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Schutz oder Kontrolle: Sollten Eltern ihre Kinder tracken?

Technik

„Mit der App wird nicht das Kind getrackt, nur eine der vielen Sorgen kontrolliert“

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    Das Kind kann mit der Smartwatch meist auch anrufen. Für Eltern stehen aber in der Regel Ortung und SOS-Funktion im Vordergrund.
    Das Kind kann mit der Smartwatch meist auch anrufen. Für Eltern stehen aber in der Regel Ortung und SOS-Funktion im Vordergrund. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

    Pro: Mithilfe der Track-App hat man eine Sorge weniger

    Wer Kinder hat, macht sich Sorgen. Meistens mehr, als unbedingt notwendig. Erziehe ich mein Kind richtig? Ist mein Kind selbstständig genug? Schmeckt ihm die Brotzeit? Ist die Klavierlehrerin nicht zu streng? Wird es gemobbt? Es ist aber doch viel zu lang am Handy, oder? Ist es normal, dass der Boden mit Kleidung, Müslischüsseln und Schulheften bedeckt ist? Sorgen gehören dazu. Sie machen das Leben nicht lebenswerter. Es ist nur vernünftig, sich der Sorgen zu entledigen.

    Mit GPS-Trackern wie diesem können Eltern ihre Kinder orten.
    Mit GPS-Trackern wie diesem können Eltern ihre Kinder orten. Foto: Lino Mirgeler (dpa)

    Das ist leicht, wenn es um das Pausenbrot geht. Notfalls drei Euro mitgeben, soll sich Tochter oder Sohn doch was Leckeres am Kiosk holen. Wenn es darum geht, dass das Kind bereits seit einer Stunde hätte zu Hause sein sollen, ist es nicht so leicht. Beziehungsweise: War es nicht so leicht. Früher haben Eltern Telefonlisten abtelefoniert oder mussten hoffen, dass die Kinder einen spontanen Ausflug ins Freibad gemacht haben und vergessen haben, Bescheid zu geben. Heute reicht ein Blick auf das eigene Handy, um auf der App zu sehen, wo sich das Handy des Kindes (und hoffentlich auch das Kind) befindet. Beruhigend, wenn die Zehnjährige bei einer Freundin ist oder beim Schreibwarenladen neue Stifte kauft.

    Und wenn der 16-Jährige nicht wie abgesprochen um 2 Uhr zu Hause ist, schadet ein Blick auf die App auch nicht. Vielleicht, nur ganz vielleicht, liegt er alkoholisiert im Straßengraben. Wahrscheinlich aber ist er bei McDonald's. Ein Blick: Beruhigung. Mit der App wird nicht das Kind kontrolliert – schließlich lässt es sich nicht mittels der App nach Hause lotsen. Durch das Tracken der Kinder wird nur eine der zahlreichen Sorgen kontrolliert. Es bleiben genügend andere, für die es noch keine Apps gibt. (Tilmann Mehl)

    Contra: Tracker senden vor allem eine Botschaft: Misstrauen in die Welt und das Kind

    GPS-Tracker sind eine feine Sache, sie ersparen einem die ewige Suche nach dem Autoschlüssel, dem Geldbeutel oder dem gestohlenen Fahrrad. Wenn der Koffer nicht auf dem Gepäckband liegt, weiß man zumindest, dass er gerade auf die Malediven fliegt. Ach, und wo ist eigentlich die Katze? Mal wieder ausgebüxt, aber mit Tracker am Halsband schnell aufgespürt.

    Für Alltagsgegenstände und Haustiere mögen Tracker sinnvoll sein, aber das eigene Kind damit zu orten, ist übergriffig und unnütz. Wovor sollen die Geräte schützen? Wohl eher die Eltern vor ihren eigenen Sorgen als die Kinder vor ernsthaften Gefahren. Ein GPS-Sender am Schulranzen oder eine Smartwatch mit Notfallknopf sendet vor allem eine Botschaft: Misstrauen, in die Welt und das Kind. Dabei sollten Eltern doch Sicherheit und Vertrauen vermitteln.

    Tracker-Uhren: Sinnvoll oder übergriffig?
    Tracker-Uhren: Sinnvoll oder übergriffig? Foto: Av-test-institut

    Statt sich auf die Technik zu verlassen und das Kind auf Schritt und Tritt zu verfolgen, sollten Eltern lieber über Risiken sprechen, einen Notfallplan aufstellen, falls doch mal etwas Unvorhergesehenes passiert und klare Absprachen vereinbaren. Damit zeigen sie, dass sie ihren Kindern etwas zutrauen und ihnen vertrauen.

    Wie sollen sie eine selbstständige Persönlichkeit entwickeln, sich frei und sicher fühlen, wenn sie den Schulweg nie alleine meistern oder sich mit Freunden treffen ohne das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen? Am besten schützt man Kinder, in dem man sie stärkt. Tracker helfen da wenig, überhaupt sind die Geräte störanfällig. Kein Empfang, Akku leer, Rucksack mit Tracker im Bus vergessen, schon bricht Panik aus. Sie versprechen Sicherheit, schüren aber nur Unsicherheit und halten Eltern in ständiger Alarmbereitschaft. (Felicitas Lachmayr)

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