Der Nachricht, dass die Murnauer Firma Geiger Automotive GmbH ihren Standort in Ziemetshausen schließt, hat Wellen geschlagen. Am früheren Nokia-Standort warten etwa 55 Mitarbeiter auf mehr Details, wie es mit ihnen weitergeht. Betriebsrat und Firmenleitung verhandelten intensiv über einen Sozialplan. Jetzt ist der Inhalt bekannt.
Am Freitagnachmittag konnte Erwin Wucherer, Betriebsratsvorsitzender im Geiger-Werk in Ziemetshausen gegenüber unserer Redaktion mitteilen, was Sache ist. Der Sozialplan zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite war seit wenigen Stunden unterschrieben. Darin steht: Die Mitarbeiter in Ziemetshausen haben die Möglichkeit, Teil einer Transfergesellschaft zu werden. Deren Gründung sei von der Agentur für Arbeit in Donauwörth abgesegnet, sagt Wucherer. Wer in die Transfergesellschaft wechseln, kann sich weiterbilden lassen. Er oder sie erhält 80 Prozent des bisherigen Lohns und kann dort doppelt so lange beschäftigt bleiben als seine vertraglich festgelegte Kündigungsfrist bei Geiger vorsieht. Außerdem erhalten die Mitarbeiter eine Abfindung, die sich an Gehalt und Dauer Firmenzugehörigkeit orientiert. Eine zweite Option für die Mitarbeiter ist, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen und neben der Abfindung einen sogenannten „Signing-Bonus“ zu kassieren. Er entschädigt dafür, dass der Unterzeichnende sein Klagerecht gegen den Arbeitgeber aufgibt. Wer keine der beiden Optionen wählt, erhält ebenfalls eine Abfindung, erklärt Wucherer. Für Menschen mit Schwerbehinderung und für Beschäftigte, die Familie haben, seien Sonderzuschläge ausgehandelt worden.
Betriebsratsvorsitzender ist zufrieden mit dem Sozialplan
„Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse und der bevorstehenden Betriebsschließung sind wir zufrieden mit diesem Abschluss“, sagt Wucherer. Er trage der Sozialverträglichkeit Rechnung. „Wir haben lange und intensiv mit der Arbeitgeberseite verhandelt, ich finde, es hat sich gelohnt.“
Zurzeit habe er das Gefühl, „die ganze Welt kümmert sich um uns“. Die Personalabteilung von Geiger Automotive versuche die Mitarbeiter aus Ziemetshausen zu vermitteln. Auch beim Betriebsrat kommen Anfragen von Unternehmen an, die Interesse signalisieren, Mitarbeiter anzustellen. Nächste Woche werde die Agentur für Arbeit Berater ins Werk schicken, um mit den Mitarbeitern über alles Weitere sprechen, sagt der Betriebsratsvorsitzende.
Bürgermeister Wetzel wirbt für Geiger-Mitarbeiter
Ziemetshausens Bürgermeister Ralf Wetzel wusste zwar bis dato nicht offiziell von der Schließung des Werks in seiner Marktgemeinde. Nach unserer Berichterstattung über den Fall hat er, wie er berichtet, örtliche Firmen kontaktiert und darauf hingewiesen, dass es bald etliche Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt von Ziemetshausen zur Verfügung stehen werden.
Unter der verbliebenen 55-köpfigen Geiger-Mannschaft seien Betriebswirte, Maschinenbautechniker, Meister und Produktionshelfer, die intern qualifiziert worden seien, so Erwin Wucherer.
IG-Metall: Keine Deindustrialisierung im Landkreis
Günter Frey, Erster Bevollmächtigter der IG Metall für die Geschäftsstelle Günzburg/Neu-Ulm, sagt aus seiner Sicht, „ist es für die Beschäftigungsstruktur einer Region nie gut, wenn ein Industriebetrieb sich zurückzieht“. Im Landkreis Günzburg gebe es allerdings viele Mittelständler. So beliebt die Debatte über Deindustrialisierung Deutschlands sei, „wir sehen keine Anzeichen, dass es bei uns Einschläge geben wird“, anders formuliert: „Keine Hiobsbotschaften aus den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm“.
„Für den Einzelnen ist das eine schlechte Situation“, kann Christine Jung von der Pressestelle des zuständigen Arbeitsamts Donauwörth nachfühlen. Den Geiger-Mitarbeitern rät sie, sich rasch arbeitssuchend zu melden. Das sei ein Muss, sobald man von der Kündigung erfährt. Ziel sei ja, eine neue Beschäftigung zu finden und gar nicht in die Arbeitslosigkeit zu geraten. Wer sich zu spät arbeitssuchend meldet, riskiere Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld.
Unterstützung bei der Jobsuche für langjährige Mitarbeiter
Das Arbeitsamt unterstütze die Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht. Man gehe auch direkt in die Firmen, spreche die Betroffenen an und nehme die Daten auf. „Viele Mitarbeiter sind überfordert, wenn sie jahrelang in einer Firma beschäftigt waren, sie wissen oft gar nicht, was Sache ist.“ Vom Amt gebe es Auskunft, wie sie vorgehen müssen, aber auch Hinweise, welche Möglichkeiten der Arbeitnehmer mit seinen spezifischen Fachkenntnissen auf dem Arbeitsmarkt habe. Dazu gehören Vorschläge, wo man sich bewerben könnte, wo man Stellenbörsen finde. Aber auch Qualifizierungsmaßnahmen oder Fördermittel für die Betriebe, die jemanden einstellen, den sie aufwendiger einarbeiten müssen, sind Instrumente im Besteckkasten des Arbeitsamts. „Wenn die Arbeitslosigkeit erst gar nicht eintrifft, wäre das der Idealfall“, sagt Christine Jung. Sicher, es sei viel von Konjunkturschwäche die Rede, „es ist aber nicht so, dass keine freien Stellen mehr gemeldet werden“, sagt sie. Im Dezember habe es im Landkreis Günzburg beispielsweise 1200 offene Stellen gegeben.
Viele Amtsgänge sind online möglich
Die persönlichen Faktoren wie Alter, regionale Mobilität, vorhandene oder fehlende Ausbildung spielten bei der Jobsuche eine große Rolle. Alles in allem sei der Landkreis Günzburg nicht der schlimmste Landkreis für Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht. Im Gegenteil, der Kreis Günzburg rangiere meist auf dem Treppchen der drei Kreise mit der geringsten Arbeitslosigkeit, sagt Jung.
Arbeitssuchend und – sobald das Kündigungsdatum feststeht – arbeitslos melden können sich Betroffene online unter www.arbeitsagentur.de oder bei den Dienststellen in Günzburg, Neu-Ulm oder Illertissen. Adressen und Öffnungszeiten finden sich ebenfalls im Netz.
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