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Robert Seethaler schreibt Bestseller und begeistert Millionenpublikum

Porträt

Robert Seethaler schreibt für die Stille — und landet auf Platz 1

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    Der Schriftsteller Robert Seethaler schreibt Bestseller.
    Der Schriftsteller Robert Seethaler schreibt Bestseller. Foto: Urban Zintel/Ullstein, dpa

    „Du sitzt da zu Hause und drückst dir Tropfen für Tropfen die Worte aus dem Herzen.“ So beschreibt Robert Seethaler sein Schreiben. Und dieser Mann landet dann auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

    Es ist ein Widerspruch, der sich bei Seethaler nicht auflöst, sondern trägt. Der 59-jährige Österreicher, der zwischen Wien und Berlin-Kreuzberg lebt, hat mit „Die Straße“ gerade seinen nächsten Roman veröffentlicht – und das Publikum folgt ihm wieder, wie es ihm seit Jahren folgt. Verlässlich, massenhaft, ohne dass er dafür den Lärm macht, den der Literaturbetrieb sonst so gerne produziert.

    Robert Seethaler füllt das Wiener Burgtheater zur Buchpremiere

    Interviews gibt er selten. Als er zur Buchpremiere das Wiener Burgtheater füllte und in Berlin mehr als tausend Besucher in eine Lesung kamen, sagte er hinterher: „Wenn man so eine riesige Bühne betritt, ist das schon ein kleines Erschrecken. Das Unpersönliche einer solchen Menge, die Dunkelheit hinterm Scheinwerferlicht schützen allerdings auch ein bisschen.“ Doch gleich danach lenkte er das Gespräch zurück zum Buch.

    Das ist seine Bewegung: weg von der Person, rein ins Werk. Und das Werk hat eine Logik, die seit „Der Trafikant“ (2012) entwickelt wird. Seethalers Romane erzählen vom kleinen Leben unter großen Verhältnissen – ein Seilbahnarbeiter in den Alpen, ein Wiener Café-Stammtisch in der Nachkriegszeit, jetzt eine fiktive Stadtstraße, deren Bewohner ein Jahr lang beobachtet werden. Kein Hauptheld, keine Handlung im klassischen Sinn. Stattdessen: Mosaik. Stimmen. Momente. „Die Straße baut sich Stein für Stein beim Schreiben und beim Lesen“, sagt er. Der Leser muss mitarbeiten.

    Seethaler-Roman erreicht Millionenpublikum

    Dass das funktioniert – und zwar bei einem Millionenpublikum –, ist das eigentliche Rätsel. „Der Trafikant“ überschritt 2021 die Marke von einer Million verkauften Exemplaren und hielt sich nach seinem Erscheinen jahrelang in den Bestsellerlisten. „Ein ganzes Leben“ wurde in über 40 Sprachen übersetzt, stand auf der Shortlist für den International Booker Prize. Kein Seethaler-Roman ist ein Sequel. Es gibt keine Serienlogik, keine Markenstrategie – und doch folgen ihm die Leserinnen und Leser mit jedem neuen Stoff.

    Was ihn treibt, hat er einmal mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Die Grundstimmung meines Lebens ist die Sehnsucht nach Stille. Das Schreiben ist für mich, als würde ich dem Schweigen Worte abringen.“ Tropfen für Tropfen. Und dann tausend Menschen im Dunkel.

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