Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

37. Schwäbischer Kunstsommer im Kloster Irsee: Was Dozent Georges Wenger an der Druckgrafik liebt

37. Schwäbischer Kunstsommer im Kloster Irsee

Gemacht, um Menschen zum Staunen zu bringen: Druckkunst beim Schwäbischen Kunstsommer

  • |
  • |
  • |
  • |
    Georges Wenger (rechts) liebt die Natur und exquisite Druckgrafik. Beides brachte er auch als Dozent beim Schwäbischen Kunstsommer im Kloster Irsee zusammen.
    Georges Wenger (rechts) liebt die Natur und exquisite Druckgrafik. Beides brachte er auch als Dozent beim Schwäbischen Kunstsommer im Kloster Irsee zusammen. Foto: Harald Langer

    „Kreativität heißt in meinen Augen: arbeiten.“ Der Schweizer Künstler Georges Wenger weiß, wovon er spricht. Denn wenn er sich entschieden hat, ein Werk anzugehen, dann bestimmt das bisweilen über Monate seinen Arbeitsalltag. Wengers Spezialgebiet ist die Druckgrafik, und bis aus dem Digitalfoto einer interessanten Baumformation ein manchmal mehrere Quadratmeter großer Linolschnitt geworden ist, bearbeitet er Hunderte von Stunden lang die Druckplatte. Auch feinste Rindenstrukturen und zarteste Verästelungen sind ihm wichtig, damit die am Ende auf feines Japanpapier gedruckten Motive ihre volle, verblüffende Wirkung erzielen. „Sind wir Künstler nicht gemacht, um Menschen zum Staunen zu bringen?“ Das treibt Wenger bei seinen Arbeiten an.

    Der Schweizer Georges Wenger zeigt Werke im Kloster Irsee

    Einige davon waren nun im Kloster Irsee bei Kaufbeuren zu bewundern, wo zum 37. Mal der Schwäbische Kunstsommer stattfand. Wenger leitete bei dieser traditionsreichen, einwöchigen Sommerakademie der Schönen Künste, die von der dortigen Schwabenakademie veranstaltet wird, den Meisterkurs für Druckgrafik. „Die Morphologie des Unkrauts. Ein Plädoyer für die Schönheit des Randständigen“, so hat er sein Kursangebot betitelt. Er sei kein „Naturbursche“, bekennt der 1947 geborene Künstler lachend. Aber die Natur biete nun einmal höchst eindrucksvolle Motive – von den Blättern vermeintlicher Unkräuter bis hin zu hochkomplexen Waldlandschaften.

    Dass er bei deren Ausführung geradezu altmeisterliche Akribie walten lässt, hat mit Wengers Werdegang zu tun. „Lernen kann man das nicht“, zumindest nicht in einem klassischen Kunststudium, ist er überzeugt. Die Grundlagen für den genauen Blick und das genaue Arbeiten wurden bei einer Ausbildung zum Schriftsetzer und Grafiker an der Kunstgewerbeschule in Zürich gelegt. Zum soliden Handwerk gesellte sich bei einer fünfjährigen Weltreise mit dem VW-Bus, aber auch bei einem Stipendium in Indien für ihn ein weiter künstlerischer und kultureller Horizont.

    Kunstsommer nach dem Umbruch in der Schwabenakademie

    Und dann ist da noch die altehrwürdige Kunst der Radierung, in die sich Wenger über Jahrzehnte vertieft hat. Die Differenzierungsmöglichkeiten bei diesem Tiefdruckverfahren, bei dem die zu druckenden Strukturen aus Metallplatten herausgearbeitet werden und so die Darstellung kleinster Details möglich ist, hätten ihn stets fasziniert. Sein Ziel sei es, auch bei den Hochdruckverfahren mit Holzstöcken oder Linoleumplatten an diese Brillanz heranzukommen, den „Hochdruck zu überwinden“.

    Dass er für seine Vorlagen auch die Möglichkeiten der digitalen Fotografie und der Bildbearbeitung am Computer nutzt, ist für Wenger kein Widerspruch zu seiner analogen Meisterschaft und seinen Naturmotiven. Aber: „Irgendwann muss man etwas in die Hand nehmen können.“ Das galt auch für seine Druckgrafik-Klasse, die intensiv damit beschäftigt war, innerhalb von nur einer Woche zumindest kleinformatige Naturimpressionen mit Wenger‘scher Akribie in die Druckpresse zu bekommen – was durchaus gelang.

    Ihre Ergebnisse präsentierten die Druckgrafiker ebenso wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den weiteren neun Meisterkursen wieder bei der abschließenden Kunstsommernacht der Öffentlichkeit. Mehrere Hundert Besucher kamen dazu in die ehemalige Benediktinerabtei, wo es neben Ausstellungen der Malerei-, Textilkunst-, Comic- und Fotografie-Klassen auch Lesungen der Lyrik- und Prosa-Kurse sowie Konzerte des Kunstsommer-Projektchores und eines Projektensembles für Alte Musik gab. Die personellen Umbrüche bei der Leitung der Schwabenakademie im vergangenen Jahr machten sich zwar durchaus bei den Protagonisten, beim Programm und wohl auch beim Andrang bei der Abschlussveranstaltung bemerkbar. Aber unter anderem Georges Wenger, der dem Kloster Irsee seit vielen Jahren verbunden ist, plädierte für eine konstruktive Fortführung: „Es ist doch wichtig, dass es solche Veranstaltungen gibt.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren