„Ins Schlummern“ geraten sei das Vorhaben, den Rundweg um den Kauferinger Stausee größtenteils vom in die Jahre gekommenen Asphalt zu befreien und stattdessen Kieswege anzulegen. Ein Fördertopf sollte es richten. Doch das hierfür erstellte Naherholungskonzept stößt beim Gemeinderat nicht auf Zustimmung.
Ein Rückblick: Der Rundweg um die Lechstaustufe 18 ist voll asphaltiert, doch bringt den Fahrradfahrern wenig, wenn sie an so mancher Stelle Löchern ausweichen müssen. Im April 2023 wurde daher im Ausschuss für Planung, Bau, Verkehr und Umwelt eine Beschlussempfehlung zur Entsiegelung des Stauseerundwegs gefasst. Die Asphaltdecke soll abgenommen und der Weg in einen drei Meter breiten Kies- oder Feldweg umgewandelt werden. Kritische Bereiche und Steilstrecken sollen weiterhin asphaltiert bleiben. Aufgrund der angespannten Haushaltslage wurde das Projekt in der Haushaltsplanung inzwischen auf das Jahr 2028 gelegt.
Markt Kaufering hätte mit einer Fördersumme von 70.000 Euro gerechnet
In der Zwischenzeit wurde das Projekt zusammen mit einem geplanten Ausbau des Naherholungs- und Sportangebotes im Bereich des Stauseerundwegs als „LEADER“-Projekt eingereicht. Das EU-Förderprogramm zeichnet sich insbesondere durch seinen „Bottom-Up-Ansatz“ aus, das heißt die Menschen vor Ort entscheiden innerhalb einer Leader-Aktionsgruppe (LAG) über die Entwicklungsstrategie für ihre Region und über die zu fördernden Projekte. Im Falle Kauferings handelt es sich um die LAG Lechrain.
Zum eingereichten Konzept zählen unter anderem eine Calisthenics-Anlage, ein Trimm-dich-Pfad, eine Kneippanlage und ein Platz für Picknicks. Das Ergebnis: Die Entsiegelung des Rundwegs wurde im Rahmen von Leader als nicht förderfähig eingestuft und wird daher nicht mehr weiterverfolgt. Denn der Zuschuss ist auf maximal 250.000 Euro pro Einzelprojekt beschränkt. Gegebenenfalls können hierfür andere Fördertöpfe gefunden werden, etwa im Zusammenhang mit einer Radwegförderung, teilte Bauamtsleiter Andreas Giampà mit. Die übrigen Komponenten sind mit rund 141.000 Euro beziffert und sollen als Leader-Projekt beantragt und umgesetzt werden. Der Fördersatz liegt bei 50 Prozent, im Falle des Markts kann daher mit einer Förderung von rund 70.000 Euro gerechnet werden.
Gabriele Triebel: „Trimm-dich-Pfade sind total aus der Zeit gefallen.“
Dazu ist formell ein Beschluss des Marktgemeinderats einzuholen. Der nächste Schritt wäre die Vorstellung des Projekts in der LAG-Sitzung am 2. Juni gewesen. Doch der Rat entschied sich gegen den Ausbau des Naherholungsangebotes in Kaufering. Die Meinungen aus dem Rat: SPD-Ratsmitglied Elke Koch sprach von einer „Nice to have“-Aktion: „Aufgrund der Haushaltssitzung würde ich dieses Projekt in die Schublade packen und ruhen lassen.“ Gabriele Triebel (Grüne) widersprach: „Wir sollten nicht das eine gegen das andere ausspielen. Für unsere Bevölkerung und die Lage an der Romantischen Straße können wir zu einem relativ günstigen Betrag gute Angebote schaffen und den Rundweg attraktiver machen.“ Ihr Vorschlag: Abspecken oder anders machen, der Trimm-dich-Pfad sei etwa „total aus der Zeit gefallen“. Triebel sprach sich dagegen für die Calisthenics-Anlage aus.
Thomas Wiesmann (SPD) gab Koch hingegen recht: „Wir müssen mit dem Geldsparen anfangen. Und das ist eine freiwillige Leistung.“ CSU-Ratskollege Meinrad Mayrock schlug in die gleiche Kerbe. „Das sind Maßnahmen, die brauchen wir jetzt nicht.“ Triebel als auch Rosina Heinle (CSU) sprachen sich zudem für eine Kneippanlage an einer anderen Stelle, am Mühlbach aus. Markus Rietig (UBV) schlug vor, das Thema noch einmal nach der Finanzklausur anzusprechen – „oder muss es jetzt sein?“ Bürgermeister Thomas Salzberger: „Je später wir kommen, desto unwahrscheinlicher ist die Umsetzung.“
Auf Nachfrage von Cäcilie Nebel (Grüne), ob die Liste noch verändert werden kann, erklärte Bauamtsleiter Giampà: „Das ist gestalterisch noch nicht ausgearbeitet. Sofern wir die Zustimmung kriegen, müssen wir mit dem Geld auskommen.“ Außerdem erläuterte er, dass die Senioren sich einen Trimm-dich-Pfad gewünscht hätten und dieser zudem die günstigste Maßnahme wäre. Sascha Kenzler (BV) plädierte dafür, die Grundsteuer anzuheben, „dann kann man das dementsprechend vertreten.“ Markus Wasserle (SPD) „würde gerne tiefer gehen und die Bevölkerung einbeziehen“. Doch das Projekt sei nicht aus einem Guss. Er glaubt deshalb nicht, dass der Markt eine Chance habe. Zudem sei die Verwaltung personell am Anschlag und „deswegen bitte ich darum, es zu verschieben“.
Salzbergers Fazit, nach dem der Antrag mit zwei zu 23 Stimmen abgelehnt wurde: „Wir bringen das in drei Jahren wieder ein und haben bis dahin genügend Zeit, um es zu verbessern."
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