In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Wert auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit legen, werden sogenannte Unverpacktläden zusehends beliebter. Auch am Vorderen Anger in Landsberg gibt es nun ein solches Lebensmittelgeschäft, das so gut es geht, auf Einwegpackungen verzichtet. Das LT hat sich zum Verkaufsstart dort umgesehen und mit Geschäftsführerin Natalie Seiffert über das Konzept, die Pläne für die Zukunft und die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte gesprochen.
Entstanden ist der ULA-Unverpacktladen mit rund 70 Quadratmetern Verkaufsfläche, indem zwei kleinere Wohnungen am Vorderen Anger mittels Torbogen miteinander verbunden wurden. Kommt man durch die Tür, werden Erinnerungen an Tante-Emma-Läden geweckt: Neben der Holzoptik dominieren viele hellblaue Elemente. Das Sortiment soll den täglichen Bedarf der Kunden abdecken: An einer Wand können sie Trockenprodukte abfüllen, es gibt eine Ecke mit Naturkosmetikprodukten und Haushaltsartikeln. Außerdem werden an einer Frischetheke Fisch, Käse, Tofu und immer freitags frisches Biobrot angeboten. „Das geht schon über das herkömmliche Sortiment eines Unverpacktladens hinaus“, sagt Natalie Seiffert, eine der drei Geschäftsführerinnen. Sie ist sich sicher, dass die Landsberger auch deshalb den Laden gut annehmen werden. „So etwas hat in der Stadt bisher einfach noch gefehlt.“
Es darf auch Tupperware mitgebracht werden
Im Unverpacktladen am Vorderen Anger kann Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr eingekauft werden und samstags von 9 bis 16 Uhr. Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit, die laut Seiffert nicht unbedingt aus Glas bestehen müssen. „Es darf gerne auch Tupperware sein – Hauptsache man kann sie wieder verwenden und es wird Müll vermieden“, sagt die 43-Jährige.
Gerade in Corona-Zeiten wichtig: Zwischen den Behältern im Geschäft und den Gefäßen der Kunden gibt es bei richtiger Anwendung keinen Kontakt. Die Abfülltrichter werden regelmäßig gespült und den Besuchern am Eingang Baumwollhandschuhe zur Verfügung gestellt. „Während der Pandemie kommen Unverpacktläden mit ihren Hygienekonzepten generell gut über die Runden“, sagt Natalie Seiffert.
Das Credo: bio, möglichst regional und fair gehandelt
Die vergangenen Wochen und Monate seien sehr arbeitsintensiv gewesen. Viele Besprechungen der insgesamt elf Initiatoren hätten wegen der Corona-Pandemie nur über Video stattfinden können. Ursprünglich zusammengekommen waren die Beteiligten durch einen Aufruf von Sara Klein-Schild, die in LT und Landsberg extra per Anzeige nach Mitstreitern für einen Unverpackt-Laden suchte. Anschließend sei wohl auch deshalb alles recht schnell gegangen, da „wir einfach eine gute Mischung haben“, sagt Natalie Seiffert. Die elf Firmengründer bringen sich alle im Geschäft ein: Teils arbeiten sie im Verkauf, teils sind sie im Hintergrund für Themen wie die Pflege der Internetseite verantwortlich. Nathalie Seifert selbst ist Grafikerin und war für den Entwurf des Logos verantwortlich. Ihre Kollegin Monika Drexl, neben Lisa Bauer die dritte Geschäftsführerin, betreibt mit ihrem Ehemann Johann einen Biobauernhof in Kaufering, von dem einige Lebensmittel im Sortiment stammen. An der Frischetheke gibt es geräucherte Forellen aus Sandau.
Die angebotenen Produkte sollen „bio, möglichst regional und fair gehandelt sein“, sagt Nathalie Seifert. In den vergangenen Wochen und Monaten hätten die Geschäftspartner Zulieferer besucht und sogar in anderen Unverpackt-Läden mitgearbeitet. „Es herrscht kein Konkurrenzdenken untereinander, sondern ist ein schönes Miteinander.“ Am Vorderen Anger möchte sich der Unverpackt-Laden in die Umgebung einfügen und sie bereichern. „Leider schließen ja immer mehr kleine Geschäfte und durch Corona wird das wohl leider nicht besser“, so Seiffert. Um den Asia-Markt gegenüber in schwierigen Zeiten keine Konkurrenz zu machen, sei beispielsweise das Obstsortiment eher klein gehalten. In Zukunft soll, sobald auch andere Gastronomiebetriebe wieder öffnen dürfen, eine Kaffeeecke mit sechs Sitzplätzen eingerichtet werden. Außerdem gebe es bereits eine ganze Liste an Kundenwünschen, die nun nach und nach abgearbeitet werden soll.
Momentan fehlt noch die Laufkundschaft
Am Freitag eröffnete der Unverpackt-Laden offiziell. Natalie Seiffert ist mit dem Start zufrieden: Man merke zwar, dass wegen geschlossener Geschäfte momentan die Laufkundschaft fehle: „Es ist aber zeitweise auch schon vorgekommen, dass Personen vor der Tür warten mussten.“ Wegen der Corona-Auflagen dürfen nur fünf Kunden gleichzeitig in den Unverpacktladen.
Carina Hauk aus Landsberg schaut sich am frühen Montagnachmittag in den Regalen um. „Ich habe damals selbst die Anzeige in der Zeitung gesehen und immer wieder geschaut, wann der Laden endlich öffnet“, sagt die 28-Jährige. In ihren Augen ist es „sehr wichtig“, dass nun auch in Landsberg ein solches Angebot existiert. „Ich finde das Sortiment schon jetzt super“, freut sich Carina Hauk. Viele Dinge, das sie bisher online bestellen musste, könne sie nun bequem vor Ort kaufen.
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