Es ist ein Miraculum, wie Thomas Boxhammer, Julia Aigner, Marlena Steinhauser und Julius Holbein es geschafft haben, aus einem Märchen mit einer Kernbesetzung von (laut Literatur-Lexikon) nur fünf Personen eine Geschichte zu machen, die 25 Menschen auf die Bühne bringt. Damit erfüllt Boxhammer jedoch seine Vorstellung von Jugendtheater: Jeder bei Spectaculum04 soll auf die Bühne. Aber als was, wenn die „Aschenputtel“-Hauptrollen schon vergeben sind? Da ist das Regieensemble äußerst erfinderisch: Also wuseln Hasen, Mäuse, Katzen, Tauben und am Königshof beschäftigte gute Geister über die Bühne.
Schon der Beginn versetzt in märchenhafte Stimmung. Leuchtende Punkte gleiten über das Publikum hinweg durch den Saal des Hauses, begleitet von stimulierenden Melodien. Das Füllhorn seiner Talente schüttet Komponist Fabian Weisenberger in reichem Maße aus: Er schrieb den gesamten Soundtrack, was zum Erfolg des Musicals „Aschenputtel“ wesentlich beiträgt. Die Melodien gehen ins Ohr, moderner Rhythmus animiert zum Mitklatschen.
Das Aschenputtel-Musical ist für ein junges Publikum angepasst
Was die Regie auch bedenkt, ist das Alter des Publikums: Die Geschichte vom hübschen Aschenputtel, das von der bösen Stiefmutter und ihren leiblichen Töchtern schikaniert wird, ist von allem entschärft, was kleine Zuschauerinnen und Zuschauer irritieren könnte. Blut im Schuh? Ja, aber es kommt zur Minimierung des Körperteils kein Messer zum Einsatz, durch das ständige Reiben an der Haut wird diese blutig. Sonst könnte der allseits bekannte Spruch „Ruckedigu, ruckedigu – Blut ist im Schuh“ nicht zum Einsatz kommen. Aber gerade der wird so hübsch von den grauen Tauben skandiert.
Sind die Tänze der Kinder schon einfallsreich choreografiert, so sind die Kostüme – in einer Augsburger Schneiderei entstanden – richtige Hingucker. Da darf man die Ausstattung, einschließlich der Einrichtung des Schlosses, schon opulent nennen.
Spectaculum-Aufführung: Für den Umbau des Bühnenbilds ist Körpereinsatz nötig
Ebenso das Bühnenbild: Um es zu ändern, sind zwar nur Handgriffe nötig, was aber Körpereinsatz erfordert. Da es kein Bühnenpersonal gibt, packen die Darstellerinnen und Darsteller selbst mit an. Bis ins letzte Detail ist die Küche eingerichtet. Es gibt einen Ofen mit rot glühendem Feuer – selbstredend elektrisch – und Pfannen und Teller schmücken als Deko die Wände.
Boxhammer nutzt den gesamten Bühnenraum, einschließlich der Saalecken, um Atmosphäre zu schaffen. Gelungen ist auch die Idee, eine Hasenfamilie einzubauen, weil die Oma den Fortlauf der Geschichte erzählt, was für die ganz kleinen Besucherinnen und Besucher eine Hilfe ist, den Inhalt des Märchens nachzuverfolgen und besser zu verstehen.
Der lang anhaltende Beifall zum Schluss gilt dem spielfreudigen Ensemble und einer allumfassenden Regie, die aus dem Märchen ein richtiges Kindermusical gemacht hat, dem es an nichts fehlt. Gesang, Tanz, Dialoge und ein kleines bisschen Comic verschmelzen hier zu einer erfolgreichen Einheit.
Dass das Haus bei der Premiere ausverkauft war, ist Anreiz für die kommenden Aufführungen. Diese sind: Donnerstag, 1. Mai, um 15 Uhr, Freitag, 2. Mai, um 16 Uhr, Samstag, 3. Mai, um 15 Uhr, Sonntag, 4. Mai, um 15 Uhr, Freitag, 9. Mai, um 16 Uhr, Samstag, 10. Mai, um 15 Uhr und Sonntag, 11. Mai, um 15 Uhr.
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