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Pro und Contra: Ist Julian Nagelsmann der richtige Bundestrainer?

Frage der Woche

Ist Julian Nagelsmann der richtige Bundestrainer?

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    Julian Nagelsmann steht kurz vor seiner ersten Weltmeisterschaft als Bundestrainer.
    Julian Nagelsmann steht kurz vor seiner ersten Weltmeisterschaft als Bundestrainer. Foto: Federico Gambarini, dpa

    Pro: Der mutige Taktiker, der auch unangenehme Entscheidungen trifft

    Nagelsmann ist ein Trainer, der klare Vorstellungen hat, wie er Fußball spielen lassen möchte. Und das kommuniziert er auch klar. Er gilt als jemand, der viel mit den einzelnen Spielern redet, ihnen Dinge erklärt, um sie weiterzuentwickeln. Dass er das kann, hat er besonders bei seinen Stationen in Hoffenheim und Leipzig schon bewiesen. Phasenweise auch beim FC Bayern. Spieler wie beispielsweise Jamal Musiala machten unter dem gebürtigen Landsberger große Entwicklungssprünge bis hin zur Weltklasse.

    Er gilt fast schon als Taktik-Nerd, der sehr akribisch und detailversessen in seinen Analysen ist. Entgegen kommt ihm, dass die meisten Spieler, die er in den 26-köpfigen WM-Kader berufen hat, aus ihren Vereinen einen ähnlichen Spielstil kennen. Attraktiver Offensivfußball mit hohem Anlaufen des Gegners und konsequentem Gegenpressing bei Ballverlust. Bei der Heim-EM 2024 hat Nagelsmann schon gezeigt, dass er in der Lage ist, eine Mannschaft aufzustellen, die Freude am Fußball versprüht. Selbst bei der knappen Niederlage gegen den späteren Europameister Spanien war die DFB-Elf auf Augenhöhe.

    Der 38-Jährige ist ein Trainer, der seinen eigenen Weg geht, auch wenn er oft Gegenwind dafür erhält. Bei seinem Amtsantritt versprach er, wieder mehr nach Leistung zu nominieren und weniger nach Namen. Unabhängig des Alters. Und er hielt Wort. Über seine Art der Kommunikation kann man sicherlich diskutieren. Jüngstes Beispiel ist natürlich die Personalie Manuel Neuer. Wenn er aber als Trainer den Eindruck hat, dass die Mannschaft einen Führungsspieler wie Neuer braucht, dann muss er ihn auch mitnehmen. Das beweist Mut. Mut, der den Bundestrainern davor vielleicht gefehlt hat. (Philipp Holzhey)

    Contra: Der Misskommunikator, der aus seinen Ideen Debatten und Unruhe entstehen lässt

    An Julian Nagelsmanns Fußballverstand gibt es kaum Zweifel – an seiner Eignung als Bundestrainer aber sehr wohl. Er denkt den Fußball neu, verschiebt Spieler von links nach rechts, von oben nach unten, und findet taktisch brillante Lösungen. Nur ist die Taktik vor einer WM nicht die wichtigste Qualität eines Bundestrainers – sondern die Kommunikation und das Erschaffen einer Siegertruppe, die sich wohlfühlt.

    Nagelsmanns größtes Problem ist nicht, dass er zu wenig gute Ideen hat. Sein Problem ist, dass aus seinen Ideen heiß diskutierte Debatten werden. Die Kommunikation rund um Deniz Undav im Vorlauf auf die WM war dafür ein treffendes Beispiel. Der Bundestrainer kritisierte Undav völlig unnötig öffentlich und löste damit Unverständnis aus. Die Last-Minute-Rückkehr von Manuel Neuer als Nummer eins setzte dem Bild von Nagelsmann als Misskommunikator dann endgültig die Krone auf. Zwei ganze Jahre schien allen Beteiligten und dem ganzen Land klar, dass Neuer in der DFB-Elf ausgedient hatte. Mit einer guten WM-Qualifikation hatte sich Oliver Baumann unter Rückendeckung Nagelsmanns zur Nummer eins für die WM herauskristallisiert. Doch in letzter Sekunde brachte Nagelsmann den 40-jährigen, verletzungsanfälligen Neuer zurück.

    Auch Nominierungen wie Leroy Sané und Leon Goretzka werfen die Frage auf, ob Nagelsmann nicht eher mit persönlichen Präferenzen und Potenzialwunschdenken selektiert, als mit dem Blick auf die aktuelle sportliche Form und Konstanz der Spieler. Taktisch mag für Nagelsmann vieles davon erklärbar sein. Doch kommunikativ entsteht kurz vor der WM genau das, was eine Nationalmannschaft am wenigsten braucht: Unruhe – sowohl in der Mannschaft als auch im Land. (Paul Pfaffel)

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