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Abschied nach 95 Jahren: Emotionaler Auszug der Ordensschwestern aus dem Karmelitinnen-Kloster Welden

Kloster Welden

Ordensschwestern ziehen um: „Abschied nehmen ist nicht so leicht“

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    Mit Oberin Stephanie auf dem Beifahrersitz: Die Karmelitinnen beim Abschied aus dem Kloster Welden.
    Mit Oberin Stephanie auf dem Beifahrersitz: Die Karmelitinnen beim Abschied aus dem Kloster Welden. Foto: Marcus Merk

    Um kurz vor 10 ist es dann so weit an diesem Montagmorgen. Der erste Van mit fünf fröhlich winkenden Ordensschwestern verlässt den Hof des Weldener Karmelitinnen-Klosters gen Würzburg. Eigentlich war die Abfahrt auf halb neun angesetzt. Aber die größtenteils über 80 Jahre alten Schwestern haben sich genau die Zeit genommen, die sie brauchen, in ihren letzten Stunden in Welden.

    Bevor die letzten acht verbliebenen Karmelitinnen im Bistum Augsburg in ihre neue Heimat aufbrechen, haben sie noch gemeinsam ihren letzten Gottesdienst in der Klosterkirche St. Thekla abgehalten. Anschließend haben die befreundeten Helferinnen und Helfer begonnen, den Anhänger zu beladen. Ein großer 40-Tonner hat sich bereits nachts in Richtung Würzburg aufgemacht und ist schon im Karmelitinnen-Kloster Himmelspforten, dem neuen Zuhause der Schwestern, angekommen.

    Seit knapp 95 Jahren leben die Karmelitinnen im Kloster Welden

    „Heute sind es nur noch Socken und Unterhosen“, sagt Markus Glaß, Mesner an der an das Kloster angrenzenden St. Thekla Kirche. Ein wenig mehr als das ist es dann doch, was die fleißigen Umzugshelfer- und helferinnen für die Schwestern in den Anhänger laden.

    Knapp 95 Jahre waren die Karmelitinnen in Welden zu Hause. Bis das entbehrungsreiche Klosterleben die älteren Frauen an ihre körperlichen Grenzen gebracht hat. „Wir können die Last des Hauses und des Gartens mittelfristig nicht mehr bewältigen“, sagte Oberin Stephanie bereits im Februar. Und nun ziehen sie als eigenständige Gemeinschaft in ein Kloster, in dem auch noch einige jüngere Schwestern leben, welche die Anforderungen des Klosterlebens gut stemmen können.

    „Die Schwestern hinterlassen eine Lücke“

    Stefan Scheider, Bürgermeister von Welden

    Auch der Weldener Bürgermeister Stefan Scheider ist an diesem Morgen mit dabei, um sich – nach dem offiziellen Abschied zu Beginn des Monats – noch einmal von den Schwestern zu verabschieden: „Für die Gemeinde selbst bedeutet das einen Verlust. Die Schwestern hinterlassen eine Lücke. Sie waren für viele Bewohner in der Seelsorge tätig und Ansprechpartnerinnen in schwierigen Zeiten. Sie wurden zwar im Dorf nie gesehen, aber es konnten sich alle an sie wenden“, sagt er.

    Eine der ersten Ordensfrauen, die sich nach dem Gottesdienst nach draußen in die Nähe des Umzugswagens traut, ist Schwester Elija. Die 87-Jährige wurde schon um 5 Uhr morgens geweckt, um ihre Sachen zu packen. Jetzt verschafft sie sich erst mal einen Überblick über den Stand der Umzugsgesellschaft und ist in Plauderlaune. „Abschied nehmen ist nicht so leicht, aber wir werden das verkraften. Nach 60 Jahren in Welden, werde ich den Abschied auch überstehen. Und wenn wir in Würzburg ankommen, sind wir dort herzlich willkommen“, sagt die gebürtige Rheinländerin. Auch Schwester Imelda sieht sich kurz draußen um. „Das ist unsere älteste, mit über 90 Jahren“, sagt Schwester Elija.

    Beim Abschied in Welden fließen Tränen

    Schwester Elija und Schwester Imelda vor dem letzten Umzugswagen am Kloster (von links).
    Schwester Elija und Schwester Imelda vor dem letzten Umzugswagen am Kloster (von links). Foto: Marcus Merk

    Schwester Elija schaut optimistisch auf das neue Kapitel der Ordensschwestern. Die Weldener Ordensschwestern waren bereits in Würzburg und auch die Würzburgerinnen zu Besuch in Welden. „Zuversicht ist da. Weil das wirklich liebe Schwestern sind. Es ist schön, dass man da nicht ganz fremd hinkommt. Das sind gute Begegnungen gewesen und dann hat man schon mal gesehen, wie es dort ist“, sagt sie. „Aber die Bäume in Welden, die sind mehr als doppelt so hoch. Und wie ordentlich dort der Garten ist. Jeder Schritt gepflegt. Aber hier ist jeder Schritt anders. Also Welden ist Welden“, ergänzt sie mit einem Lächeln im Gesicht.

    Mit der Zeit treten dann auch die anderen Schwestern vor die Tür des Klosters. Sie sind jetzt zur Abfahrt bereit und verabschieden sich ein letztes Mal von den Menschen und von ihrem Weldener Kloster. Es wird gedrückt, geherzt, gelacht und es fließt die ein oder andere Träne bei denjenigen, die hier viel Zeit mit den Schwestern verbracht haben. Anschließend werden die Schwestern zu den Autos geleitet. Für die meisten ist der Einstieg nur über eine kleine Treppe als Einstiegshilfe möglich. Im ersten Auto nehmen vier Schwestern auf der Rückbank Platz. Mit dabei ist auch Schwester Elija. Auf dem Beifahrersitz sitzt Oberin Stephanie.

    Die Ordensschwestern vor dem Kloster Welden kurz vor ihrem Umzug.
    Die Ordensschwestern vor dem Kloster Welden kurz vor ihrem Umzug. Foto: Marcus Merk

    Vor dem Auto erzählt ein langjähriger Freund der Ordensschwestern von ihrem letzten, gemeinsamen Ausflug nach Würzburg. „Da war Stimmung im Auto, das können Sie mir glauben“, sagt er.

    Nachdem die Ordensfrauen ein letztes Mal herauswinken, schließt sich die große Seitentür und sie fahren los in Richtung Klostertor. Bis zum Juli soll ein nigerianischer Orden in das Kloster einziehen und in die Fußstapfen der älteren Schwestern treten. Jetzt klafft erst einmal eine Lücke auf dem Hügel über Welden.

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