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Welche Argumente es für und gegen den Kirchenaustritt gibt

Landkreis Günzburg

Der Kirche den Rücken kehren? Was für und gegen den Austritt spricht

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    Bleiben oder gehen: Viele Menschen hadern mit der Frage, ob sie aus der Kirche austreten sollen oder nicht.
    Bleiben oder gehen: Viele Menschen hadern mit der Frage, ob sie aus der Kirche austreten sollen oder nicht. Foto: Ingo Wagner, dpa (Archivbild)

    Pro: Die Kirche in ihrer jetzigen Form begeistert schlicht nicht mehr

    Die Kirchenzugehörigkeit ist für viele wie eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio: Jeden Monat wird Geld vom Konto abgezogen, aber wann war man das letzte Mal dort: Weihnachten? Oder doch Ostern im vergangenen Jahr? So richtig glaubt man auch nicht mehr dran, dass man den Glauben beziehungsweise den Sport künftig wieder aktiv auslebt. Aber noch hält man an der diffusen Hoffnung fest, dass sich durch eine sakrale Intervention schon alles zum Guten wenden wird. Dabei gibt es einen einfachen Grund, warum immer weniger Menschen in den Gottesdienst gehen und sich von Glaube und Kirchengemeinschaft abwenden. Die Kirche in ihrer jetzigen Form begeistert schlicht nicht mehr.

    Alles wirkt altbacken und spricht viele Menschen in ihrer Lebensrealität einfach nicht mehr an. Vorbei sind die Zeiten, als sich die Gemeinde jeden Sonntag in der Kirche versammelte und alle vier Jahre von der Kanzel heruntergepredigt wurde, welche (christsoziale) Partei man zu wählen habe. Die Gesellschaft ist vielfältiger geworden, die Individuen selbstbestimmter. Und Glaube, sofern noch vorhanden, wird immer öfter privat ausgelebt.

    Jedes Jahr treten Tausende Menschen in Bayern aus der Kirche aus.
    Jedes Jahr treten Tausende Menschen in Bayern aus der Kirche aus. Foto: Sven Hoppe, dpa (Symbolbild)

    Diese Realität hat die Kirche nicht verstanden und hält weiterhin an der Vergangenheit fest. Warum also aus bloßer Vergangenheitstreue festhalten an einem patriarchalen Zusammenschluss, der bis heute all seine Missbrauchsskandale mindestens mangelhaft aufarbeitet. Und warum Monat für Monat den Ablass entrichten, wenn man doch eigentlich ohnehin nicht mehr an die Kirche als Institution glaubt und für sich auch keinen Mehrwert an der Mitgliedschaft sieht. Zumindest ist man bei der Kirche an keine vertragliche Kündigungsfrist gebunden, wie bei so manchem Fitnessstudio. Michael Stelzl

    Contra: Es wird sich nichts ändern, wenn jeder von Bord geht

    Sie überlegen, aus der Kirche auszutreten? Wegen der Kirchensteuer? Weil Sie ohnehin nicht richtig glauben? Mit den Regeln dieser Institution nicht mehr einverstanden sind? Zugegeben, Sie haben gute Gründe. Dennoch wäre das der falsche Weg.

    Von den Einnahmen aus Ihrer Kirchensteuer profitieren Sie mehr, als Sie womöglich vermuten. Im Bistum Augsburg, zu dem die Pfarreien im Landkreis Günzburg gehören, fließen neben den Ausgaben für klassische Seelsorge (43 Prozent) ein weiteres Drittel aller Mittel in Angebote, die auch Nicht-Kirchengängern zugutekommen. Die Diözese betreibt in der Region Pflegeheime, Kindergärten und Schulen. Kinder und Jugendliche kommen im Kirchenchor vielleicht zum ersten Mal mit klassischer Musik in Berührung. Die von den evangelischen und katholischen Pfarreien organisierten Treffen für Seniorinnen und Senioren sind auf dem Land oft die einzigen Veranstaltungen dieser Art. Können wir uns sicher sein, dass diese Lücke auch jemand anderes füllen würde?

    Die evangelische St. Veitskirche in Leipheim.
    Die evangelische St. Veitskirche in Leipheim. Foto: Philipp Nazareth (Archivbild)

    Vielleicht hadern Sie auch mit den Regeln dieser Kirche, mit den vielen Skandalen, die Ihr Vertrauen erschüttert haben. Vor allem die Katholische Kirche liefert ja zuverlässig Gründe, ihr den Rücken zu kehren. Freilich: Wer damit endgültig abgeschlossen hat, sollte dann auch austreten. Es ist gut, dass heute jeder frei entscheiden kann, ob er sein Leben mit oder ohne Religion gestalten möchte.

    Nur wird sich nichts am Kurs des großen Kirchenschiffs ändern, wenn jeder von Bord geht. Es braucht vor allem junge Menschen, die sich einbringen und Reformen anstoßen. Wer sich auch nur ansatzweise mit den Grundüberzeugungen des Christentums identifizieren kann, sollte zu seinem Glauben stehen – und Mitglied bleiben. Philipp Nazareth

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