Menstruationsblut wird in der Medizin bislang kaum genutzt – obwohl es viele Informationen über den Körper enthalten kann. Ein Forschungsteam aus Zürich hat jetzt ein Konzept vorgestellt, das das ändern könnte: MenstruAI heißt ein Prototyp, der Biomarker direkt im Menstruationsblut erkennt – eingebaut in eine ganz normale Binde. Die Auswertung soll über Farbstreifen funktionieren, ähnlich wie bei Corona-Schnelltests.
Menstruationsblut im Schnelltest – Was ist MenstruAI überhaupt?
MenstruAI ist laut der Pressemitteilung der ETH Zürich ein papierbasierter Schnelltest, der in eine flexible Silikonkammer eingebettet wird. Diese Kammer kann so in eine Binde integriert werden, dass nur eine kontrollierte Menge Menstruationsblut auf den Teststreifen gelangt – ohne zu verschmieren oder das Ergebnis zu verfälschen.
Sobald das Blut in Kontakt mit dem Teststreifen kommt, laufen dort Antikörperreaktionen ab, wie man sie aus Schnelltests kennt: Wenn ein bestimmter Stoff im Blut vorkommt, erscheint eine farbige Linie. Je höher die Konzentration, desto stärker die Farbintensität.
Die Forschenden beschreiben zwei mögliche Auswertungswege:
- mit bloßem Auge (Farblinie sichtbar)
- per Smartphone-App, die die Farbintensität präziser messen soll
Das Ziel: Hinweise auf gesundheitliche Veränderungen liefern, ohne dafür in eine Praxis zu müssen – aber auch ohne den Anspruch, ärztliche Diagnosen zu ersetzen.
Test von Menstruationsblut: Welche Werte werden gemessen und was bedeuten sie?
In einem Paper, veröffentlicht im wissenschaftlichen Fachmagazin Advanced Science, beschreibt das Team einen ersten Versuchsaufbau mit drei Markern:
- CRP (C-reaktives Protein): CRP ist laut Paper ein Entzündungsmarker. Er steigt zum Beispiel bei Infektionen oder Entzündungen an. Das ist medizinisch sinnvoll – aber nicht spezifisch: Ein hoher CRP-Wert gibt nicht automatisch Aufschluss darüber, um welche Erkrankung es sich handelt, sondern zeigt nur auf, dass im Körper etwas passiert.
- CEA (Carcinoembryonales Antigen): CEA ist ein Marker, der bei bestimmten Tumoren erhöht sein kann. In der Medizin wird er oft eher zur Verlaufskontrolle eingesetzt. Wichtig: CEA ist kein eindeutiger „Krebstest“. Werte können auch aus anderen Gründen erhöht sein – zudem hängt sehr viel vom individuellen Kontext ab.
- CA-125: CA-125 kann bei Endometriose erhöht sein und spielt auch bei Eierstockkrebs eine Rolle. Aber auch hier gilt: Der Marker alleine beweist keine Diagnose, sondern kann lediglich ein Hinweis sein.
Genau deshalb schreiben die Forschenden auch klar: MenstruAI ist als Frühwarnsystem gedacht. „Es soll keine etablierten Diagnosen ersetzen, sondern Hinweise geben, wann ein Besuch in der Praxis sinnvoll sein könnte“, heißt es in der Mitteilung.
Warum ist Menstruationsblut medizinisch interessant?
Dass Menstruationsblut in der Medizin lange kaum eine Rolle spielte, ist für die Forschenden nicht nur ein technisches Versäumnis, sondern auch ein strukturelles. „Weltweit menstruieren über 1,8 Milliarden Menschen und dennoch spielt Menstruationsblut in der Medizin kaum eine Rolle“, heißt es im ETH-Beitrag. Lucas Dosnon, Erstautor und Doktorand im Team, wird dort deutlich: „Das ist Ausdruck eines systemischen Desinteresses an frauenspezifischer Gesundheit.“
Dabei sei der Rohstoff aus Sicht der Wissenschaft alles andere als wertlos – im Gegenteil. „Menstruationsblut wurde bislang als Abfall betrachtet. Wir zeigen, dass es eine wertvolle Informationsquelle ist“, sagt Dosnon. Denn Menstruationsblut enthält zahlreiche Proteine, deren Konzentrationen laut ETH-Bericht oft mit denen im venösen Blut vergleichbar sind – also dem Blut, das Ärztinnen und Ärzte klassisch abnehmen. Genau diese Proteine können als Biomarker fungieren: Laborwerte, die Hinweise auf Entzündungen oder Erkrankungen geben können.
Auch im Paper setzen die Forschenden hier an und nennen Menstruationsblut eine „overlooked but promising source“ – also eine bisher übersehene, aber vielversprechende Probenquelle. Diese zu nutzen sei deshalb so naheliegend, weil Menstruationsblut bereits regelmäßig anfällt – ohne Nadel, ohne Termin, ohne Hemmschwelle. Das Team formuliert das Ziel ihres Schnelltestverfahrens entsprechend alltagsnah: eine „pain-free monitoring“-Methode, also eine schmerzfreie Überwachung bestimmter Blutwerte.
Analyse von Menstruationsblut: Wie zuverlässig ist das bisher?
So futuristisch die Idee klingt: MenstruAI ist derzeit ein Prototyp, keine fertige Diagnostik. Und das sagen die Forschenden selbst sehr klar, sowohl im Paper als auch in der Pressemitteilung der Universität.
Als nächster Schritt sei eine größere Studie geplant: „Nach einer ersten Machbarkeitsstudie mit freiwilligen Teilnehmerinnen planen die Forschenden nun eine größere Feldstudie mit über hundert Personen“, heißt es in der Pressemitteilung. Ziel ist laut ETH, die Technologie im Alltag zu testen und die Ergebnisse mit Laborwerten zu vergleichen.
Warum diese Analyse so wichtig ist, erklärt der Beitrag ebenfalls: Menstruationsblut ist nicht immer gleich. „Die Zusammensetzung variiert je nach Zyklustag und zwischen Personen. Diese Heterogenität muss erfasst und ausgewertet werden – ein zentraler Schritt für die klinische Validierung.“ Genau daran hängt am Ende die Frage, ob ein solcher Test im echten Leben zuverlässig funktioniert – und nicht nur unter Laborbedingungen.
Übrigens: Nachdem eine Endometriose festgestellt wurde, sind betroffene Frauen häufig ratlos und stellen sich die Frage, ob sie die Krankheit auch ohne eine OP behandeln können. Dabei kann unabhängig von einer OP auch eine spezialisierte Physiotherapie insbesondere bei den Schmerzen helfen. Ebenso sollten sich Betroffene über spezialisierte Schmerztherapien informieren.
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