Landsberg: Einkaufen ohne Verpackungsmüll im Landkreis Landsberg
Landsberg
Einkaufen ohne Verpackungsmüll im Landkreis Landsberg
Theresa Kummer aus Kaufering will auf Wochenmärkten unverpackte Waren anbieten. Auch in Landsberg steht ein ähnliches Projekt in den Startlöchern.
Von Dagmar Kübler Und Christian Mühlhause|05.02.21 - aktualisiert:
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Theresa Kummer aus Kaufering will in einem umgebauten Bäckerwagen unverpackte Produkte auf Wochenmärkten verkaufen.Foto: Thorsten Jordan
Die Älteren kennen sie noch, die Tante-Emma-Läden, in denen es auf kleinstem Raum alles für den täglichen Bedarf gab – oft unverpackt und in exakt der gewünschten Menge. Kinder kauften für kleines Geld einzeln bunte Bonbons aus Gläsern. Hausfrauen holten sich bei Tante Emma Tipps, und wenn das Haushaltsgeld mal nicht reichte, konnte man auch anschreiben lassen. Das soll es in Landsberg und Kaufering bald wieder geben.
Mit den in den 1970er-Jahren aufkommenden Supermärkten verschwanden die Geschäfte schrittweise, und Produkte erhielten zunehmend Plastikverpackungen, was wiederum zur Einführung der Gelben Tonne führte. So mancher blickt heute nach dem Einkaufen mit ungutem Gefühl auf den Plastikberg, den er unfreiwillig produziert hat.
Spenden sollen den Start im Frühsommer unterstützen
So ging es auch Theresa Kummer aus Kaufering. Ihre Antwort darauf ist ein mobiler Unverpackt-Laden, mit dem sie ab Frühsommer durch die Straßen rollen und auf Wochenmärkten stehen will. Das Crowdfunding, mit dem sie ihr Geschäft mitfinanzieren will, läuft ab sofort. Der alte Bäckerwagen mit Klappe ist schon gekauft und wird ausgebaut, erzählt die 30-Jährige im Gespräch mit dem LT.
Theresa Kummer nennt sich ganz bewusst in Anlehnung an die Tante-Emma-Läden „Tante Resi“. Ihr Logo zeigt ein Tongefäß, das als Symbol steht für Behältnisse aller Art, in die unverpackt gekaufte Waren eingelagert werden können. „Die derzeitige Überglobalisierung ist nicht der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft. Sie führt zu Verschmutzung und Klimakrise“, sagt Kummer.
Seit Langem will sie unverpackt einkaufen, mangels Optionen wird sie nun selbst zur Verkäuferin – und wechselt damit in ein neues Genre, denn von Beruf ist Kummer studierte Augenoptikerin und Yogalehrerin. Viel Zeit verwende sie auf die Zusammenstellung ihres Sortiments. Sie stehe mit jedem Zulieferer in persönlichem Kontakt und teste die Ware. Aufgrund der kurzen Transportwege und der Transparenz gehe bei ihr „regional vor bio“. Zudem müssen ihre Lieferanten, Großgebinde liefern können, zumeist 25 Kilo.
Die Nahrungsmittel werden in Papiersäcken angeliefert
Angeliefert wird häufig in Papiersäcken, manche von ihnen sind jedoch innen mit einer Plastikverpackung ausgekleidet. Kummer will alle Ressourcen weiterverarbeiten, so dient dieses Plastik später als Müllsack, und aus dem Papier schneidet sie Gutscheine, Treue- und Visitenkarten. Die Großgebinde werden lebensmittelkonform gelagert. „Getreidekörner fülle ich in Edelstahlbehälter um.“ Einige Lieferanten liefern auch im Pfandsystem. So kommen Nüsse und Trockenfrüchte in Fünf-Kilo-Plastikwannen, die bei der nächsten Lieferung von der Spedition wieder mitgenommen werden.
Im Unverpackt-Mobil werden zu 75 Prozent Trockenlebensmittel verkauft wie Getreide, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte und Gewürze. Asiatische Chiasamen hat sie gegen heimische Leinsamen ausgetauscht, Quinoa bezieht sie vom Hersteller aus Pitzling. 25 Prozent des Sortiments sind plastikfreie Drogerieartikel wie Shampoo-Bars, Holzzahnbürsten oder abbaubare Spülschwämme.
Sie wird vom Gesundheitsamt Landsberg kontrolliert
„Am besten bringen Kunden ihre eigenen Gefäße mit“, sagt sie. Für den spontanen (Mehr-)Einkauf führt Tante Resi Gefäße im Pfandsystem. Unverpackt sei teuer und nicht hygienisch – diesen Vorurteilen setzt die junge Frau einiges entgegen: „Für mich gelten die gleichen Regeln wie für alle Lebensmittelgeschäfte, ich werde vom Gesundheitsamt kontrolliert.“ Ihre Preise bewegten sich im Rahmen derer von Bio-Supermärkten. Kummer freut sich schon darauf, wenn an ihrem Mobil die Klappe hochgeht.
Im Vorderen Anger in Landsberg soll im April ein Laden für unverpackte Produkte öffnen.Foto: Julian Leitenstorfer
Öffnen wird ein ähnliches Angebot bald auch in Landsberg am Vorderen Anger. Auch dort laufen die Vorbereitungen derzeit. Zwei kleine Wohnungen wurden mittels Torbogen verbunden, sodass künftig etwa 70 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung stehen. Im Schaufenster sind schon einige Produkte zu sehen, die einen Eindruck von der Produktpalette geben. Verkauft werden sollen ab April unter anderem Trockenlebensmittel, frisches Obst und Gemüse von einem Hof in Kaufering und Forellen ohne Plastikverpackung. Auch Naturkosmetik und nachhaltige Haushaltsartikel sind vorgesehen, sagt Lisa Bauer, eine der Initiatorinnen.
Kleines Café soll entstehen, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist
„Wichtig ist uns auch, dass es möglichst regionale, biologisch angebaute und unter fairen Bedingungen hergestellte Waren sind“, betont Lisa Bauer. Und wenn es die Corona-Pandemie wieder zulasse, sollen auch Tee, Kaffee und Gebäck angeboten werden, die dann an den aufgestellten zwei oder drei Tischen auch verzerrt werden könnten.
Ausgangspunkt war eine Anzeige von Sara Klein-Schild im LT und Landsberg extra, die Mitstreiter für die Ladeneröffnung suchte. „An dem Thema kommen wir nicht vorbei, wenn Plastikmüll vermieden werden soll“, sagt Bauer. Und sie ist überzeugt, dass es in Landsberg Bedarf gibt. „Wir merken in Gesprächen, dass eine Nachfrage vorhanden ist, aber bislang das Angebot dazu fehlt.“ Der Laden soll von montags bis samstags geöffnet sein. Ob es beim geplanten Verkaufsstart von 9 Uhr bleibe, müsse sich zeigen. „Wenn um die Zeit nichts los ist, werden wir reagieren.“
Elf Landsberger wollen am Vorderen Anger im April einen Laden für unverpackte Waren eröffnen.Foto: Unverpackt Landsberg
Die elf Firmengründer bringen sich alle im künftigen Geschäft ein, berichtet PR-Managerin Lisa Bauer, die gerade in Elternzeit ist. Sie sollen teils im Verkauf arbeiten, teils im Hintergrund. Dort kümmern sie sich um rechtliche Themen oder die Pflege der Internetseite.