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Fuchs attackiert Stall in Krumbach und verschwindet mit Haustier

Krumbach

„Ein Hase im Bügelzimmer, das ist keine Lösung“: Ein Fuchs geht in einem Krumbacher Wohngebiet um

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    Christine Vogel mit Kaninchen Flocke in ihrem Garten in Krumbach. Kaninchen Bärli ist verschwunden.
    Christine Vogel mit Kaninchen Flocke in ihrem Garten in Krumbach. Kaninchen Bärli ist verschwunden. Foto: Mira Herold-Baer, AZ-Collage

    Der zehnjährige Jan ist deprimiert. „Wieso mein Bärli?“, fragt er seine Oma immer wieder. Doch Christine Vogel kann ihm darauf keine befriedigende Antwort geben. Als sie vor Kurzem im Garten ihres Hauses stand und den zerstörten Stall, das zerfetzte Holz, sah, konnte sie es selbst kaum glauben. Von Kaninchen Bärli war nur noch ein Fellknäuel übrig. „Wir wohnen seit 26 Jahren hier, bisher war nie etwas. Doch an diesem Abend muss der Fuchs da draußen gewütet haben“, sagt die Krumbacherin heute. „Und wir haben nichts gehört.“

    Auch ein Marder ist in der Krumbacher Wohnsiedlung unterwegs

    Der Garten liegt im Buchenweg, an den südlichen Ausläufen der Kleinstadt. Zunächst dachte die 69-Jährige am Morgen des 25. Mai an einen Marder – der auch tatsächlich in ihrem Garten unterwegs ist, wie eine Wildtierkamera beweist. Doch für Bärlis Verschwinden war er nicht verantwortlich. Zu groß der Schaden, zu effektiv die Methode. „Wir haben nicht einmal Blutspuren gefunden, das Wildtier muss dem Hasen direkt das Genick gebrochen haben“, erzählt Vogel, nach wie vor mit verwunderter Stimme.

    Also stellte sie eine Wildtierkamera auf, die jedoch in der ersten Nacht nicht funktionierte. Was Vogel dafür vorfand, waren erneute Spuren am Hasenstall. „Wir haben ein Metallgitter aufgebaut, das den zweiten Hasen, Flocke, in seinem Stall schützen sollte. Doch der Fuchs ist einfach darüber geklettert oder gesprungen.“ Daher quartierte Vogel das Kaninchen vor der dritten Nacht in die alte Tierbox ein – ein kleines, rotes Feuerwehrauto aus Holz, den Deckel beschwerte sie zusätzlich mit Steinen. Den Fuchs störte das nicht. Er grub sich einfach von unten durch.

    Und genau dieses Vorgehen erwischte nun eine andere Wildkamera in der dritten Nacht. Ein Rotfuchs, unverkennbar am buschigen Schwanz, schleicht auf dem Video ums Gehege. Flocke überlebt auch diesen Angriff, auch wenn es ihn ziemlich mitgenommen habe. „Er hat drei Tage nichts gefressen“, sagt Vogel. Sie versuchte, ihn mit Löwenzahnblättern aus der Ecke zu locken. „Irgendwann war dann der Hunger tatsächlich stärker.“ Jetzt lebt das Kaninchen im Bügelzimmer. Sie traut sich nicht mehr, ihn draußen schlafen zu lassen. „Aber ein Hase im Bügelzimmer, das ist auch keine Lösung.“

    Dieses Gitter hat den Fuchs nicht aufgehalten, in der zweiten Nacht erneut am Hasenstall herumzukratzen.
    Dieses Gitter hat den Fuchs nicht aufgehalten, in der zweiten Nacht erneut am Hasenstall herumzukratzen. Foto: Christine Vogel

    Dass ein Fuchs mitten in einer Wohnsiedlung auf Jagd geht, ist ungewöhnlich, aber nicht unerklärlich. Jutta Reiter, Geschäftsführerin der Bund Naturschutz Kreisgruppe Günzburg, erklärt: „Bisher bin ich noch nicht darauf angesprochen worden, dass es vermehrt Füchse in der Stadt Krumbach gibt. Es ist allerdings schon so, dass die Tiere immer mehr in die Städte kommen, da das Nahrungsangebot dort durch offene Mülltonnen und Komposthaufen hoch ist.“

    Wildtiere kommen immer öfter in die Stadt

    Ein Christine Vogel bekannter Jäger vermutet zudem: Das Tier zieht gerade Junge groß. Zwischen März und Juni ist der Nahrungsdruck bei Füchsen am höchsten. Dazu kommt der schwindende Lebensraum – Füchse weichen aus und dringen in Siedlungen vor. In München leben schätzungsweise 3000 bis 4000 von ihnen. „Solange die Tiere in den Städten Nahrung finden, halten sie sich dort auch auf. Füchse sind Kulturfolger und gewöhnen sich an das Leben in der Stadt“, so Reiter.

    Warum der Fuchs jedoch ausgerechnet bei Familie Vogel einbrach, an den Hühnern und Kaninchen der Nachbarinnen und Nachbarn dafür vorbeilief, ist dennoch sowohl dem Jäger als auch der Naturschützerin ein Rätsel. „Ich kann mir nur vorstellen, dass es der Fuchs leichter hatte, in das Gehege der Kaninchen zu gelangen. Da, wo er leichter an die Beute kommt, da schlägt er zu“, so Reiter.

    Aber ein Hase im Bügelzimmer, das ist auch keine Lösung.

    Christine Vogel, Krumbacherin

    Bei der Polizei fragte Vogel nach, was sie tun könne. Die Antwort war ernüchternd: nichts. Der Rotfuchs steht unter Naturschutz, ohne Jagdschein dürfe er weder gefangen genommen noch vertrieben werden. Und seitdem lebt die 69-Jährige mit einer leisen Unruhe. „Ich überlege natürlich seither, wie ich Flocke hinauslassen kann, ohne befürchten zu müssen, dass der Fuchs wiederkommt“, sagt sie. Sie will nun vor allem, dass andere Tierbesitzerinnen und -besitzer in der Gegend wissen, was ihr passiert ist. „Denn wenn der Fuchs zu mir kommt, kann er auch ohne Weiteres woanders auftauchen.“

    Auf der Wildkamera ist eindeutig ein Fuchs zu erkennen, der um den Hasenstall herumschleicht.
    Auf der Wildkamera ist eindeutig ein Fuchs zu erkennen, der um den Hasenstall herumschleicht. Foto: Wildtierkamera

    Dabei liebt die Familie Vogel eigentlich alle Tiere. Ihren Garten haben sie naturnah belassen, damit Insekten und Vögel Nahrung finden. Im Brutkasten für die Stare zieht ein Eichhörnchen zum zweiten Mal seine Jungen groß. Zwischen Steinen und Deko huschen Salamander, Eidechsen und sogar Blindschleichen umher. Und an lauen Abenden geben die Frösche ihr Konzert. „Mein Garten gehört nicht nur mir, sondern auch den anderen Mitbewohnern“, sagt Vogel. Und das sieht auch Enkel Jan so. „Er sagt immer zu mir: Nein, Oma, du darfst die Ameisen nicht töten.“ Aber sein Kaninchen Bärli, den hatte er eben besonders lieb.

    So kann man Haustiere vor dem Fuchs schützen

    Jutta Reiter, Geschäftsführerin der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Günzburg, gibt Tipps, was Tierhalterinnen und -halter konkret tun können, um ihre Hasen oder Hühner zu schützen:

    Es sollten stabile Materialien für den Schutz, genauer gesagt Zaun, verwendet werden, die die Füchse nicht durchbeißen können. Ein einfacher Maschendraht reicht oft nicht. Auch sind Füchse sehr schlau und können einfache Drehriegel an der Tür öffnen. Hier ist ein zweistufiger Riegel oder Vorhängeschlösser sinnvoll. Auch ist ein Untergrabungsschutz, mindestens 50 Zentimeter tief in der Erde vergraben, ist sinnvoll. Der Zaun sollte 1,80 bis zwei Meter hoch sein, sodass der Fuchs nicht darüber klettern kann.

    Hinweis: Es sind nicht nur Füchse, die Kaninchen und Hühner holen, sondern auch Raubvögel freuen sich über die leichte Beute.

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