Auf der Bürgerversammlung der Stadt Landsberg hatte eine Besucherin der Veranstaltung eine wirksame Verkehrsberuhigung in der Alten Bergstraße gefordert. Diesem Anliegen verlieh sie Nachdruck mit rund 100 gesammelten Unterstützerunterschriften, die an Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) übergeben wurden. Nun hat sich der Stadtrat mit dem Antrag befasst. Warum eine Sperrung der Alten Bergstraße durch versenkbare Poller für die Stadtverwaltung nicht infrage kommt.
Stadtrat Marc Schmid (Landsberger Mitte) hat laut Sitzungsvorlage in einem Schreiben beantragt, dass die von den Anwohnerinnen und Anwohnern geforderte Reduzierung des motorisierten Verkehrs in der Alten Bergstraße und dem oberen Hofgraben in der jetzigen Sitzung thematisiert wird. Der Antrag hat demnach zum Ziel, die Lärm- und Feinstaubbelastung im Bereich der Altstadt zu reduzieren und die Sicherheit zu erhöhen. Der motorisierte Verkehr soll wochentags jeweils zwischen 20 Uhr und 8 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ganztägig für die Durchfahrt von Kraftfahrzeugen gesperrt werden. Dies sei durch den Einbau von versenkbaren Pollern zu Beginn des oberen Hofgrabens und auf Höhe des Gasthofs Süßbräu durchzusetzen.
Was passiert, wenn ein Poller plötzlich nicht mehr versenkt werden kann?
Wie es laut Sitzungsvorlage in der Begründung des Antrags heißt, würden die Alte Bergstraße und der obere Hofgraben primär als Abkürzung genutzt, um die Neue Bergstraße zu umfahren. Da die Alte Bergstraße auch als Schulweg dient, sollte die Verkehrsberuhigung laut der Forderung der Anwohner bis 8 Uhr ausgedehnt werden, damit Schulkinder, die an Engstellen auf die Fahrbahn ausweichen, nicht gefährdet werden.
Eine Anwohnerin hatte den Antrag auf der Bürgerversammlung im vergangenen Monat ausführlich vorgestellt. Ihrer Schilderung zufolge sei das Verkehrsaufkommen trotz der geltenden Anlieger-frei-Regelung hoch und die Straße werde von vielen Autofahrerinnen und Autofahrern als Durchgangsstraße oder Abkürzung genutzt. Eine Rolle spiele dabei auch der Bringverkehr zur Grundschule am Spitalplatz. Deren Schulleitung sei die Situation ebenfalls ein „Dorn im Auge“.
„Sind bereit, uns konstruktiv an einer Lösungsfindung zu beteiligen“
Besonders im unteren Teil der Alten Bergstraße, die nur von oben nach unten befahren werden darf, müssten Schülerinnen und Schüler wegen parkender Autos und herausgestellter Mülltonnen oftmals auf die Fahrbahn ausweichen. Ein weiterer Aspekt, den die Frau hervorhob: Durch die über das Kopfsteinpflaster fahrenden Fahrzeuge sei die Lärmbelästigung hoch. „Wir sind bereit, uns konstruktiv an einer Lösungsfindung zu beteiligen“, sagte sie.
Wie in der Sitzung deutlich wurde, schließt die Stadtverwaltung den Einbau von Pollern aus. Neben den Anwohnerinnen und Anwohnern müssten Einsatzkräfte – und etwa auch Pflegedienste – diese versenken können und entsprechend ausgestattet sein, sagte Ernst Müller, Leiter des Ordnungsamts. Es könnte laut seiner Aussage aber immer auch passieren, dass Poller plötzlich nicht mehr versenkt werden können. Der Leiter des Ordnungsamts warf daher die Frage auf, wer die Verantwortung trage, wenn ein Rettungswagen aus diesem Grund im Notfall nicht durchkomme.
Nachts sind nur wenige Fahrzeuge auf der Alten Bergstraße unterwegs
Die Alte Bergstraße befindet sich in einem Mischgebietsbereich – und dafür sei die Verkehrsbelastung verhältnismäßig gering, so Müller. In den Jahren 2022, 2023 und 2025 wurden Seitenradarmessungen durchgeführt. In einem Messzeitraum von Mittwoch bis Sonntag wurde ganztägig eine durchschnittliche Anzahl von rund 250 mehrspurigen Fahrzeugen gezählt. Eine Untersuchung im vergangenen Jahr hat zudem ergeben, dass zwischen 20 Uhr und 8 Uhr durchschnittlich 47 mehrspurige Fahrzeuge in der Alten Bergstraße unterwegs waren. Das macht etwa vier mehrspurige Fahrzeuge pro Stunde. Seit 2021 kam es laut Sitzungsvorlage im Bereich der Alten Bergstraße primär zu Park- und Streifunfällen. Ansonsten wurden selbst verschuldete Unfälle mit Radfahrern erfasst, die die Straße zu schnell heruntergefahren und gestürzt sind. Unfälle mit verletzten Fußgängern sind in den vergangenen gut fünf Jahren nicht zu beklagen.
Stadtrat Marc Schmid hatte in der Sitzung bekräftigt, dass das Ziel der Unterschriftensammlung eine wirksame Verkehrsberuhigung sei: Die Anliegerstraße sollte auch als solche genutzt werden, und nicht als Durchgangsstraße. Der Einbau von Pollern sei lediglich eine Idee gewesen, die er letztlich zurückzog. Laut Oberbürgermeisterin Baumgartl sollen die Ergebnisse von weiteren, anstehenden Verkehrszählungen im Rahmen einer Anwohnerversammlung vorgestellt und gemeinsam mögliche Lösungen diskutiert werden. Der Stadtrat stimmte diesem Vorgehen zu.
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