Früher glaubten Journalisten ganz genau zu wissen, was die Menschen in ihrer Zeitung so lesen wollten. Ob die große, aufwendig recherchierte und schön geschriebene Geschichte auf der ersten Seite tatsächlich so viel Anklang fand oder ob die eher am Rand versteckte Meldung für deutlich mehr Gesprächsstoff sorgte, ließ sich lange nicht vernünftig messen. Doch seit die Verlagshäuser sorgfältig gepflegte Nachrichtenportale im Internet unterhalten, lässt sich das Interesse der Nutzerinnen und Nutzer minutengenau belegen. In der abgelaufenen Woche zeigte sich: Nichts hat die Menschen in der Region zuletzt so bewegt wie die Insolvenz der Firma Illerplastic.
Illerplastic bietet hohe Qualität aus Illertissen
Das hat mutmaßlich unterschiedliche Gründe. Zum einen ist da der seit Jahrzehnten eingeführte Markenname, der für Kunststofffenster von hoher Qualität steht. Schwäbische Wertarbeit eben. Das Unternehmen gehört zu den Mittelständlern, die sich auf dem Markt einen soliden Platz erobert haben und zu denjenigen Arbeitgebern gehören, in die man jung eintritt und erst im gesetzten Alter wieder verlässt.
Illerplastic hat einen schillernden Gründer
Natürlich erinnern sich viele vor allem im südlichen Landkreis noch an den schillernden Gründer Heiner Oßwald, der in den 60er-Jahren auf die damals innovative Kunststofftechnik gesetzt hat. Sein Geld legte er unter anderem bei den Kickern der Spielvereinigung Au an, die es bis in die Oberliga Baden-Württemberg schafften. Illerplastic ist in der Region etwas, das die Engländer "Household Name" nennen, also ein bekannter Name, der quasi in jedem Haushalt geläufig ist.
Und natürlich hat das Interesse auch etwas mit Corona zu tun, denn angesichts des Dauer-Lockdowns steigt die Nervositäts-Fieberkurve und viele fragen sich: Wird das weiten Teilen unserer Wirtschaft das Genick brechen? Tatsächlich hat die Insolvenz durchaus auch etwas mit dem Virus zu tun, denn als das Unternehmen nach Jahren in schwerem Fahrwasser wieder Fahrt aufnehmen konnte, wurde vor bald einem Jahr die Wirtschaft heruntergefahren. Liefertermine verschoben sich oder wurden ausgesetzt - und dem Unternehmen ging das Geld aus.
Ermutigende Signale aus dem Unternehmen Illerplastic
Das war zwar der finale Auslöser dafür, dass Geschäftsführer Armin Oßwald den schweren Gang zum Insolvenzgericht gehen musste. Doch die Probleme liegen auch im Unternehmen selbst. Das muss nun mithilfe der Konkursverwalter versuchen, seine Arbeitsabläufe zu optimieren und dadurch kostengünstiger zu gestalten. Nur so können die Illertisser der preiswerten Konkurrenz aus Osteuropa die Stirn bieten. Die Signale, die aus dem Unternehmen kommen, sind jedenfalls ermutigend. Die Belegschaft ist engagiert und wird auf jeden Fall das Ihre tun, damit Illerplastic weiter bestehen kann. Die Produkte haben einen guten Ruf, jetzt müssten sie nur noch konkurrenzfähiger produziert werden.
Unter dem Strich lassen sich die Probleme des Illertisser Fensterbauers also nicht als wirtschaftlicher Kollateralschaden der Corona-Pandemie deuten, dafür lief es schon in der Vergangenheit nicht gut genug. Es wäre zu wünschen, dass die Illerplastic-Gruppe rasch wieder auf die Beine kommt.
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