In zweieinhalb Wochen wird es ernst für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Dann nämlich rollt der Ball bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Die DFB-Elf hat sich hohe Ziele gesteckt und auch die deutsche Öffentlichkeit erwartet erfahrungsgemäß Top-Leistungen von den Fußball-Profis. Bevor es in Nordamerika losgeht, kam das Team am Mittwoch zusammen – im bayerischen Herzogenaurach. Am sogenannten „Home Ground“ von Partner Adidas versammelte sich die Mannschaft bereits in der Vergangenheit immer wieder, um sich auf Turniere vorzubereiten. Wie ist die Stimmung im Team? Was will Bundestrainer Julian Nagelsmann der DFB-Elf so kurz vor dem Turnier noch mitgeben?
Antworten auf diese Fragen gaben Nagelsmann und DFB-Sportdirektor Rudi Völler am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz vor Ort in Herzogenaurach. Das waren die wichtigsten Aussagen:
Rudi Völler über die Gefühlslage vor der WM
Völler sagte, er sei „mit sehr guten, positiven Gefühlen nach Herzogenaurach zurückgekehrt“, er freue sich auf seine fünfte Weltmeisterschaft, welche er in insgesamt drei verschiedenen Positionen erlebt habe. Zudem verbinde ihn eine positive Erinnerung mit Chicago, wo die DFB-Elf ihr letztes Testspiel vor dem Turnier absolviert. Völler hatte bei der WM 1994 in der Stadt sein letztes Tor für die DFB-Elf als aktiver Spieler geschossen.
Dieses Mindset will Nagelsmann den DFB-Kickern mit auf den Weg geben
Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte, er wolle dem Team als Botschaft mitgeben, dass immer „die nächste Aufgabe, der nächste Schritt, das Entscheidende“ sei – „im Hier und Jetzt zu bleiben und sich auf Dinge zu konzentrieren, die man beeinflussen kann“.
Völler und Nagelsmann betonen Bedeutung von guter Stimmung im Team
Völler betonte, dass es bei der WM „innerbetrieblich stimmen muss“. Er bezog sich auf seine letzte WM-Teilnahme als Spieler, 1994, als es „in der Mannschaft nicht gestimmt“ und es „Ungereimtheiten“ gegeben habe. Man ziehe daraus für heute die Lehre, dass es gelte, „einen enormen Teamspirit oder Teamgeist zu fördern“, dass jeder mitgenommen werde. Nagelsmann unterstrich Völlers Worte. Es komme darauf an, „dass wir für die nächsten Wochen wie eine Familie sind, dass jeder am selben Strang zieht“. Jeder im Team, die Funktionäre und Trainer eingeschlossen, müsse „wie in einer gut funktionierenden Familie alles für den anderen geben“, erklärte der Bundestrainer. Mit guten Spielen wolle man zusätzlich entgegenwirken, dass es Anlass für negative Stimmung geben könnte.
Nagelsmann und Völler äußern sich zu Manuel Neuer
Angesprochen auf die überraschende Nominierung von Bayern-Torwart Manuel Neuer, der 2024 eigentlich seine Nationalmannschaftskarriere beendet hatte, sagte Nagelsmann: Er habe die Ankunft des Torhüters in Herzogenaurach positiv wahrgenommen. „Er kennt ja alle, ist kein Neuling, sondern ein Rückkehrer.“ Nagelsmann betonte: „Mit Manu sind wir besser als ohne Manu.“
Da der Torwart aktuell noch angeschlagen ist, erklärte Nagelsmann, dass das Trainerteam entschieden habe, dass Neuer beim Testspiel am Sonntag noch nicht spielen werde – stattdessen werde Oliver Baumann auflaufen, der bis zuletzt die Nummer 1 im DFB-Tor gewesen war, bei der WM nun aber auf der Bank Platz nehmen muss.
Völler warb um Verständnis für die Kommunikation rund um die Rückkehr von Neuer. Er erklärte, dass Nagelsmann bereits im März Kontakt zu Neuer und Baumann aufgenommen habe, eine finale Entscheidung aber noch nicht vorlag. „Kommunikativ hört sich das manchmal ein bisschen holprig an“, so Völler, da der Bundestrainer in manchen Interviews noch nichts zu der Personalie hätte sagen können.
So will Nagelsmann die Testspiele der DFB-Elf nutzen
Laut dem Bundestrainer gehe es bei den beiden kommenden Testspielen vor der WM darum, diese zu nutzen, um den „Rhythmus in der Gruppe zu finden“ – die Spieler, die bei den Partien auf dem Platz stünden, seien aber nicht zwangsläufig die erste Elf bei der WM.
Völler über die WM-Stimmung im Land
Etwas enttäuscht zeigte sich DFB-Sportdirektor Völler über die bisherige WM-Stimmung im Land, da man im September nur ein Spiel gegen die Slowakei verloren habe (0:2), zuvor allerdings sieben Partien gewonnen hatte und danach ebenfalls immer siegreich war. „Ich dachte schon, es kommt ein bisschen WM-Stimmung auf, aber wir haben auch noch ein bisschen Zeit“, so Völler. Er verstehe aber, dass man es – unter anderem mit der Kader-Nominierung – nicht allen recht machen könne. „Jetzt ist Zeit, dass wir nach vorne schauen und mit richtig guten Spielen WM-Stimmung erzeugen.“
So äußerte sich Völler zu den politischen Aspekten der WM
Anders als vor der WM in Katar werde es dieses Mal keinen Workshop für die Spieler zur politischen Situation geben, so der DFB-Sportdirektor. Über mögliche politische Äußerungen von Spielern sagte er: „Bei uns gibt‘s keine Maulkörbe“, betonte dabei aber: „Wir sind da, um eine Weltmeisterschaft zu spielen, wir sind Fußballer – und am Ende geht‘s dann auch nur um Fußball.“
Gibt es eine Zielvorgabe für die WM?
Zu einer möglichen sportlichen Zielvorgabe bei der WM sagte Völler: „Wir gehören jetzt nicht zu den absoluten Topfavoriten. Aber ich bin absolut überzeugt: Es wird schwer, gegen uns zu bestehen.“ Auf eine Platzierung oder eine Runde, die die DFB-Elf erreichen müsste, um von einer erfolgreichen WM sprechen zu können, wollte sich der Funktionär nicht festlegen, sagte aber: „Wir wollen natürlich so weit kommen, wie es geht.“
Die DFB-Elf startet mit ihrem Zusammenkommen den Countdown zur WM. Nachdem das Trainingslager gestartet wurde, trifft die Nationalmannschaft in einem Vorbereitungsspiel am Sonntag in Mainz auf Finnland (20.45 Uhr, ZDF). Am kommenden Dienstag fliegt das Team dann in die USA – nach Chicago. Dort trifft Nagelsmanns Elf am Samstag, 6. Juni, zu einem letzten Testkick auf WM-Gastgeber USA (20.30 Uhr, RTL).
Wie der DFB mitteilt, bezieht die deutsche Nationalmannschaft dann ihr WM-Quartier in Winston-Salem im südöstlichen US-Bundesstaat North Carolina. Die WM startet am 11. Juni, Deutschland greift drei Tage später, am 14. Juni, in das Geschehen ein. Beim ersten von drei Gruppenspielen trifft die Mannschaft auf Curacao.
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