Ein neues Römermuseum für die Stadt Augsburg nimmt nach jahrelangen Debatten um Finanzierung und Standort nun Gestalt an. Stimmt der Stadtrat am 11. Dezember zu, wird Augsburgs römische Vergangenheit ab Anfang der 2030er-Jahre in einem neuen Museum auf dem Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt im Domviertel präsentiert werden.
Das römische Erbe Augsburgs sucht ein neues Zuhause
Statuen, Schmuck, Werkzeuge, Gefäße, Münzen und mehr – ein wertvoller Schatz aus der römischen Vergangenheit Augsburgs hat sich über die Jahrzehnte angesammelt. Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands und war eine der bedeutendsten Siedlungen der Römer nördlich der Alpen. Der Name erinnert an Kaiser Augustus, der die Stadt gegründet haben soll. Das damalige „Augusta Vindelicorum“ wurde später zur Hauptstadt der Provinz Raetien.
Doch wer sich aktuell in Augsburg auf die Spuren der über 2000-jährigen Geschichte begeben will, muss in Kisten wühlen. „Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten“ heißt die Ausstellung, die in der Toskanischen Säulenhalle zu sehen ist. Es ist ein Provisorium, das die wegen Baumängeln 2012 geschlossene Dominikanerkirche, in der das Römische Museum ursprünglich beheimatet war, vorläufig ersetzen sollte. Die Bedeutung der römischen Geschichte konnte diese Ausstellung nur unzureichend würdigen.
Der Freistaat Bayern beteiligt sich an den Investitionskosten
Auch der vor einigen Jahren bei Bauarbeiten im Stadtteil Oberhausen entdeckte Sensations-Fund von Waffen, Werkzeugen, Geräten und Schmuck fristet bisher ein Schattendasein in den Depots der Stadtarchäologie. Die Gegenstände stammen aus dem römischen Militärstützpunkt, der etwa in den Jahren 8 bis 5 vor Christi Geburt eingerichtet wurde und zur Gründung Augsburgs führte. Die Entdeckung habe belegt, so der Stadtarchäologe Sebastian Gairhos, dass Augsburg der älteste Römerstützpunkt in Bayern sei. Ebenfalls im Stadtteil Oberhausen wurde zudem ein Silberschatz mit rund 5600 Münzen aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus gefunden – der größte dieser Art in Bayern und auch er musste in die Depots verbannt werden.
Doch das soll sich nun ändern. Nachdem der Freistaat Bayern im Oktober zugesagt hatte, sich mit bis zu 50 Prozent an den Investitionskosten zu beteiligen, war eine Hürde genommen. Die Frage, wo das Römermuseum entstehen soll, ist jetzt ebenfalls geklärt. Nach der Prüfung dreier möglicher Standorte fiel die Wahl nun auf das Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in der Karmelitengasse. Das Gelände ist nicht nur die kostengünstigste Variante, sondern es liegt sprichwörtlich an historischem Ort, nämlich im Zentrum der ehemaligen römischen Stadt. Seit die JVA vor zehn Jahren nach Gablingen verlegt wurde, stehen die Gebäude leer. Ein in den 1960er-Jahren erbaute Zellentrakt soll für einen Museumsneubau abgerissen werden, ein denkmalgeschützter Kornspeicher sowie die nebenliegende Kapelle St. Severin könnten außerdem mitgenutzt werden.
Kosten für das Römische Museum werden auf 60 Millionen gedeckelt
Nach den Erfahrungen der Stadt mit der aus dem Ruder laufenden Sanierung des Theaters sollen die Kosten für das Römische Museum auf 60 Millionen Euro gedeckelt werden. Um die Planung und dn Bau soll sich ein Generalabnehmer kümmern. Im Gespräch ist hier die städtische Wohnbaugruppe. Läuft alles nach Plan, können sich die Besucherinnen und Besucher spätestens ab dem Jahr 2033 eine Vorstellung davon machen, wie die Ur-Augsburger im römischen „Augusta Vindelicorum“ lebten (mit dpa).
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