Natalie Müller aus Hurlach gehört seit 2018 dem Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu e. V. an und ist mittlerweile Zweite Vorsitzende. Aus Erfahrung weiß sie, wie schwer die Diagnose Krebs bei Kindern ist und unterstützt betroffene Familien. Dafür wurden sie nun als Stille Heldin ausgezeichnet.
Es war ein Tag, den Natalie Müller nie vergessen wird und der das Leben der fünfköpfigen jungen Familie aus Hurlach auf den Kopf stellte: Ihr ältester Sohn erhielt die Diagnose Krebs. Und zwar Leukämie – Blutkrebs und Hirntumor sind die häufigsten Krebsarten bei Kindern. Während andere die Sommerferien genossen und sich auf die Einschulung freuten, verbrachte der Sechsjährige seine Tage im Uniklinikum Augsburg – und wurde dort sogar eingeschult. „Und dabei hatte er noch so viel Glück“, erinnert sich seine Mutter Natalie Müller (41).
Ärztin schickt blassen Jungen aus Hurlach direkt ins Uniklinikum
Denn an dem Tag, als der Junge auffallend blass und müde war und die Eltern die geschwollenen Lymphknoten hinter dem Ohr entdeckten, war der Hausarzt nicht verfügbar. So kam er zu einer Vertretung – und diese nahm die Sache so ernst, dass sie ihn sofort ins Uniklinikum überwies. „Bei anderen Kindern wird lange nach einer Diagnose gesucht und wertvolle Zeit geht verloren“, weiß Müller, die in den vergangenen neun Jahren zur Expertin für Krebs bei Kindern geworden ist.
Ihr Junge hatte sogar doppeltes Glück, denn die Medikamente schlugen an, und er vertrug sie auch. Nicht immer ist das der Fall, und so musste Müller auch miterleben, wie kleine Patienten die Krankheit nicht überlebten. Was als Horror begann, hat die Familie stark werden lassen. Geholfen hat dabei der Besuchsdienst des Förderkreises für krebskranke Kinder im Allgäu e. V. Mit dem Elterncafé erreichten sie, die Familien aus ihrer Isolation im Behandlungszimmer zu holen, etwas Ablenkung zu erfahren, aber auch Unterstützung und wertvollen Austausch. Zehn Monate dauerte die Intensivtherapie des Jungen, während der ein Elternteil vor Ort im Krankenhaus war.
Insgesamt wurde zwei Jahre behandelt. Das prägt, und weil Natalie Müller aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig die Unterstützung durch andere betroffene Eltern, die bereits mehr Erfahrung sammeln konnten, ist, engagiert sie sich seit 2018 in dem Verein, hat 2022 den zweiten Vorsitz übernommen und bewegt viel. Sie begleitet die betroffenen Familien eng, organisiert Ausflüge und Familienwochenenden, vernetzt Betroffene, die in der gleichen Region wohnen, miteinander und wirbt Spenden ein. Das Elterncafé findet nun häufiger statt, und sie konnte auch die Uniklinik Ulm für die Angebote des Fördervereins gewinnen.
Hurlacherin fordert bessere Gesundheitsversorgung für Kinder mit Krebs
Um das Erlebte zu verarbeiten, sind Therapien für die Kinder wie Musik-, Sport- oder Kunsttherapie wichtig. Auch hier konnte Müller vieles in Bewegung bringen und mit ihrem großen Talent zum Netzwerken kann sie immer mehr Partner gewinnen. Ohne Spenden aber wäre das alles nicht möglich. Die eingeworbenen Gelder kommen auch direkt den betroffenen Familien zugute, beispielsweise bei der Bezuschussung der Besuchsfahrten, bei Verdienstausfällen oder notwendigen Anschaffungen.
2300 Kinder erkranken jährlich neu in Deutschland an Krebs. Allein im Uniklinikum Augsburg werden jährlich 65 neu aufgenommen. Die Heilungschancen sind gestiegen und liegen inzwischen bei circa 85 Prozent. Und trotzdem liegt einiges im Argen, denn, wie Natalie Müller betont, müssten die Gesundheitspolitik und Pharmaforschung den Blick noch mehr auf Kinder richten. Die Neuzulassung von Medikamenten für Kinder sei gering. Deshalb strebt sie eine Anhörung im Landtag an. „Und die Kinder haben auch ein Recht auf Vergessen“, fügt sie hinzu. Denn momentan bekämen sie später als Erwachsene, obwohl als geheilt geltend, keine Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, keine Verbeamtung in Bayern und erlitten massive Benachteiligungen bei einer geplanten Adoption. www.foerderkreisallgaeu.de
Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne groß Aufhebens davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die Ehrenamtlichen, ohne die das Gemeinwesen nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis Landsberg, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Dieses Mal Natalie Müller aus Hurlach.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren