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Landkreis Landsberg: Nach den Impfstoff-Gerüchten spricht der Chef des Impfzentrums

Landkreis Landsberg

Nach den Impfstoff-Gerüchten spricht der Chef des Impfzentrums

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    Auf dem Fliegerhorstgelände in Penzing ist das Impfzentrum des Landkreises Landsberg untergebracht.
    Auf dem Fliegerhorstgelände in Penzing ist das Impfzentrum des Landkreises Landsberg untergebracht. Foto: Thorsten Jordan

    Was ist dran an den Gerüchten, dass im Impfzentrum des Landkreises Landsberg in Penzing übriger Corona-Impfstoff weggeworfen wird? Bei einem Exklusiv-Interview vor Ort räumten Peter Rasch, Chef des Impfzentrums, und weitere Experten mit dem Gerücht mit emotionalen Worten auf. Außerdem ging es darum, wie der Stand in Sachen Impfungen ist, welche Gruppe als Nächstes dran kommt und wie viele den in der Kritik stehenden Impfstoff von AstraZeneca verweigern.

    „Wir würden uns eher einen Arm abhacken, als eine Dosis wegzuschütten, weil sie ein Leben schützt“, sagt Peter Rasch, der sich über entsprechende Gerüchte sehr ärgert. Er räumt aber gleichzeitig mit Blick auf die Impfreihenfolge ein: „Auch wenn wir nicht immer sicherstellen können, dass es immer nur den 100 Prozent Richtigen trifft.“ Maximilian Weigt von den Johannitern – sie betreiben das Impfzentrum auf dem Penzinger Fliegerhorstgelände – sagt dazu: „Am ersten Tag hier bei der Begehung haben wir gesagt: Bevor hier irgendein Impfstoff weggeschüttet wird, gehen wir auf die Straße und fragen Leute dort, ob sie eine Impfung wollen.“

    Zweifelsohne ist beim Serum von manchen Herstellern wie Biontech aufgrund der erforderlichen Kühlpflicht die Lagerfähigkeit begrenzt. Beim Impfstoff von AstraZeneca – von ihm wurden bislang 480 Dosen im Landkreis verimpft – ist die Lagerung leichter. Über 1000 Dosen würden in Penzing gelagert.

    Sie wehren sich gegen Vorwürfe, dass im Penzinger Impfzentrum Corona-Impfstoff weggeworfen wird. Links: Peter Rasch, der Leiter der Einrichtung, und Maximilian Weigt von den Johannitern.
    Sie wehren sich gegen Vorwürfe, dass im Penzinger Impfzentrum Corona-Impfstoff weggeworfen wird. Links: Peter Rasch, der Leiter der Einrichtung, und Maximilian Weigt von den Johannitern. Foto: Thorsten Jordan

    Immer wieder stellte das Landsberger Tagblatt zuletzt Anfragen an Landratsamt und Impfzentrum, um Liefermengen und Anzahl der vorgehaltenen Dosen zu erfahren. Nicht immer gibt es detaillierte Infos dazu. Peter Rasch begründet das damit, dass Impfstoff im Darknet mittlerweile für mehrere Tausend Euro gehandelt werde. Und selbst wenn das Gelände gesichert sei, wolle man es potenziellen Dieben nicht leicht machen, indem man konkrete Zahlen veröffentlicht. Dass der aktuelle Stand der im Landkreis geimpften Personen derzeit nur einmal pro Woche vom Landratsamt konkret online veröffentlicht wird, hängt laut den Verantwortlichen vor allem mit der Software zusammen, mit der die bayerischen Impfzentren arbeiten. „Die konkrete Auswertung sollte demnächst einfacher werden“, wirbt Maximilian Weigt für Verständnis.

    Wie viele Menschen derzeit im Landkreis Landsberg gegen Corona geimpft wurden

    Nach einer am Dienstag veröffentlichten Statistik wurden bislang 4815 Erstimpfungen durchgeführt und 1827 Zweitimpfungen. Die Bewohner von Pflegeheimen – sie fallen unter die Kategorie I – sind fast komplett geimpft. „Von 629 Impfwilligen konnten 609 Personen komplett geimpft werden“, so Wolfgang Müller, der Pressesprecher des Landratsamts. Rund 400 (impfwillige) Mitarbeiter des Klinikums Landsberg hätten ebenfalls vollständigen Schutz vor Covid-19. Ebenso seien rund 50 Prozent aller Mitarbeiter der mobilen Pflegedienste im Landkreis Landsberg erfolgreich geimpft. Auch beim Personal von Arztpraxen – Rasch zufolge wurden rund 250 im Landkreis Landsberg angeschrieben – gehe es voran.

    Impfzentrum auf dem Fliegerhorst Penzing: Dr. Wolfgang Weißensee aus Landsberg hilft mit beim Impfen.
    Impfzentrum auf dem Fliegerhorst Penzing: Dr. Wolfgang Weißensee aus Landsberg hilft mit beim Impfen. Foto: Thorsten Jordan

    Ab sofort rücken auch bayernweit Lehrer an Grund- und Förderschulen und das Kindergartenpersonal in der Impfreihenfolge nach vorne. „Wir haben alle Einrichtungen bereits angeschrieben“, sagt Wolfgang Müller. Da es sich bei diesem Personenkreis in der Regel um Unter-65-Jährige handelt, wird bei ihnen der zuletzt in der Kritik stehende Impfstoff AstraZeneca verwendet.

    Dass das Produkt in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt wird, kann der Landsberger Notarzt Wolfgang Weisensee nicht verstehen. Der 61-Jährige war bislang sechs Tage als Impfarzt in Penzing im Einsatz – und musste mehrfach Überzeugungsarbeit bei den Impflingen leisten, indem er die Wirkung und Wirksamkeit erklärte. „Der Shitstorm gegen AstraZeneca ist unbegründet“, sagt der erfahrene Mediziner. Bislang seien im Impfzentrum fünf Personen wieder gegangen, weil sie den britisch-schwedischen Impfstoff nicht wollten. „Das sind wirklich ganz, ganz wenige Leute“, so Peter Rasch. Diese müssten sich erneut für einen Termin über das bayerische Impfportal registrieren und würden wohl erst Monate später wieder drankommen.

    Einige Kandidaten wollen sich in Penzing nicht mit AstraZeneca impfen lassen

    Generell entscheide der jeweilige Arzt darüber, welcher Impfstoff eingesetzt werde. „Wir wollen auch vor Ort die Akzeptanz für AstraZeneca steigern“, sagt Wolfgang Weisensee. Insgesamt habe er bislang rund 350 Personen gegen das Coronavirus geimpft. Die Zeitspanne reiche pro Person mit Anamnese, „Dokumentationswut“ – so drückt es der Mediziner aus – und eigentlicher Impfung von sechs bis 15 Minuten.

    Pro Tag ist das Impfzentrum Penzing derzeit in der Lage, 650 Personen durchzuschleusen. Laut Chef Peter Rasch soll die Kapazität bis Ende März, Anfang April – dann wird mit deutlich mehr Serum gerechnet – laut Forderung der Regierung auf 1000 Personen ausgeweitet werden. Dazu seien allerdings eine Erweiterung der Räumlichkeiten und weiteres Personal erforderlich. Derzeit stehen für die Abwicklung der Impfungen im ehemaligen Towergebäude 80 Personen zur Verfügung – pro Tag werden 24 benötigt. Die ehemalige Feuerwache soll ans Impfzentrum angeschlossen werden.

    „Aber hier läuft sowieso kein Dienst nach Vorschrift“, bricht Wolfgang Weisensee eine Lanze für das Personal. Dass nicht alle vorhandenen Dosen sofort verimpft werden können und sollen, erklärt Peter Rasch so: „Unser Haus besteht aus drei Säulen: Abwicklung, Terminierung und Koordination.“ Mehr Personen als aktuell könnten ganz einfach nicht geimpft werden.

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