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Auf den Spuren wahrer Eleganz: im Atelier der Modemacher Talbot und Runhof

Mode

Münchner Modemacher: „Es kommt auf die Frau an, nicht auf das Kleid“

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    Prinzessin Kate in Talbot Runhof
    Prinzessin Kate in Talbot Runhof Foto: Imago

    Der Weg zu Stil und Eleganz führt in einen Hinterhof im Münchner Stadtteil Obersendling, nur einige Schritte vom Isarhochufer entfernt. Talbot Runhof, diese Marke, zusammengesetzt aus den Nachnamen der beiden Unternehmensgründer Johnny Talbot und Adrian Runhof, entlockt Frauen, die gern mal ein Modeheft zur Hand nehmen oder ihren Blick in die Klatschspalten werfen, ein wissendes Lächeln. Ganz zu schweigen von jenen, die sich für einen passenden Anlass schon mal nach einem Abendkleid umgesehen und dafür eine höhere Preiskategorie in Erwägung gezogen haben. Die Firma gehört zu den wenigen deutschen Labels, die es mit ihren Kreationen aus Jacquard, Samt, Seide und Tüll international mit den großen Namen der Modewelt aufnehmen können. Stars wie Helen Mirren, Oprah Winfrey, Kim Kardashian, Lady Gaga und Selena Gomez posieren in ihren Cocktail- und Abendkleidern auf den roten Teppichen dieser Welt.  Durch eine schmale Einfahrt zwischen Neubau-Wohnblöcken geht es zu einem Flachbau, in dem sich die Zentrale des Unternehmens befindet. Mülltonnenhäuschen, Carports, dazwischen ein wenig Grün und die ersten Frühjahrsblüher verraten erst einmal wenig vom Schick, der hier zu Hause ist.

    Adrian Runhof spricht in Obersendling über Eleganz und Mode

    Doch was ist das eigentlich – Stil und Eleganz? Was macht deren besondere Ausstrahlung aus, wie entstehen sie? Ein Blick also hinter die Kulissen eines Unternehmens, das für sich in Anspruch nimmt, dass Eleganz keinen Anlass braucht, sondern eine Haltung ist. Und das nicht zuletzt auch deshalb jetzt museumsreif wird. Denn Mode ist mehr als eine ansehnliche textile Hülle des Körpers, das haben inzwischen viele Ausstellungshäuser erkannt. „Das Design von heute ist das Kulturerbe von morgen“, sagt etwa Karl Borromäus Murr, Direktor des Textil- und Industriemuseums in Augsburg. Erst kürzlich konnte das Museum 150 Kreationen der Münchner Designer übernehmen, in einer Ausstellung werden sie demnächst zu sehen sein.

    In Obersendling sitzt nun Adrian Runhof im Showroom des Unternehmens sehr entspannt in einem Sessel, nippt an einem Glas mit Zitronenwasser und entschuldigt seinen Kompagnon Johnny Talbot, der im Shop in der Theatinerstraße gerade unabkömmlich ist. Ganz in Schwarz, mit Hoodie, Joggpants und Sneaker, ist Runhof der lässige Gegenpol zur edlen Eleganz, die drumherum an den Kleiderständern hängt: Abendkleider in kräftigem Bordeauxrot, strengem Nachtblau und duftigem Rosé, mal eng anliegend, mal mit weit ausgestelltem Rock. Pailletten glitzern, Seide und Samt schimmern, Chiffon umspielt Ausschnitte. „Mal ganz ehrlich, wenn man nicht so viel kann, dann ist es am besten, man macht Abendkleider“, wird Runhof im Laufe des Gesprächs sagen und mit diesem Understatement ein wenig kokett darauf anspielen, dass er und sein Kollege Seiteneinsteiger in der Modebranche sind.

    Auch dies übrigens eine Frage der Haltung, der zu sich selbst nämlich, und der Frage, wie man sein Leben verbringen möchte, doch dazu später mehr. Erst einmal etwas darüber, was ein Abendkleid überhaupt zum Hingucker macht. „Sie brauchen ein Stück Stoff, an dem es glitzert und kracht, reihen ihn oben ein, machen einen langen Rock daraus und ein schönes Oberteil dazu – und alle sagen: Wow!“  So einfach ist das also? Nun ja, gibt Runhof zu, ein besonderes Detail im Schnitt, eine interessante Form seien wichtig, aber das Geheimnis, vielleicht auch die Seele eines Kleides, liege im Stoff. „Der muss überraschen.“ Als Erstes zähle dabei die Optik, also Struktur, Beschaffenheit, Transparenz. Meist sind es Unis, also einfarbige Stoffe, die ihren Blick anziehen. Um diese Besonderheiten zu finden, besuchen sie Stoffmessen in München, Mailand und Paris und blättern sich mit großer Geduld durch Tausende Musterkarten. „Auch nach der 9990. Karte darf man nicht sagen, da finde ich jetzt nichts, es kommt dann schon irgendwann etwas“, ist die Erfahrung Runhofs.

    Furtwängler begeistert bei Bambi-Gala mit außergewöhnlichem Kleid

    Besagtes „Wow!“ ging auf jeden Fall im Jahr 1994 den Gästen der Bambi-Preisverleihung in München durch den Kopf. Grund dafür war die Robe, die Schauspielerin Maria Furtwängler trug. Vom Schock des ersten Golfkrieges, in dessen Folge viele Bälle und Gala-Veranstaltungen abgesagt worden waren, hatten sich die VIPS gerade wieder erholt und die Abendgarderobe aus den Schränken geholt oder auch neu gekauft. Furtwängler, seit einigen Jahren mit Verleger Hubert Burda verheiratet, wurde fündig in einem kleinen Laden in der Hildegardstraße unweit der feudalen Maximilianstraße, der damals noch „All about Eve“ hieß (erst 2000 wurde daraus der Firmenname Talbot Runhof).

    Mit einem Kleid für die Schauspielerin Maria Furtwängler gelang dem Modelabel Talbot Runhof der Durchbruch.
    Mit einem Kleid für die Schauspielerin Maria Furtwängler gelang dem Modelabel Talbot Runhof der Durchbruch. Foto: Soeren Stache, dpa

    Johnny Talbot hütete den Laden an diesem Nachmittag und wusste gar nicht, wie ihm geschah, als eine blonde Frau angeradelt kam, sich ein wenig umsah, mit ihren Freundinnen telefonierte und dann das Kleid kaufte. Die Miete für das Lädchen war damit erst einmal gesichert, dachte er als Erstes. Als Zweites rief er seinen Partner an. „Immer wenn er etwas verkaufte, telefonierte er sofort mit mir“, sagt Adrian Runhof. Die Frau habe irgendetwas von Bambi gesagt und Talbot konnte damit wenig anfangen. „Für ihn war Bambi das süße Reh aus dem Disney-Film.“ Dass mit dem Medienpreis des Hauses Burda einem ihrer Kleider die große Bühne bereitet würde, damit rechnete Talbot nicht. Umso mehr, als ausgerechnet dieses Kleid nicht für den Verkauf kreiert worden war, sondern speziell für eine Modenschau.  „Wir hatten für diese Schau besondere Stoffe in St. Gallen gekauft und sehr extravagante Kleider entworfen, die mehr Statement waren als für den kommerziellen Erfolg geeignet.“ Es war natürlich der Stoff, der das Kleid so besonders machte: ein Metallic-Gewebe, das ursprünglich für technische Anwendungen genutzt wurde, irisierend in verschiedenen Kupfertönen. „Darauf haben wir eine hoch filigrane, grünlich schimmernde Spitze gebondet (Anm. d. Red. geklebt). Es war ein irres Kleid, diese Farbigkeit war neu“, erklärt sich Runhof dessen durchschlagende Wirkung.

    „Alle reden über dieses deutsche Modelabel“, schrieb die Bunte, für Johnny Talbot und Adrian Runhof war es der Durchbruch in der Modewelt. Dabei waren die beiden, wie schon erwähnt, ja keine ausgebildeten Designer: Johnny Talbot, geboren 1964, stammt aus Nashville und ist ursprünglich Informatiker. Adrian Runhof, Jahrgang 1963, hat Betriebswirtschaft studiert. Dass sie mit Mode nichts am Hut hatten, wäre nun zwar ein nettes Wortspiel, trifft in diesem Fall aber nicht zu. „Johnnys Traum war es schon immer, Mode zu kreieren“, erzählt Runhof über seinen Kompagnon. Aber dessen Mutter, selbst Schneiderin, hatte darauf bestanden, dass der Sohn etwas Vernünftiges studiert. Doch sein Job als Programmierer im Pentagon wurde ihm irgendwann zu langweilig und es zog ihn Ende der 80er Jahre ins hippe München, um bei Radio Free Europe zu arbeiten. Dort traf er auf den BWL-Studenten Adrian Runhof aus Wiesbaden. Der war mit Mode aufgewachsen: Der Vater besaß ein Bekleidungsgeschäft, die Mutter betrieb ein eigenes Label und mit ihrem Sohn fuhren sie dann auch zu den großen Schauen nach Paris. „Ich war 14 Jahre alt und infiziert, als ich sah, wie die Models die verspiegelten Treppen bei Dior herunterkamen. Da wusste ich: Das will ich auch haben.“

    Runhof und Talbot entwerfen Kleidung im gemeinsamen Chefbüro

    Mode als Herzensangelegenheit – das brachte den Informatiker aus Nashville und den Marketingexperten aus Wiesbaden zusammen, geschäftlich und zunächst auch privat. Mittlerweile hat jeder von ihnen einen anderen Lebenspartner, doch im Headquarter in Obersendling, wie sie die Firmenzentrale nennen, wird immer noch gemeinsame Sache gemacht.

    Der Name mag militärisch klingen, im Inneren geht es eher locker, ja fast familiär zu. Mit den Chefs ist man auf Du und Du, Johnnys Hund Cooper findet hier immer ein kraulendes Händchen, und die Büros und Ateliers sind nicht hermetisch abgeschirmt, sondern haben Glasscheiben zu dem langen Gang, von dem sie abgehen. An dessen Ende liegt die Agora, ein Raum, mit Kochnische und langer Tafel, an der mittags gegessen und auch mal abends gemeinsam ein Film geschaut wird.

    Das Chefbüro teilen sich Runhof und Talbot, schließlich entstehen auch die Kleidungsstücke in Teamarbeit, allerdings nicht am Zeichentisch, sondern direkt an den Puppen im Atelier, dem kreativen Zentrum der Firma. Im Regal stapeln sich dort schwarze Boxen, randvoll gefüllt mit Stoffmustern. Einige hängen angepinnt an einer weißen Magnetwand, die in den nächsten Wochen noch ein wenig voller werden wird, schließlich gehen die Gedanken schon in Richtung Frühjahr/Sommerkollektion 2027.

    Hier also hat sie ihren Ursprung, jene Eleganz, die Frauenkörper umschmeichelt, von Größe 32 bis 52, wie Adrian Runhof betont, auch wenn die Fotos an den Wänden eher Frauen der mageren Art zeigen. Unvorteilhaftes kaschieren, das Vorteilhafte hervorheben, auch darauf komme es bei einem Abendkleid an, stellt Runhof heraus.  Oft ist die Inspiration ein Stück Stoff, das an den Puppen zu einem Ärmel, Kragen oder Ausschnitt drapiert wird. Mit der Idee für ein Oberteil und einen Rock wird es Schritt für Schritt zum fertigen Kleid. In der CAD-Abteilung überführen es die Modellmacherinnen und ihre männlichen Kollegen in ein Schnittmuster.

    Bei den „Fittings“, den Anproben mit Modellen, nehmen die beiden Chefs schließlich Korrekturen vor, legen hier eine Falte zusätzlich, setzen dort noch eine Naht. „Johnny ist ein Meister des Drapierens“, erkennt Adrian Runhof neidlos an, wobei auch er immer wieder auf die Knie geht, um einen Saum noch einmal anders abzustecken. „Johnny ist darauf aus, dass die Kreativität nicht zu kurz kommt und ich achte auf die Verkäuflichkeit“, deutet Marketingfachmann Runhof mit einem Augenzwinkern an, dass es durchaus auch kontroverse Diskussionen im Hause Talbot Runhof gibt. Dass sie dabei immer wieder zu guten Kompromissen kommen, ist angesichts der Erfolgsgeschichte des Unternehmens anzunehmen. 

    Talbot Runhof transportieren auch politische Botschaften mit ihrer Mode

    Aber Mode ist ja nicht nur Dekoration und äußerlicher Tand, sondern kann durchaus im Dienste tieferer Dinge stehen. Die Geschichte der Mode kennt viele Beispiele, die Kleidung zum Zeichen von Protest oder Haltung machten, etwa die Jakobiner während der Französischen Revolution mit ihren Hüten oder die Suffragetten mit weißer Kleidung. Bis heute ist das Tragen der schwarz-weiß gemusterten Kufiya, die einst der PLO-Vorsitzende Jassir Arafat als Symbol des palästinensischen Widerstandes trug, ein Code für die Kritik an der Regierung Israels. Geradezu legendär für ihre gesellschaftskritischen Seitenhiebe auf dem Laufsteg war vor allem die exzentrische britische Designerin Vivienne Westwood, die mit politischen Botschaften auf T-Shirts und Kleidern ein Zeichen für Umwelt- und Tierschutz, Menschenrechte und Pazifismus setzte.

    Überlegungen dieser Art führen nun zurück nach Obersendling, wo man sich ebenfalls viele Gedanken über das, was in der Welt passiert, und darüber, wie Menschen miteinander umgehen, macht. Genauer gesagt aber doch nach Paris, wo Talbot Runhof bis 2019 bei den großen Defilees der Pariser Fashionweek vertreten waren. Der Satz „Visit Paris ... before he does!“ klingt wie der Slogan einer Touristikwerbung. In Verbindung mit dem Konterfei Wladimir Putins und dem Eiffelturm, der wie ein keckes Hütchen auf dem Kopf des russischen Autokraten sitzt, wurde er zum Statement mit ironischem Unterton, das sich auch gut als Karikatur in einer Satirezeitschrift machen würde. Auf einem der Modedefilees von Talbot Runhof 2015 in Paris wurden die Shirts mit diesem Aufdruck – ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland und nur wenige Monate nach dem Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeuges über der Ukraine durch russische Raketen – zum Hingucker. Die Krone setzte dem Ganzen dann noch der Kollektionsname mit der Anspielung an einen James-Bond-Titel auf: „From Russia with Love“.

    Nicht, dass sich dadurch etwas geändert hätte am Fortgang der Weltgeschichte. Wahre Eleganz jedoch hat nicht nur etwas mit schöner Kleidung zu tun, sondern auch immer etwas mit Haltung – dem aufrechten Gang, aber bestenfalls auch mit der Gesinnung, die dahintersteht. „Es war uns ein Bedürfnis, diese Plattform, die wir haben, auch für unsere Meinung zu nutzen“, sagt Adrian Runhof. Wobei Protest und Haltung à la Talbot Runhof auch eine subtile Note bekommen können. Als Donald Trump zum ersten Mal ins Weiße Haus gewählt wurde, entstand eine Kollektion unter dem Motto „Lie to me“ (Lüg mich an). „Dafür haben wir Materialien verwendet, die in unseren Augen sehr ehrliche Materialien sind, Klassiker aus der Stoffkiste, die nach allen Regeln der Verarbeitungskunst gewebt wurden“, erzählt Runhof.

    Mit Stoffresten unterstützten Talbot Runhof ein soziales Projekt für Geflüchtete

    Aber ist Mode wirklich dazu geeignet, Missstände nicht nur aufzuzeigen, sondern auch zu deren Lösung beizutragen? Adrian Runhof nickt und erzählt von einem Projekt mit Bellevue di Monaco, einem Sozial- und Kulturzentrum im Glockenbachviertel in München, das engagierte Bürgerinnen und Bürger aufgebaut haben. Es leistet Integrationsarbeit für geflüchtete Menschen, bietet ihnen Wohnung, Sprachkurse, kulturelle Aktivitäten und ist Anlaufstelle für Beratung. „Wir wohnen dort in der Gegend und einer unserer Vermieter unterstützt die AfD mit großen Summen. Da haben wir mal ausgerechnet, wie viel Geld er mit uns verdient und haben den gleichen Betrag an Bellevue di Monaco gespendet.“ Das war die ursprüngliche Motivation, aus der eine Idee entstand, die um einiges weiterging: das Atelier „Bellevue Couture“. Zusammen mit Bellevue di Monaco bauten sie eine Nähwerkstatt auf, in der geflüchtete Frauen die Stoffreste der Talbot-Runhof-Kollektionen verwerteten. Aus hunderten rechteckiger Stoffflecken nähten sie Patchworks und fanden auf diese Weise Arbeit.

    Nicht nur eine ganze Kollektion mit rund 40 Teilen nach Entwürfen von Talbot Runhof entstand dabei, deren Erlös wiederum dem Sozialzentrum zugutekam. Die Näherinnen fertigten auch die Kostüme für eine Inszenierung des Balletts „Giselle“ im Gärtnerplatztheater und 2024 ein Europa-Kleid, das mit dem Schriftzug „Vote“ im Oberteil zur Wahl des Europäischen Parlaments aufrief. „Je mehr Menschen wählen, desto stärker ist unsere Demokratie“, mahnten die beiden Modemacher damit und demonstrierten auch: Mode kann Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Geschichte verbinden, im Glockenbachviertel ebenso wie in Europa und in der Welt. So wurden die Patchworks der „Bellevue Couture“ nicht einfach nur Rohstoff für Kleidung, sondern auch ein starkes Statement für Vielfalt und Zusammenhalt. Übrigens auch für die in der Modebranche viel diskutierte Nachhaltigkeit als wichtiges gesellschaftliches Thema, auf das Adrian Runhof noch schnell hinweist: die Lieferketten, die Produktionsstandorte, die Reduzierung der Kollektionen. „Aber am nachhaltigsten ist natürlich eine gute Qualität.“

    Eigentlich ein gutes Schlusswort für diesen Besuch im Headquarter in Obersendling. Aber dann möchte man doch noch auf ein besonderes Kleid zu sprechen kommen: eine scheinbar schlichte Robe, eng anliegend, smaragdgrüner Samt, V-Ausschnitt. Klingt fast schon simpel, war in der Wirkung aber wieder einer jener Wow-Momente, von denen Adrian Runhof am Beginn des Gesprächs erzählt hatte. Die britische Prinzessin Kate trug das Kleid im November 2025 zu einer Gala in der Londoner Royal Albert Hall. „Ich saß eines Mittwochabends im Homeoffice und dann kam eine E-Mail von „The Household of the Prince and Princess of Wales“, erinnert sich Runhof.  Die Prinzessin werde an diesem Abend ein Kleid des Münchner Labels tragen, hieß es darin, aber man weise ausdrücklich darauf hin, dass dies nicht für Social-Media-Aktivitäten oder sonstiges Marketing genutzt werden dürfe.

    Die Kleider des Couture-Duo Talbot Runhof sind in Augsburg nun auch ein Fall fürs Museum: Aktuelle sind ihre Kreationen im Textilmuseum zu sehen. Auf dem Bild sind Karl B. Murr (links), Adrian Runhof und Johnny Talbot.
    Die Kleider des Couture-Duo Talbot Runhof sind in Augsburg nun auch ein Fall fürs Museum: Aktuelle sind ihre Kreationen im Textilmuseum zu sehen. Auf dem Bild sind Karl B. Murr (links), Adrian Runhof und Johnny Talbot. Foto: Anna Kondratenko

     Na ja, es sprach sich dann trotzdem ziemlich schnell herum, aus welchem Hause das aufsehenerregende Kleid der Prinzessin stammte.  Das Kuriose daran: Es war ein Kleid, das Talbot Runhof schon vor sechs Jahren entworfen hatten. „Das muss sie damals wohl bei Harrods gekauft haben, für einen privaten Anlass.“ Was Adrian Runhof an dieser Geschichte so gut gefällt: „Ich stelle mir vor, sie trug es, als sie Weihnachten zur Queen fuhren, um mit der Familie zu feiern, dann hing es sechs Jahre im Schrank und im letzten November hat sie sich gedacht, das kann ich ja mal wieder anziehen.“  Viele Frauen wollten dieses Kleid, in dem die Prinzessin so umwerfend aussah, kaufen, aber das gab es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr. „Ein Run auf ähnliche Kleider setzte ein, auch auf unähnliche übrigens, die aber smaragdgrün waren, es war unglaublich“, sagt Runhof und schüttelt den Kopf.

    Ob die Frauen damit die gleiche Wirkung erzielt hätten wie die Prinzessin?  „Wie sie sich bewegt, wie sie lächelt, wie sie den Schmuck trägt, die Tasche hält, wie sie in den Schuhen läuft – pure Eleganz. It´s the woman, not the dress“, sagt Adrian Runhof in Anlehnung an die berühmte Kollegin Coco Chanel, die darum wusste, dass schöne Kleidung eben nichts ist ohne die Persönlichkeit und Ausstrahlung derjenigen, die sie trägt. Und das ist wahrscheinlich das eigentliche Geheimnis wahrer Eleganz.

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