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In Sachen Liebe: Wie lässt sich eine Beziehung gleichberechtigt leben?

Beziehungsfragen

Wie lässt sich eine Beziehung gleichberechtigt leben?

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    Viele Paare wollen Aufgaben teilen – und finden sich doch in alten Rollen wieder.
    Viele Paare wollen Aufgaben teilen – und finden sich doch in alten Rollen wieder. Foto: Adobe Stock

    Ein Paar streitet. Über Kleinigkeiten. Darüber, warum sie ihm immer sagen muss, dass er sich mit mehr Engagement den Kindern widmen soll. Darüber, warum er nicht mal kurz seine Ruhe haben kann. Aber worum geht es eigentlich bei dem wiederkehrenden Konflikt?

    Diese Frage sollten wir uns viel öfter stellen: Worum geht es hier wirklich? Denn es geht nie nur um die Tasse, die nicht weggeräumt wird oder die berühmte offene Zahnpastatube. Oft ist es nicht so einfach zu sagen, worum es wirklich geht. Warum? Weil solche Konflikte häufig mit falschen Kompromissen gelöst werden, bei denen beide verlieren. Oder weil sie das Risiko für mehr Distanz mit sich bringen, weil sie nicht lösbar erscheinen. Aber: Viele Konflikte können gelöst werden, wir müssen nur größer denken.

    Wer Erfolg einzig daran bemisst, wie viel Geld verdient wird, denkt zu kurz

    Zurück zum Paar. Die beiden haben Kinder. Sie will beruflich selbstständig werden und sich aus der finanziellen Abhängigkeit lösen, ein Masterstudium wäre der nächste Schritt. Er hat keine drei Jahre Elternzeit genommen, ist entsprechend weiter in seiner Erwerbsbiografie und verdient den Großteil des Familieneinkommens. Er möchte nicht auf seine Karriere verzichten, damit sie den Master machen kann, sondern mehr Personalverantwortung übernehmen und ein finanzielles Polster für mehr Sicherheit schaffen.

    Aus finanzieller Sicht hat er recht. Im kapitalistischen System werden Spezialisierung und Arbeitsteilung immer mehr Geld bringen als geteilte Sorgearbeit. Für die meisten Paare bedeutet das: Je mehr sie sich die Arbeiten teilen, umso größer der finanzielle Verzicht. Aber wer Erfolg einzig daran bemisst, wie viel Geld verdient wird, denkt zu kurz. Die Harvard Studie zeigt jährlich, wie sehr zwischenmenschliche Beziehungen die Qualität unseres Lebens prägen, ein gewisses Grundeinkommen mal vorausgesetzt.

    Freigewählte Abhängigkeit in einer Partnerschaft ist etwas Wundervolles

    Gleichberechtigung ist eine Investition in die Beziehung, die wir uns leisten wollen müssen. Jeder in dem Maße, wie es möglich ist. Für unser Paar bedeutet dies, dass er die Personalverantwortung nur übernehmen sollte, wenn er seine Wochenarbeitszeit reduzieren kann. Denn das ermöglicht ihm mehr emotionale Präsenz. Die Zeit mit den Kindern wird seine emotionalen Fähigkeiten trainieren, er wird sich selbst wieder mehr spüren und ein kostbares Geschenk erleben, denn am Ende des Lebens bereuen viele, nicht mehr Zeit mit den Liebsten verbracht zu haben.

    Weniger Arbeitszeit schafft mehr Kapazitäten für die Beziehung.
    Weniger Arbeitszeit schafft mehr Kapazitäten für die Beziehung. Foto: Christin Klose, dpa

    Sie kann den Master machen, aber unter der Bedingung, schon jetzt Kunden zu akquirieren und Geld zu verdienen, sodass auch die Verantwortung für die Finanzen geteilt wird. Beide gehen ein Risiko ein. Er erfährt sich emotional, sie erfährt sich finanziell selbstwirksam. Beide erleben sich in einer neuen Rolle, an der sie wachsen können.

    Sein größter Ausdruck von Liebe ist also, ihre finanzielle Unabhängigkeit zu unterstützen. Und ihr größter Ausdruck von Liebe ist es, ihn in seiner emotionalen Unabhängigkeit zu unterstützen. Dieses Kredo lässt sich auch auf gleichgeschlechtliche Paare übertragen, wo ebenso diese Polarität wirkt.

    Freigewählte Abhängigkeit in einer Partnerschaft ist etwas Wundervolles. Wenn wir keinen Partner mehr brauchen, weil wir alleine finanziell erfolgreich und emotional erfüllt sein können, dann können wir uns auf eine Beziehung einlassen, nicht um zu überleben, sondern um gemeinsam ein größeres Ganzes zu erschaffen. Um uns gegenseitig zu erweitern, indem wir miteinander neue Lösungen finden.

    Zur Person

    Christian und Tanja Roos arbeiten als Beziehungscoaches. Sie beraten Paare mit unterschiedlichsten Problemen, sprechen in ihrem Podcast „Das neue Wir“ über ihre Erfahrungen und haben mit dem Buch „Das Ich im Du: Du hast dein Beziehungsglück selbst in der Hand“ einen Bestseller gelandet. In unserer Partnerschaftskolumne „In Sachen Liebe“ schreiben sie jetzt alle zwei Wochen über Beziehungsthemen.

    Hier erklären sie, was man tun kann, wenn man sich vom Partner nicht mehr wertgeschätzt fühlt.

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