Autozölle, Energiepreise, die Niederlage des Lieblingsvereins – die Nachrichtenlage kommt schon schlimm genug daher. Nun kommt am Wochenende auch noch das größte Übel von allen: der Zeitraub. Uhren vorstellen in der Nacht von Samstag auf Sonntag von zwei auf drei Uhr. Sommerzeit, wieder im Dunklen morgens joggen, wieder mit dem Jetlag des kleinen Mannes kämpfen – im Wissen, dass es diese europaweite Umfrage zur Abschaffung gab, sich aber seit Jahren niemand in der EU ernsthaft damit befasst. Wie soll man da ruhig bleiben?
Gegen die Zeitumstellung hilft nur der große bayerische Philosoph Gerhard Polt
Nicht mal der Alkohol bleibt einem mehr, wenn jetzt schon Eckart von Hirschhausen dagegen wettert. Und sich einfach in die Vergangenheit flüchten, weil früher die Welt noch in Ordnung war, fiel schon leichter. Selbst da herrscht keine Einigkeit mehr: Waren die Nazis jetzt links oder rechts? Überhaupt lauert in der Geschichte dieser entscheidende Fehler, als man im 19. Jahrhundert die Zeit von oben herab normiert hat. Der Eisenbahn-Turbokapitalismus hat uns das eingebrockt, er ließ uns die Uhren alle gleichschalten. Und was hat das der Bahn gebracht? Auf die Uhr darf man beim Zugfahren nicht mehr schauen, sonst regt man sich noch mehr auf.
Da hilft nur eines: sich beim großen bayerischen Philosophen Gerhard Polt ein paar Sätze Seelenheil zu borgen. Wenn er dichtet, beruhigt das den Puls. „Zeit ist Zeit, ist Einheit für Gemütlichkeit“, ja, so war das mal. „Zeit plus Zeit ist mehr Zeit“ – wie wahr. „Brot plus Zeit ist Brotzeit“ – lieben wir sehr. „Zeit mal Zeit ist Mahlzeit“ – ach ja, wenn es nur endlich schon wieder so weit wäre. „Das ist die Wurzel aus Zeit. Das ist per Saldo – Gemütlichkeit.“ Danke, Gerhard! Am Sonntagabend mehr davon, wenn wir nicht einschlafen können.
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