Es lässt sich nicht mehr leugnen: Der Herbst ist da. Der Himmel ist grau, es ist kalt und nass. Und ja, auch die Blätter fallen von den Bäumen. Für viele Gartenbesitzer, Hausmeister und Straßensauberhalter bedeutet das eins: sie holen den Laubbläser hervor. Sehr zum Ärger der Laubbläser-Feinde, die finden: Ein Besen täte es doch auch. Also klären wir einfür alle mal: Ist der Laubbläser praktich oder blöd? Zwei Meinungen.
Pro: Schluss mit dem Laubbläser-Mobbing – Gartenarbeit ist laut
Der Laubbläser ist das meist gemobbte Gartengerät. Er wird belächelt und verspottet, ist manchen geradezu verhasst. Jeden Herbst aufs Neue. Höchste Zeit für ein Plädoyer. Denn er ist trotz seines unterirdischen Images ein Freund des Gärtners und der Gärtnerin. Also Schluss mit dem Laubbläser-Mobbing.
Jeder, der ein Stück Scholle besitzt oder beackert, weiß: Gartenarbeit ist laut. Vertikutieren im (vergeblichen) Kampf gegen Moos ist ein Höllenspektakel – mitten im schönsten Frühjahr, wenn man eigentlich jeden Sonnenstrahl auskosten will. Wohin würden die Bäume wachsen, gäbe es die Motorsäge nicht? Ohne elektrische Heckenschere könnte man später die Form von Forsythie, Weigelie, Kirschlorbeer oder Buchs vergessen. Und natürlich wäre es eine Möglichkeit, Grashälmchen für Grashälmchen mit der Schere abzuschneiden, wie der Gartenliebhaber in Asterix bei den Briten. Realitätsnäher aber ist, dass der Nachbar samstags pünktlich um 14 Uhr den Rasenmäher anwirft. Dass dies nicht ganz geräuschlos abgeht, merkt man stets, wenn man sich gerade in den Liegestuhl gelegt hat.
Na klar, es gibt Sportsfreunde, die mit dem Laubbläser noch das kleinste Blättchen mit Hingabe Richtung Biotonne zirkeln. Tatsächlich stört der Laubbläser die Gartenruhe weniger, als man gemeinhin denkt. Die großen Zeiten des Grillens und Chillens sind vorbei. Man kann laubbläsern so viel man will, muss sich nicht bücken, nicht rechen und die Nachbarn bekommen davon nicht mal viel mit. Schlaue Laubbläser wedeln dazu die Blätter schnell unter die Büsche und machen Igel, Spatz und Regenwurm eine Freude. Und sich selbst auch, weil sie mit der Arbeit so schnell fertig sind.
Contra: Laut, schmutzig, tödlich - und einatmen sollte man besser auch nicht
Weil Menschen, die auf Laubbläser stehen, ja ständig Gegenwind bekommen, hier erst einmal ein paar Zeilen der Bewunderung. Dieses Gartengerät ist effizient und zeigt wahre Stärke. Mit 250 Stundenkilometern und damit wie ein Orkan jagt es das Laub über Rasen und Straßen. Umwerfend also. Föhnt sich der amerikanische Präsident mit einem Laubbläser die Haare, man könnte es sich vorstellen. Aber weg mit dieser Fantasie. Jedenfalls kann man durchaus verstehen, dass wer sich um das Laub von Rotbuchen, Linden oder Eschen kümmern muss, dem Reiz eines Laubbläsers irgendwann erliegt.
Kann man aber all die Kritikpunkte deswegen einfach hinwegfegen? Natürlich nicht. Hier schnell aufgewirbelt die wichtigsten: Laubbläser, vor allem die mit Verbrennungsmotor, sind unglaublich laut, lauter als ein Presslufthammer. Sie schleudern Insekten, Spinnen und andere Kleintiere zu Tode, zerstören Nahrungsgrundlage und Winterquartiere, nehmen dem Boden seine Nährstoffe und seinen Wärmeschutz für den Winter. Er dörrt dann auch eher aus. Auf der Straße wirbeln Laubbläser wiederum unfassbar viel Feinstaub auf, sechs- bis zehnmal mehr als beim Einsatz eines Besens. Man sollte lieber nicht tief einatmen, manchmal ist ja auch ein bisschen Tierkot dabei …
All das will man als laubbläserliebender Mensch natürlich nicht hören – zieht sich die Kopfhörer noch fester auf die Ohren. Aber schon fliegt mit der nächsten Böe eine Meldung des Umweltbundesamtes auf den Tisch: Die Dinger seien gefährlich für die Tiere, bedenklich für die Gesundheit der Menschen: „Besen oder Harke sind die bessere Alternative!“ Gegenwind in Orkanstärke, umwerfend also.
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