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Pähl: Corona beim Bäcker Kasprowicz: Was das Gesundheitsamt sagt

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Corona beim Bäcker Kasprowicz: Was das Gesundheitsamt sagt

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    Ein Blick in die neue große Backstube der Bäckerei Kasprowicz im Gewerbegebiet in Pähl.
    Ein Blick in die neue große Backstube der Bäckerei Kasprowicz im Gewerbegebiet in Pähl. Foto: Petra Straub (Archiv)

    Bis auf Weiteres ruht in der Großbäckerei Kasprowicz in Pähl die Produktion, nachdem unter den rund 50 Beschäftigten in der Backstube 16 Corona-Infektionen festgestellt wurden. Die Frage, wie es zu dem Corona-Ausbruch kommen konnte, beschäftigt auch das zuständige Gesundheitsamt in Weilheim. Was die Behörde zu dem Fall sagt und wie sich andere Bäcker äußern.

    Inhaber Julian Kasprowicz hatte gegenüber dem LT mit Verweis auf die seit Monaten geltenden Schutzmaßnahmen im Betrieb gesagt, sich die Verbreitung des Coronavirus nicht erklären zu können. Kaum anders äußert sich dazu das Landratsamt in Weilheim: „Das Gesundheitsamt hat in den vergangenen Tagen inklusive des Wochenendes sehr intensiv mit Herrn Kasprowicz zusammengearbeitet. Trotz der von der Firma im Produktionsbereich ergriffenen vielfältigen Hygienemaßnahmen, die vom Gesundheitsamt auch anerkannt werden, ist es zum aktuellen Ausbruchsgeschehen gekommen. Welche konkreten Ursachen dies hat, ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen“, heißt auf Anfrage des LT.

    Das Weilheimer Gesundheitsamt wartet auf die Auswertung aus dem Labor

    Ebenfalls offen ist nach wie vor, ob es ein mutiertes Virus war, das sich so schnell unter den Bäckern und Konditoren verbreitete. Vom Landratsamt hieß zu diesem von Kasprowicz gegebenen Hinweis: „Aktuell kann das Gesundheitsamt das Vorliegen einer Mutation weder bestätigen noch ausschließen, weil die Diagnostik noch nicht abgeschlossen ist. Es besteht aufgrund der Dynamik des Geschehens jedoch der hochgradige Verdacht, dass eine Mutation vorliegen könnten. Das Gesundheitsamt hat vorsorglich alle Maßnahmen so veranlasst, als ob eine Mutation bereits nachgewiesen wäre, um den größtmöglichen Schutz vor einer Weiterverbreitung sicher zu stellen.“

    Das Gesundheitsamt habe alle engen Kontaktpersonen im Umfeld der 16 Erkrankungsfälle ermittelt, eine Testung veranlasst und eine Quarantäne ausgesprochen. Soweit nötig seien die benachbarten Gesundheitsämter beteiligt, wenn Erkrankte oder Kontaktpersonen im Nachbarlandkreis wohnen. Derzeit seien die Gesundheitsämter Landsberg und Starnberg mit betroffen.

    Der Landkreis Weilheim-Schongau glänzte in der vergangenen Woche mit Sieben-Tage-Inzidenzen von 30 bis 40, sodass schon eine öffentliche Diskussion darüber entstanden war, inwieweit örtliche Lockerungen des landesweiten Lockdowns angemessen wären. Bislang hat sich nach dem Corona-Ausbruch in der Bäckerei in Pähl an den Zahlen nichts verändert. Am Montagnachmittag meldete das Robert-Koch-Institut eine Sieben-Tage-Inzidenz von 38,4, während sie im Landkreis Landsberg 93,1 betrug.

    Wann darf der Großbäcker wieder die Arbeit aufnehmen?

    Das Gesundheitsamt will nicht ausschließen, dass die bislang niedrige Sieben-Tage-Inzidenz ansteigen könnte. Man sei jedoch optimistisch, dass sich der positive Trend der vergangenen Wochen fortsetzt: „Gänzlich werden lokale Ausbruchsgeschehen aber auch in Zukunft nicht zu verhindern sein. Umso wichtiger ist das schnelle und konsequente Handeln zur Eindämmung, damit aus einem Strohfeuer kein Flächenbrand wird.“

    Der Pähler Bäcker Julian Kasprowicz kurz nach der Inbetriebnahme seiner neuen Bäckerei im Pähler Gewerbegebiet.
    Der Pähler Bäcker Julian Kasprowicz kurz nach der Inbetriebnahme seiner neuen Bäckerei im Pähler Gewerbegebiet. Foto: Petra Straub

    Zur Frage, wann die Bäckerei, die in der Region 19 Filialen hat, ihren Betrieb wieder aufnehmen kann, erläuterte der Sprecher des Weilheim-Schongauer Landratsamts, Hans Rehbehn, die Erkrankten unterlägen aktuell automatisch einem Beschäftigungsverbot nach dem Infektionsschutzgesetz. Aufgrund des hochgradigen Verdachts auf eine Mutation müssten alle Beschäftigten vor der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit mittels eines PCR-Tests durch das Gesundheitsamt überprüft werden. Aktuell gehe das Gesundheitsamt, übereinstimmend mit den Interviewäußerungen von Kasprowicz davon aus, dass die Wiederaufnahme der Produktion wahrscheinlich Mitte Februar erfolgen kann – sofern keine weiteren Erkrankungsfälle auftreten.

    Eine Landsberger Bäckerei will helfen

    Der vorübergehende Stillstand bei Kasprowicz ist nicht nur bei den Konsumenten im Raum Ammersee/Starnberg/Weilheim Gesprächsthema. In der Region, in der in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine Betrieb aufgehört haben, gehört Kasprowicz zu den wenigen verbliebenen großen Handwerksbäckereien. Der Corona-Stopp hatte sich bereits am Samstagabend in der Branche herumgesprochen gehabt. Und die Mitbewerber reagierten auch. Er habe Kasprowicz angeboten, ihm mit Backwaren auszuhelfen, berichtet Michael Gerum, Chef der Landsberger Bäckerei Manhart, und: „Wir haben natürlich auch mehr gebacken.“

    Die Bäckerei Manhart hat in Schondorf schräg gegenüber der Kasprowicz-Filiale ein Geschäft, und da wolle man sich ja nicht mit vorzeitig leeren Regalen bei den Kunden blamieren. Allerdings glaubt er, dass von dem derzeitigen Ausfall bei Kasprowicz eher die Backindustrie profitiere. Wenn der Bäcker im Supermarkt geschlossen ist, dürften etliche Kunden einfach zu abgepackter Ware greifen und sich nicht in ein anderes Geschäft begeben.

    Michael Gerum Chef der Landsberger Bäckerei Manhart.
    Michael Gerum Chef der Landsberger Bäckerei Manhart. Foto: Thorsten Jordan (Archiv)

    „Bei uns war schon etwas mehr los“, berichtet auch Caroline Lindner aus Oberschondorf, die mit ihrer Schwester die letzte in den Westuferorten verbliebene Bäckerei betreibt. „Am Samstag haben die ersten von Kasprowicz erzählt, da waren wir vorgewarnt und haben schon ein bisschen mehr gemacht.“ Aber vorzeitig ausverkauft sei man am Montag nicht gewesen. Das liege wohl auch daran, dass ihr Betrieb an der oberen Landsberger Straße abseits der übrigen Geschäfte liege.

    Bekommen die anderen Bäcker mehr Geschäft?

    Einen vergleichbaren Fall wie Kasprowicz hat es im Landkreis Weilheim-Schongau in der Lebensmittelbranche bislang nicht gegeben, heißt es vom dortigen Landratsamt. Auch Michael Gerum aus Landsberg ist froh, bislang gut durch die Corona-Zeit gekommen zu sein. „Toi toi toi“, sagt er. Als Kontaktpersonen hätten zwar einzelne Mitarbeiter schon in Quarantäne gemusst. Eine Infektion habe es in seinem Betrieb noch nicht gegeben.

    Eine Bäckerei aus Dießen wirbt für sich selbst - und die anderen Betriebe:

    Ganz wesentlich sei, dass die einzelnen Mitarbeitergruppen in Verkauf und Produktion nicht zusammenkommen, und er sagt: „Ich glaube, dass meine Mitarbeiter einfach im Privatleben aufpassen, da kommt ja Corona erst einmal her.“ Es habe aber auch mit Glück zu tun, ob sich Corona in einen Betrieb einschleppt oder nicht.

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