Tatsächlich... Liebe (2003)
Darum geht es: Karen (Emma Thompson) entdeckt in der Manteltasche ihres Ehemanns Harry (Alan Rickman) eine Schatulle samt Halskette. In dreizehn Ehejahren das erste romantische Weihnachtsgeschenk. Einzig – die Kette ist nicht für Karen gedacht, sondern für Harrys junge Arbeitskollegin. Mit Szenen wie dieser gehört die britische Herzschmerzkomödie „Tatsächlich... Liebe“ für viele zum vorweihnachtlichen Programm. In mehreren Episoden erzählt der Film lustig bis rührend von den romantischen Strapazen einer Gruppe unglücklich Verliebter in London.
Grundkonflikte: Unehrlichkeit, grenzüberschreitendes Verhalten, versteckte Sehnsüchte
Schlüsselszene: Ein Film, neun Geschichten, viele Schlüsselszenen also. Hier zwei davon.
Erste Szene: Als Karen von ihrem Mann eine CD und nicht die Halskette geschenkt bekommt, dämmert ihr, dass er einer anderen Frau Avancen macht und konfrontiert ihn damit.
Das sagt die Therapeutin: „Harry schafft es nicht, seiner Frau Karen ein Geschenk zu machen“, sagt Paartherapeutin Cora Hansen. „Er hat sie nie angeschaut und sich überlegt: ‚Worüber würde sie sich freuen?‘“ Geschenke – in vielen Familien und Partnerschaften ein haariges Thema. Viele treffen die Übereinkunft: Wir schenken uns dieses Jahr nichts. Geschenke aber seien ein Zeichen der Wertschätzung, denn sie signalisieren: Zwei Menschen bemühen sich umeinander. Darum werden sie an den Feiertagen oft auch zum Streitpunkt. Wenn sich der Beschenkte nicht verstanden fühlt und – wie bei Karen und Harry – nicht das erhoffte Geschenk unter dem Weihnachtsbaum liegt.
Karen spricht das Problem offen an. „Sie macht sich damit sehr verletzlich“, sagt Hansen. Aus therapeutischer Sicht ist das erst mal gut – allerdings mit Vorbehalt. „Wenn wir uns verletzlich machen, sind wir auf eine empathische Antwort angewiesen“, sagt Hansen. Das Weihnachtsfest mit der Familie sei nicht bei allen der geeignete Ort. „An Weihnachten fühlen wir uns schnell angegriffen und lassen uns nicht unser Herz berühren.“ Im Film reagiert Harry empathisch, denn: „Karen greift ihn nicht an. Sie ist nicht offensiv, sondern weich in Mimik und Gestik“, sagt Hansen. Die Szene lehrt: Der Ton macht die Musik, auch wenn man den Ehemann dabei erwischt, wie er einer anderen Frau schöne Augen macht.
Zweite Szene: Mark (Andrew Lincoln) steht an Heiligabend als Sternsinger vor der Tür seines besten Freundes Peter (Chiwetel Ejiofor) und gesteht dessen Ehefrau Juliet (Keira Knightley) seine Liebe.
Das sagt die Therapeutin: „Es ist okay, sich zu verlieben“, sagt Hansen. „Es kann auch jedem passieren, sich in die Frau des besten Freundes zu verlieben.“ Marks grenzüberschreitendes Verhalten allerdings zeichne sich schon früher ab. Bei Juliets und Peters Hochzeit organisiert er nach dem Jawort einen Flashmob und sorgt damit für Verwirrung, die Aktion war nicht abgesprochen. Die Paartherapeutin sagt: „Besser wäre es gewesen, er hätte vorher mit seinem Freund gesprochen. Er hätte zum Beispiel sagen können: ‘Hey, ich habe da eine super Idee für deine Hochzeit.’ So aber hat er sich an der Hochzeit seines besten Freundes in den Mittelpunkt geschoben.“
Bei der Sache mit Marks Liebeserklärung an die Partnerin seines besten Freundes komme es laut Hansen auf dessen moralischen Kompass an. „Ist es in Ordnung, wenn man in jemanden verliebt ist, der vergeben ist? Ist es in Ordnung für jemanden zu kämpfen und sein Begehren zu zeigen?“ Eine individuelle Entscheidung, sagt Hansen. Sie wundert sich jedoch, dass diese Szene „in unserer Gesellschaft anscheinend als ‘non plus ultra-romantisch’ gilt“.
Fazit fürs eigene Fest: Vom liebeskranken elfjährigen Sam bis zum britischen Premierminister (Hugh Grant), der sich in seine Sekretärin verliebt (siehe Titelbild): Alle eint das menschliche Bedürfnis nach Verbindung. „Von der Wiege bis zur Bahre sind wir auf Verbindung angewiesen“, sagt Hansen. „Wir brauchen Menschen, die es gut mit uns meinen. Welche, die sich um uns kümmern.“ In den allerersten Sekunden des Films, bevor sich die Schicksale der Protagonistinnen und Protagonisten entfalten, gleitet die Kamera über die Empfangshalle des Londoner Flughafens. Zwei betagte Damen drücken sich beherzt, ein Mädchen lacht, ein Mann küsst einer Frau in inniger Umarmung knapp neben das Ohr. „Wer darauf achtet, wird feststellen, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist“, sagt eine Stimme aus dem Off.
Sendetermin: Montag, 23. Dezember, 22.25 Uhr bei VOX
Der kleine Lord (1980)
Darum geht‘s: Eines Tages bekommt der Kleine Cedric (Ricky Schroder) außergewöhnlichen Besuch. Von einem Anwalt erfährt Cedric, dass er blaues Blut hat und seinen Großvater, den englischen Earl of Dorincourt (Alec Guinness) beerben soll, der nun seine Erziehung übernehmen möchte, um eine standesgemäße Nachfolge sicherzustellen. Der Achtjährige wächst in der verlotterten Hester Street in New York auf. Sein Vater, der jüngste Sohn des Earls, ist tot, seine Mutter (Connie Booth) kümmert sich liebevoll um das Kind. Weil sie der Zukunft ihres Sohnes nicht im Weg stehen möchte, willigt sie ein, mit ihrem Sohn nach England zu gehen, die angebotene Apanage lehnt sie ab. Sie möchte ihre Unabhängigkeit bewahren. Der Earl, verbittert, hartherzig, von Dünkeln geprägt, möchte nichts mit Cedrics Mutter zu tun haben und empfängt auch seinen Enkel sehr reserviert. Doch nach und nach weicht das unbekümmerte, gutherzige Kind, die Härte des Alten auf, der seine Fehler erkennt. Am Schluss feiert der Earl nicht mit der engsten Familie, sondern mit allen Angestellten des Schlosses und dem ganzen Dorf ein ausgelassenes, versöhnliches Weihnachtsfest.
Grundkonflikt: Standesdünkel, Verbitterung
Das ist die Schlüsselszene: Der Ritt von Großvater und Enkel durch das Elend der Earl‘s Lane, in der die Leibeigenen des Earls ein trauriges Dasein fristen. Seit Jahrzehnten verwahrlosen die Häuser, durch die Straße fließt eine Kloake, viele der Bewohner sind krank. Der Großvater erkennt an der Seite seines Enkels sein sträfliches Versäumnis, seine Scham wird noch größer, als er erfährt, dass Cedrics Mutter hier den Bedürftigen mit großer Tatkraft hilft. Der Earl von Dorincourt beschließt umgehend Earl‘s Lane auf Vordermann zu bringen.
Das sagt die Expertin: In diesem Moment ist „er ist aus seiner Verblendung erwacht und hat Verantwortung übernommen“, so Heike Kotzschmar-Krumm. Der misanthropische Schlossherr entwickelt sich aus der Situation heraus zum Guten hin. Über den Film „Der kleine Lord“ könne man stundenlang sprechen. Beeindruckend sei vor allem die Figur von Cedric‘s Mutter, die ihr Kind bedingungslos liebe und es sehr werteorientiert erzieht. „Sie verkörpert alles, was unsere christlichen Werte ausmacht.“ Fast engelsgleich auch der Sohn, der seinen Großvater ohne jegliche Vorbehalte liebe. „Kinder, die mit Liebe, Sicherheit und Freiheit erzogen werden, sind so: bedingungslos offen und positiv“, sagt die Heilpraktikerin für Psychotherapie und Coachin für Resilienzentwicklung. Im Film werde der Großvater sozusagen aufgeladen mit Liebe durch den Enkel. Diese vielen kleinen positiven Momente verändern den verknöcherten, geizigen Alten, der seine hartherzige Lebenseinstellung immer mehr aufgibt.
Wie wahrscheinlich ist eine solche menschliche Veränderung im echten Leben? In den Therapiegesprächen erlebe ich tiefergehende Veränderung, wenn Menschen anfangen, „Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln“ und sich bewusster mit ihren Themen auseinandersetzen. Damit kann man sich auf den Weg des Vergebens machen, weil man es zu einem früheren Zeitpunkt vielleicht nicht besser wusste und konnte. Auch der Earl musste erkennen, dass seine Vorurteile gegenüber den Menschen nicht stimmten. In der heruntergekommenen Earl‘s Lane hatten die Bewohner schlichtweg nicht die Möglichkeit, gut zu wirtschaften und baten deshalb um Geld. „Man muss sich in die Wahrnehmungswelt des anderen begeben, um zu sehen, was da los ist“, sagt die Psychotherapeutin (HPP). Der Earl hat dies bei seinem Ausritt mit Cedric getan. Spät erkennt er, dass sein Lebenscredo ihn betrogen hat. „Herzöffnung ist möglich“, sagt Heike Kotzschmar-Krumm. Der Earl dürfe dies wenigstens im Alter erfahren. Die Ursprungsverletzungen passieren meist in der Kindheit. Deswegen seien Eltern auch so wichtig. Eine der großen Botschaften der Geschichte sei: Erzieht eure Kinder mit Liebe und Haltung.
Fazit fürs eigene Fest: Jeder kann jeden Tag kleine Dinge verändern und die Welt ein wenig freundlicher machen. „Zwischen der Realität und diesem Weihnachtsfilm steht eigentlich nur eine Entscheidung“.
Single Bells (1997)
Darum geht‘s: Kathi (Martina Gedeck) ist 35, beruflich erfolgreich und will vom traditionellen Familienmodell nichts wissen – bis eine Kollegin mit Baby ins Büro kommt. Da sehnt sie sich doch nach einem Kind und will ihren Freund Jonas (Gregor Bloéb) heiraten, aber der weigert sich. Statt mit ihm nach Mauritius zu fliegen, fährt Kathi zu ihrer Schwester Luise (Mona Seefried). Aber das Fest der Liebe endet im familiären Kleinkrieg, es wird gestritten bis der Christbaum brennt. Idyllisch ist in dem schwarzhumorigen Anti-Weihnachtsfilm nur das verschneite Dorf in Österreich.
Grundkonflikte: Nähe und Distanz zu den Eltern, übergriffige Schwiegermutter, unausgesprochene Bedürfnisse
Schlüsselszene: Luise steht mit ihrem Mann Johannes (Erwin Steinhauer) im Schuppen, da gesteht er ihr, dass er Weihnachten am liebsten weit weg vom Familientrubel feiern würde. „Was, das sagst du mir erst jetzt?“, fragt Luise überrascht. Ihr liege auch nichts daran, sie mache das nur für die Familie.
Das sagt die Therapeutin: „Die Schlüsselszene zeigt, dass sich jeder etwas vormacht und meint, den vermeintlichen Vorstellungen des anderen gerecht werden zu müssen, obwohl es nicht den eigenen Wünschen entspricht“, sagt Christine Ordnung, Leiterin des Deutsch-Dänischen Instituts für Familientherapie und Beratung. Der Vegetarier-Sohn will die Gans nicht essen, die Schwiegermutter Omama (Inge Konradi) meckert über den schiefen Christbaum, Luise fühlt sich von ihrem Mann übergangen. „Jeder fühlt sich als Opfer und ist gleichzeitig Täter“, sagt Ordnung. Die Konflikte rund um Nähe und Distanz zu den Eltern würden wunderbar durchgespielt. „Johannes ist ein Waschlappen seiner Mutter gegenüber, er gibt immer wieder nach, anstatt sich abzugrenzen“, sagt Ordnung. „Außerdem tarnt er unangenehme Mitteilungen als positive Überraschung.“ Keine gute Strategie, um den Frieden zu wahren.
„Weihnachten kann ein Auslöser sein, um über das eigene Leben zu reflektieren“, sagt Familientherapeutin Christine Ordnung. „Aber es ist der schlechteste Zeitpunkt, um den Partner oder die Familie mit radikalen Änderungen zu konfrontieren, denn man kann sich sicher sein, dass man jemanden vor den Kopf stößt.“ Schlechtes Timing also, als Kathi ihren Freund mit dem Kinderwunsch überrumpelt. Dass ihre Hoffnung auf ein friedliches Fest bei ihrer Schwester genauso wenig erfüllt werden – überraschend oder absehbar? „Viele suchen an Weihnachten das Glück in Reinform, die Familie soll harmonisch vereint sein“, sagt Ordnung. „Der Film bricht mit dem Ideal, denn Konflikte, die vorher da sind, verschwinden nicht einfach, sondern brechen sich im schlimmsten Fall Bahn.“
Fazit fürs eigene Fest: Vorher über individuelle Bedürfnisse sprechen, dann können sich alle darauf einstellen und leichter Kompromisse eingehen. Außerdem wichtig: Überraschungen vermeiden. Als die Mutter von Kathi und Luise unangemeldet vor der Tür steht, ist das Chaos perfekt. „Sich selbst als Überraschung zu schenken, birgt ein großes Risiko“, sagt Ordnung. „In unserem Kulturkreis ist Weihnachten ein abgegrenztes Familienfest. Jeder hat genaue Vorstellungen, wie es ablaufen soll, spontane Besuche bringen die Ordnung durcheinander.“ Am Ende steht der Christbaum in Flammen steht und Kathi flüchtet zum Flughafen. Das fehlende Happy End hält die Therapeutin für gelungen. „Es erinnert uns daran, die Erwartungen an Weihnachten nicht ganz so hoch zu hängen.“
Kevin allein zu Haus (1990)
Darum geht‘s: Familie McCallister will über die Feiertage nach Paris fliegen, doch vor der Abreise streiten sich der achtjährige Kevin (Macaulay Culkin) und sein großer Bruder (Devin Ratray). Am Abreisetag verschläft die Familie und Kevin wird in der Hektik vergessen. Der Junge wacht allein zu Hause auf und freut sich darüber - bis zwei Banditen ins Haus einbrechen. Doch Kevin weiß sich zu verteidigen.
Grundkonflikte: Fehlende Anerkennung, Wunsch nach mehr Autonomie, mangelnde Empathie
Schlüsselszene: Nach dem Streit mit seinem Bruder muss Kevin zur Strafe auf dem Dachboden übernachten. Er fühlt sich ungerecht behandelt, trotzdem entschuldigt er sich bei seiner Mutter (Catherine O’Hara), doch sie bleibt hart. Daraufhin beschimpft er sie und wünscht sich, seine Familie nie mehr wiederzusehen.
Das sagt die Psychologin: „Kevin wird von fast jedem aus seiner Familie abgewiesen und als Nervensäge angesehen“, sagt Familientherapeutin Daniela Kraus. Selbst als er seine Familie beim Kofferpacken um Hilfe bittet, wird der Achtjährige abgekanzelt. Auch als ihn seine Mutter auf den Dachboden schickt, findet kein wertvoller Dialog statt, obwohl er ihr seine Gefühle mitteilt. Anstatt auf ihn einzugehen, reagiert sie mit einem ironischen Kommentar. „Die Familienmitglieder sollten mehr aufeinander eingehen und die Kommunikation verbessern“, sagt Kraus. Sich wahrzunehmen und auf geäußerte Ängste und Gefühle zu achten sei wichtig, denn es hilft, das Gegenüber besser zu verstehen und sich selbst zu reflektieren. Und nicht immer stimmt das Bild, das man von jemandem hat, mit der Realität überein. Kevin wird als Sorgenkind angesehen, als „der Kleine“, der nichts kann. Als er alleine zu Hause gelassen wird, zeigt sich, dass er kognitiv fit und unwahrscheinlich mutig ist für sein Alter. Er stemmt den Haushalt, kauft einen Weihnachtsbaum und schützt das Haus vor Einbrechern. Er besiegt sogar seine Ängste und gibt dem unheimlichen Nachbarn psychologisch wertvolle Tipps. Kurz: Der Junge wird von seiner Familie unterschätzt.
Fazit fürs eigene Fest: Klare Absprachen im Vorfeld treffen und Themen meiden, von denen man weiß, dass sie Konfliktpotenzial haben. Außerdem: Entschleunigen und Empathie für das Gegenüber aufbringen, rät die Therapeutin. „Am besten fokussiert man sich auf das Positive und versucht, die Verschiedenartigkeit der Familienmitglieder zu akzeptieren.“ Oft muss etwas Schlimmes passieren, damit sich der Fokus verändert. Aus dem Leidensdruck folgt dann die große Einsicht, Empathie und Reflexion. „Auch durch Abstand zueinander kommt man oftmals zur Besinnung, kann sich besser reflektieren und sich empathischer seinem Gegenüber zeigen“, sagt Kraus. „Der Film zeigt, dass die Gefühle für die Familie ziemlich kompliziert sind und auch sein dürfen. Im System Familie ist es oft so, dass etwas im Innern gefühlt wird, es aber so nicht ausgedrückt werden kann“, sagt Kraus. „Auch wird die Wertschätzung und das Loben oftmals vergessen, da man ja sowieso eine Familie ist und die anderen wissen müssen, dass man sich deshalb gern hat.“ Aber nichts ist selbstverständlich, also auch mal Komplimente machen und die Liebe zueinander offen aussprechen.
Sendetermin: Dienstag, 24. Dezember, 20.15 Uhr auf Sat.1
Familie Bundschuh im Weihnachtschaos (2020)
Darum geht es: Gundula Bundschuh (Andrea Sawatzki) wünscht sich Harmonie und Frieden fürs Weihnachtsfest. Stattdessen landet der ganze Clan am Weihnachtsabend auf der Polizeiwache. Was die Harmonie unter anderem stört: Zum Beispiel Oma Susanne (Judy Winter), die nach einer Sprunggelenkfraktur zu Hause von Gundula gepflegt werden will. Dass sie pleite ist, hat sie ihrer Familie verschwiegen. Um ihr aus der finanziellen Notlage zu helfen, erwägt Vater Gerald (Axel Milberg) die Ausbildungsrücklagen der Kinder zu plündern. Der Spielfilm zählt zu der Familie-Bundschuh-Reihe.
Grundkonflikte: Fehlende offene Kommunikation, Deko-Wahn, finanzielle Sorgen, Loyalitätskonflikte, Seitensprung.
Schlüsselszene: Am vierten Advent sitzt die Familie gemeinsam beim Fondue-Essen. Nun kommt aber wirklich alles auf den Tisch, als Tochter Ricarda ankündigt, ein Auslandssemester in Helsinki absolvieren zu wollen. Von welchem Geld aber nun? Und warum springt die wohlhabende andere Großmutter nicht ein? Es kommt zum Knall.
Das sagt die Therapeutin: Ein erst einmal nett anzusehender Film, in dem aber viel wichtige Themen verarbeitet sind – so das Urteil von Sabine Fuhry, Familientherapeutin aus Fellbach. Das Problem bei den Bundschuhs wie bei vielen Familien: Dass, ungeachtet aller existierender Konflikte und Probleme, die Illusion vom perfekten Weihnachtsfest aufrechterhalten werden soll. „Alle wollen es schön haben, auch der Mutter und ihrer Harmoniesuche zuliebe, was darf aber dann angesprochen werden? Das ist eine Belastung für alle.“ Typisch ist für Fuhry daher auch, warum es zur – im Film natürlich satirisch überzeichneten – Eskalation beim Adventsessen kommt: „Da sitzen nämlich Menschen, die sich im Alltag grundsätzlich aus dem Weg gehen können, plötzlich am Tisch ganz eng beieinander mit all ihren Befindlichkeiten und können nicht mehr einander ausweichen. Als die Tochter dann ein Problem anspricht, platzt alles auf.“ Dass es dennoch zum Happy-End kommt, liegt für Fuhry daran, dass sich bei den Bundschuhs doch ein großer Familienzusammenhalt zeigt. „Das gefällt mir, die Flexibilität, mit der alle wieder aufeinander zugehen.“
Fazit fürs eigene Fest: Druck rausnehmen. Themen, die heikel werden könnten, schon vor dem Weihnachtsfest ansprechen und klären, sagt Sabine Fuhry, so selbstverständlich das auch klinge: „Das ist ja etwas, das man das ganze Jahr machen sollte.“ Worauf man ebenfalls achten solle: Wer fühlt welche Belastung, wer hat welche Bedürfnisse und sind die erfüllt? „Natürlich kann man nicht sofort allen Bedürfnissen gerecht werden, aber sie wahrzunehmen und im Blick zu behalten, zeugt von Wertschätzung aller Familienmitglieder.“ Gerade beim Weihnachtsfest halte man an Ritualen fest, auch wenn die vielleicht längst nicht mehr zur veränderten Familiensituation passen, sagt Sabine Fuhry: „Aber Weihnachtsrituale sind ja nicht unumstößlich, sondern können, zum Beispiel, wenn die Kinder älter werden, auch immer mal wieder angepasst werden“.
Dieser Artikel stammt aus dem Archiv, aber wir wollten Ihnen die Lektüre noch einmal ans Herz legen. Zuerst wurde er am 14.12.2024 veröffentlicht.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren