„Die Chance, dass es ein Wolf war, steht 50:50“, sagt Hubert Forstner. Er bezieht sich auf den Schafsriss, der am Vortag in Ziemetshausen für Aufregung gesorgt hatte. Forstner war 35 Jahre lang Revierförster in Ziemetshausen und hat ein Jagdrevier im Kirchenwald, etwa 500 Meter vom Schafriss entfernt. Seit über 40 Jahren jagt er. Wie berichtet, sind in der Nacht zum Donnerstag im westlichen Gebiet der Marktgemeinde zwei Schafe gestorben. Nach Angaben der Gemeinde könnte es sich um einen Wolfsangriff gehandelt haben. Entsprechende DNA-Proben werden im Landesamt für Umwelt in Augsburg noch untersucht, weshalb noch nicht geklärt ist, ob wirklich ein Wolf die Schafe angegriffen hat, oder ob es auch ein Hund gewesen sein könnte.
Warum wurden so nah an Ziemetshausens Wohnbebauung Dorf Schafe gerissen?
Auffallend sei ja, dass die Tiere von hinten angefressen wurden und vorher offenbar an der Gurgel gepackt wurden. „Aber warum so dorfnah? Wir haben hier viele Schafherden, auch weiter draußen“, fragt sich Forstner. Direkt mit Wölfen habe er keine Erfahrungen. Wenn er mit dem Hund ein verletztes Wild nachsuche, dann seien Jagdhunde auch darauf geschult, das Tier am Hals zu packen, damit es möglichst wenig leiden müsse. Es könne sich also möglicherweise auch um einen Riss eines wildernden Hundes handeln. Sicher sei jedenfalls, dass es sich nicht um einen Luchs gehandelt habe. Das habe es vor mehr als 15 Jahren mal in der Gegend gegeben, sei aber nie groß publik geworden. Damals sei das gerissene Tier am Hals ganz sauber abgenagt gewesen. Und es hatte auch eine entsprechende Sichtung an einer Wildkamera gegeben.
Ein ungewöhnliches Tier hat Hubert Forstner bei Ziemetshausen gesichtet
Ein Bild auf einer Wildkamera eines Wolfes habe man in der Gegend nicht dokumentiert. Jedoch hat der Jäger selbst vor Kurzem, als er „nachts um drei“ auf Schwarzwildjagd war, ein Tier gesehen, das er nicht habe einordnen können. „Wir Jäger haben ja inzwischen alle Wärmebildkameras dabei“, erklärt er. Diese zeigten zwar den Körperbau, nicht jedoch den Schwanz des Tieres, da dieser nicht warm sei. Das entdeckte Tier sei größer als ein Fuchs und etwas gedrungen gewesen. „Es ist flott durchgezogen in etwa 100 Metern Entfernung.“ Es könnte ein Goldschakal gewesen sein, überlegt Forstner. Der Goldschakal ist eine eng mit dem Wolf verwandte Art und wandert derzeit vom Balkan immer weiter nach Norden und Westen ein. Auch in Deutschland gab es bereits viele Sichtungen.
Forstners eigene Wildkamera hat diesbezüglich noch nichts aufgenommen. In manchen Nächten gebe es 100 bis 200 Bilder, insbesondere, wenn Wildschweine durchzögen. Da die Kamera, die am Baum befestigt ist, auch Zeiten dokumentiere, seien das wertvolle Hinweise für Jäger, wann sich ein Ansitz lohnen könne. In Bezug auf den Wolf, meint Forstner, sei keine Panik angesagt. Man habe doch noch nicht davon gehört, dass ein Wolf einen Menschen angreife. Sein aktuelles Jagdverhalten werde er nicht ändern, außer, dass er den Hund nicht frei laufen lassen werde, damit es nicht zu einem eventuellen Konflikt mit dem möglichen Wolf komme. Man müsse jetzt erst einmal die DNA-Analyse abwarten, so Forstner.
Das meint auch Harald Tegel von der Hegegemeinschaft Mindel-Zusam, in deren Zuständigkeit das Gebiet des Schafrisses liegt. Das Gebiet umfasst 19 Reviere, davon vier Eigenjagden und 15 Gemeinschaftsreviere. Bevor nicht Fakten aus der Analyse vorlägen, wolle er nicht mit einer Aussage für Unruhe sorgen und Angst in der Bevölkerung anheizen. Der Schafriss könne ebenso gut ein Riss eines Hundes sein, so Tegel.
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