Pro: Gemeinsam ist man stärker und motivierter
Was für eine fiese Aktion! Der Partner, die Partnerin ist hungrig, womöglich schlecht gelaunt – und man selbst beißt genussvoll in eine Leberkäs-Semmel? Irgendwie grausam … Natürlich lässt man den Partner nicht alleine an seinem Vorsatz und am trockenen Knäckebrot nagen - und fastet mit ihm mit.
Besser ist es doch, beide sind schlecht gelaunt, beide sind hungrig und beide kämpfen gegen süße Torten-Träume an. Gemeinsam ist man im besten Fall stärker und auch motivierter. Und nicht zuletzt hat man, wenn man die Erfahrung teilt, mehr Verständnis für seinen Partner oder die Partnerin, eben weil man selbst auch am Durchhaltevermögen zu knabbern hat - und gerade nur sehr ungern auf die Chips beim Spieleabend verzichtet. Wird gemeinsam gefastet, ist die Hürde jedenfalls höher, heimlich in die Speisekammer zu schleichen und ... Sie wissen schon.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist es ja alles andere als verkehrt, sich ein wenig zurückzunehmen, mal mit eingefahrenen Gewohnheiten zu brechen, sich auf Neues einzulassen - auch wenn es vielleicht nicht die eigene Idee war. Also warum nicht einen Impuls aufnehmen - und eine Zeit lang auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol oder was auch immer dem Partner zuliebe verzichten? Einen Versuch ist es zumindest wert.
Im Zweifelsfall ist es jedenfalls viel besser, gemeinsam ein Projekt zu bewältigen. Lieber dem Partner zur Seite stehen, als sehnsuchtsvolle Blicke zu ertragen. Da bekommt doch die beste Nudelpfanne einen faden Beigeschmack. Dann besser so: Gemeinsam durchhalten und irgendwann ein feines Küchenfest miteinander feiern. Juhu, wir haben es geschafft! Zwei Kilo leichter, her mit der Pizza … (Doris Wegner)
Contra: Fasten ist eine Sache zwischen dem Schokoriegel und einem selbst
Es gibt einen Brauer aus Cincinnati in Ohio, der vor Jahren mit seiner Bierdiät Schlagzeilen machte. Während der Fastenzeit verzichtete er auf fast alles, bis auf seine vier Gläser Bier täglich. Bis zu zwanzig Kilo verlor er im Schnitt während der sechs Wochen, zehn kamen dann meist wieder drauf. Auf Bildern sieht man: Er ist noch immer ein stattlicher Mann! Hat seine Frau da mitgemacht? Hoffentlich nicht, weil um Himmels willen, vier Glas Bier auf nüchternen Magen, nicht jeder hat eine Statur wie ein Brauer oder bayerischer Mönch.
Warum hier diese Geschichte? Weil damit doch schon alles gesagt ist. Die Sache mit dem Fasten muss jeder schon mit sich selbst ausmachen. Da braucht es niemanden sonst. Das ist eine Sache zwischen den Chips, dem Glas Wein, dem Schokoriegel und einem selbst. Aber eher nicht die Sache des Partners, denn: Der darbt doch ganz anders, dem fällt der gleiche Verzicht vielleicht leichter oder auch viel schwerer. Schon hört man da natürlich die Gegenrede: Ist doch rührend, ist doch ein Liebesbeweis, gemeinsam geht es leichter, We-Time in der Fastenzeit, hach! Und wäre das nicht fies, wenn zum Beispiel die Frau des Bierbrauers sich jeden Abend einen riesigen Teller Spaghetti aufladen würde, danach noch ein bisschen Knabberzeug, während Del, so heißt der Mann, leerkauend vor seinem flüssig Brot sitzt? Nein!
Lieber eine gut gelaunte, satte Partnerin, als eine schlecht gelaunte, hungrige! Und dann ist ja auch bei Paaren immer die Gefahr, dass der eine schwach wird, heimlich am Müsliriegel knabbert, am Eierlikör nippt, irgendwann gesteht, den anderen mitreißt: Aach, komm, wir lassen es sein! Und schon geht es dahin … Deswegen alleine fasten, stark fühlen, nicht viel Gedöns drum machen – und dann ordentlicher Applaus vom Partner nach sechs Wochen. (Stefanie Wirsching)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren