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An Ostern auf den überteuerten Schokoladenhasen verzichten?

Pro und Contra

Teuer wie Gold: Muss der Schokoladenhase noch sein?

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    Wird immer mehr zum Luxusgut: der Schokoladenhase.
    Wird immer mehr zum Luxusgut: der Schokoladenhase. Foto: Annette Riedl, dpa

    Pro: Die Schoko-Industrie führt den Verbraucher ganz unchristlich an der Nase herum

    Nur mal der Klarheit halber: Die Osterbotschaft, vor gut 2000 Jahren zum ersten Mal verkündet, lautete natürlich nicht: „Suchet von nun, an diesem Tage, den ihr Ostern nennet, auf alle Ewigkeit nach vergüldeten Schoko-Osterhasen“. Das ist die neue, moderne Version, die die Schokoladenindustrie zum hohen Festtag verlautbaren lässt. Für das Schoko-Kartell à la Lindt und Co. ist das Osterfest eine wahre Goldgrube: Milliardenumsätze durch Schoko-Eier, Schoko-Küken, Schoko-Hasen. Ostern, das Fest der Erlösung? Die größten Erlöse fließen in die Tasche der Schoko-Industrie – denn die führt den Verbraucher ganz unchristlich an der Stupsnase herum.

    Während die Kakaopreise in den Tiefflug gehen, zünden Milka und Lindt den Gewinnturbo, durchschlagen die Kapitalmauer und starten Richtung Profitsphäre: Innerhalb von zwei Jahren stiegen die Preise der Schokohasen um bis zu 44 Prozent. Ein Goldhase mit 50 Gramm kostet heute 3,79 Euro und damit fast doppelt so viel wie 2020. Er trägt seinen Namen bald wirklich zurecht. Und das, obwohl Kakao aktuell viermal weniger kostet als noch vor zwei Jahren. Lindt sagt, der Konzern hätte den Kakao gekauft, als er noch teuer war – das erklärte der Konzern im Übrigen schon im vergangenen Jahr. Übersetzt heißt das: „Rauf geht immer, runter nimmer.“

    Deswegen setze ich fortan auf ausgleichende Gerechtigkeit und bezahle meinen Lindt-Goldhasen mit Schokoladentalern. Die eigene Medizin schmeckt bekanntlich am besten. Sollte das nicht klappen, bleibt mein Osternest in antikapitalistischer Manier frei von Schokohasen. (Kilian Voß)

    Contra: Warum ausgerechnet zum Osterfest zum Sparfuchs werden

    Wir lüften an dieser Stelle ein Geheimnis, wir enthüllen das wahre Rätsel des Osterfests: Wer jetzt noch glaubt, dass in unserem Kosmos ein Hase mit Zauberkraft existiert, so ein Wesen mit Riesenlöffeln, das jedes Frühjahr die Milka-Fabrik ausraubt und bei Lindt plündert, um diese Schätze aus Schoko dann in allen Vorgärten zu verstecken – der täuscht sich. Es gibt den Osterhasen nicht. Er ist eine Erfindung. Und? Fies genug, dieser Schock? Aber jetzt stellen Sie sich die verschärfte Version vor: Sie stellen fest, es gibt den Osterhasen nicht. Also auch gar keinen aus Schokolade. Die Süßigkeit ist in diesem Jahr für sie gestrichen, niemand schenkt Ihnen die Schoki. Das wäre doch der viel brutalere Schock!

    Ja, es ist grausam, wie auf dem Markt der süßen Sachen gerade mit den Preisen gespielt wird. Der Goldhasenpreis steigt parallel zum Goldpreis, und in fast vergleichbare Höhen – dabei ist das allgemeine Kakao-Wertniveau kräftig gesunken. Sollte man da mitspielen? Mit Zähneknirschen: Ja, das darf schon sein! Denn pünktlich zum Osterhasen-Fest zum Sparfuchs werden? Am Spaß knausern, auch wenn man's nicht müsste? Also nicht aus Not? Dann: nein!

    Skandal im Süßigkeitenregal, alle klagen über teure Osterschoki. Stören wir uns aber bitte lieber am viel größeren Problem: Die Lebensmittelpreise steigen allgemein. Selbst bei überlebenswichtigen Waren des Alltags. Genau das sollte uns sorgen, da beginnt der Ernst. Aber einmal zu Ostern in Schoki zu investieren, für die Suche, für die Überraschung und aus Liebe? Vielleicht sogar diesmal einen Hasen zu verschenken, an einen Menschen, der sich nur wenig leisten kann? Dafür muss sich niemand schämen. (Veronika Lintner)

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