Ein idyllisches Bild bot sich kürzlich vor dem alten Pfarrhof in Rott: Unter freiem Himmel hatten Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Tisch und Stühle aufgestellt, auf dem Picknicktisch standen neben Kaffee und Kuchen auch ein Korb mit Wolle und an einer Wäscheleine baumelten die ersten 37 Paar Wollsocken. Es handelte sich um das erste „Strick-Nick“.
KAB Rott strickt für Weltrekord mit über 36.000 Sockenpaaren
Da stellt sich die Frage: Warum strickt die KAB jetzt plötzlich Socken? Die Antwort geht weit über warme Füße hinaus. Natürlich spielt auch ein ehrgeiziges Ziel eine Rolle: Der Verein „Sockenweltrekord“ sammelt bis zum Swiss-Yarn-Festival am 27. März 2027 in der Schweiz mehr als 36.000 Paar Socken, um den bestehenden Weltrekord zu brechen. Nach der Zählung werden die Socken an Obdachlosenunterkünfte, Tafeln und Wärmebusse gespendet.
Doch den Beteiligten der KAB geht es um mehr als die Zahlen, heißt es in einer Pressemitteilung. Das gemeinsame Stricken soll Menschen zusammenbringen und das Gefühl stärken, selbst etwas beitragen zu können. „Gerade in Zeiten vielfältiger Krisen und Unsicherheiten möchten die Initiatoren zeigen, wie wichtig Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitiger Respekt sind“, erklärt Petra Reiter, KAB-Referentin aus Weilheim.
KAB-Referentin aus Weilheim: „Wir brauchen Menschen, die sich engagieren.“
„Vielleicht“, so hofft Marion Nöbauer aus Rott, stellvertretende KAB Kreisvorsitzende und selbst begeisterte Sockenstrickerin, „fühlen sich Menschen dann den Herausforderungen der Gegenwart weniger ausgeliefert. Wir brauchen Menschen, die sich engagieren. Und Engagement hat viele Facetten“. Nöbauer weiter: „Als Verband können wir Themen wie Wohnungsnot, prekäre Arbeitsverhältnisse oder faire Kleidung auf die politische Bühne bringen. Aber nicht jeder traut sich das auf Anhieb zu.“ Petra Reiter ermutigt Menschen, im eigenen Handlungsspielraum anzusetzen: „Und wenn dieser Spielraum ein Nadelspiel beinhaltet, dann ist es besser einem Menschen mit kalten Füßen zu warmen Füßen zu verhelfen, als klagend nach Berlin zu blicken und zu hoffen, dass Lösungen von dort oder vom Himmel fallen.“
Schon bei ersten „Strick-Nick“ wurden mehrere Paar Socken gespendet. Auch Tüten mit Sockenwolle sowie einige Geldspenden für neues Material kamen zusammen. Unterstützt wird das Projekt von der KAB Ammer-Lech und dem „Team Weltrekord“ aus Weilheim. Die Mitglieder werben um neue Mitstrickende, sammeln Spenden und sorgen dafür, dass die Zahl der fertigen Socken stetig wächst. Mitmacher sind willkommen: Die Gruppe trifft sich regelmäßig donnerstags ab 17 Uhr im Regionalzentrum in der Waisenhausstraße in Weilheim. Wer fertige Socken oder Sockenwolle spenden möchte, kann sich an Marion Nöbauer aus Rott wenden: mnoebauer1802@gmail.com. (AZ)
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