahlt werden.
Wer in einem großen Unternehmen mit mehr als 20.000 Mitarbeitenden arbeitet, kann noch mehr verdienen: Laut gehalt.de liegt das geschätzte Bruttogehalt für Vollzeitangestellte bei der Deutschen Post bei bis zu 3612 Euro im Monat.
Weihnachtsgeld für Verkäufer und Paketboten: Wer hat Anspruch?
Zum Jahresende steigt für viele Beschäftigte die Freude auf das Weihnachtsgeld. Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) erhielten 2024 rund 52 Prozent aller Arbeitnehmer eine solche Sonderzahlung. Unter Beschäftigten mit Tarifvertrag sogar 77 Prozent. Die Höhe des Weihnachtsgeldes variiert dabei stark – von rund 250 Euro bis zu 4235 Euro. Doch können sich auch Verkäufer und Paketboten über den Bonus freuen?
Grundsätzlich hängt die Zahlung, wie der DGB erklärt, vom jeweiligen Unternehmen ab. In Stellenausschreibungen der Deutschen Post ist etwa von einem anteiligen Weihnachtsgeld die Rede. Auch der Paketdienst UPS nennt ein zusätzliches Weihnachtsgeld in seinen Jobangeboten – dort bereits ab dem ersten Beschäftigungsjahr. Ein gesetzlicher Anspruch existiert jedoch laut DGB nicht. Ob und wie viel gezahlt wird, regelt allein der Arbeits- oder Tarifvertrag. Beschäftigte mit Tarifvertrag haben meist deutlich bessere Chancen auf eine Sonderzahlung.
Das Gleiche gilt für den Einzelhandel. Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung erhalten 80 Prozent der Verkäufer im Einzelhandel mit Tarifvertrag Weihnachtsgeld. Doch auch Unternehmen ohne Tarifbindung orientieren sich nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) häufig an den tariflichen Standards der Branche – eine Garantie auf Weihnachtsgeld gibt es allerdings nicht.
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