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Mindelheim: Nachruf: Das Geheimnis des Burkhart Grob

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Nachruf: Das Geheimnis des Burkhart Grob

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    Burkhart Grob ist im Alter von 90 Jahren gestorben.
    Burkhart Grob ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Foto: Christina Bleier/Grob

    Es gibt den wunderbaren Satz der Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann, der starken Patriarchin des gleichnamigen fränkischen Autozulieferer-Imperiums. Als die Frau gefragt wurde, wie sie einst mit der heftigen Kritik an der von ihr betriebenen riskanten Übernahme des Rivalen Conti umgegangen sei, sagte die 74-Jährige unlängst trocken: „Man schüttelt sich wie ein nasser Pudel und lässt alles hinter sich.“

    Ein Satz, der aus dem Fernsehfilm „Der große Bellheim“ stammen könnte, in dem eine Senioren-Gang um Mario Adorf einem ramponierten Kaufhaus-Konzern Leben einhaucht. Ja, ein Satz, wie ihn auch der Patriarch Burkhart Grob hätte sagen können. Mit fast 80 Jahren stand er als Unternehmer mit dem Rücken zur Wand, musste sich als großer Bellheim von Mindelheim wie ein nasser Pudel schütteln und alles hinter sich lassen, um von vorne anzufangen, sich und die geliebte Maschinenbau-Firma neu zu erfinden.

    Burkhart Grob wirkte zu allem entschlossen

    Kurz vor seinem 90. Geburtstag am Ostersamstag dieses Jahres gab der Unternehmer Einblicke in die schwierigen Jahre. Grob, der wie jetzt bekannt wurde, am Freitag gestorben ist, wirkte im Gespräch zu allem entschlossen. So als würde er an dem Tag eine neue Maschine konstruieren, „aus dem Kopf heraus“, wie der Unternehmer sagte, hatte er doch länger Probleme mit den Augen. Da blitzte das Schaeffler’sche Pudel-Prinzip auf – vielleicht das Geheimnis eines erfolgreichen Firmeninhabers: In harten Zeiten, erzählt Grob, hätte er nach der Maxime des früheren Bayern-Torhüters Oli Kahn verfahren, eben „Weiter, immer weiter“. Härte, Fleiß und Sturheit seien für einen Unternehmer mindestens so wichtig wie Kreativität und Intelligenz.

    Grob saß bei dem Treffen vor Ostern entspannt da. Das Gespräch machte ihm Spaß. Er wirkte mit sich und der Welt im Reinen, gab Einblicke in sein Innenleben wie nie zuvor. „Ich scheitere nicht gerne“, sagte er mit noch vernehmbaren Münchner Dialekt, obwohl der Unternehmer lange im Unterallgäu ansässig war und seit seiner Zeit in der Schweizer Armee die Staatsbürgerschaft der Alpenrepublik besaß.

    Jetzt spielte er sein charmantes Lächeln aus, ein mitreißendes Lächeln. Grob konnte andere Menschen begeistern, sie auf seine Seite ziehen und bei mancher Spätschicht zu Höchstleistungen anspornen. Das Münchner Glaubensbekenntnis „A bisserl was geht immer“ lebte der in der Landeshauptstadt geborene Mann. Manchmal durfte es a bisserl mehr sein, eben in der Existenzkrise des Unternehmens. Zwischen dem 80. und 90. Lebensjahr, wenn andere Firmenbesitzer ein geruhsames Leben führen, musste Grob Höchstleistung abrufen. Sein Betrieb, der sich mit Maschinen für Autohersteller wie VW, Daimler, BMW oder General Motors einen exzellenten Ruf erworben hat, war in Schieflage geraten. Die Banken rückten Grob auf die Pelle.

    In den Monaten der Bedrängnis setzte der reaktivierte Rentner konsequent das von Mario Adorf glaubhaft gespielte Bellheim-Prinzip um: Grob scharte loyale, reife Manager, aber auch junge Entwickler um sich. Mit ihm an der Spitze tüftelten sie, was das Zeug hält. Der an der Züricher Elite-Uni ETH ausgebildete Grob war ein genialer Konstrukteur. Unter Führung des „Alten“ entstand eine neue Maschinen-Generation. Es lief immer besser und schließlich wieder gut. Eine schwierige Zeit, die bei dem (was wenige wissen) feinfühligen Mann Narben hinterlassen hat.

    Zuneigung für Engagement und Loyalität

    Grob, „den die Banken am Wickel hatten“, musste sich nämlich von der Luftfahrtsparte, seinem Lebenstraum trennen. Das fuchste ihn noch mit 90, schließlich war er auf dem Gebiet ein international geachteter Pionier. Grob glaubte früh an Flugzeuge aus leichtem, kohlefaserverstärktem Kunststoff. Er setzte einen Trend, den später die Riesen Airbus und Boeing aufgriffen. Hier zeigte sich seine bayerische Dickschädeligkeit. Grob hatte aus eigener Kraft ein riesiges Höhenaufklärungs-Flugzeug konstruieren lassen, den berühmt gewordenen „Strato 2C“. Um das Projekt fortzuführen, brauchte der Mittelständler finanzielle Hilfe der Bundesregierung. Damals war Jürgen Rüttgers Wissenschaftsminister. Der CDU-Mann flog nicht auf Grob.

    Es waren wohl auch die Spätfolgen der Amigo-Affäre, die den Höhenflug des Unternehmers stoppten. Denn Politiker aus der Union machten damals einen Bogen um den Patriarchen aus Mindelheim, der in die Mühlen des CSU-internen Machtkampfes um den früheren Ministerpräsidenten Max Streibl geraten war. Grob erntete Kritik, als berichtet wurde, er habe den Politiker auf sein früheres Anwesen in Brasilien eingeladen und die Kosten dafür übernommen. Heute sagen Kenner der Landespolitik, Grob sei benutzt worden, um Streibl loszuwerden. Der Amigo-Wirbel ließ den Unternehmer skeptischer werden. Er zog sich zurück und konnte sein Misstrauen gegenüber Medien nicht verbergen. Wenn ein Journalist aber Begeisterung für Luftfahrt erkennen ließ, öffnete sich der Tüftler und schwärmte von seiner Passion.

    Den Getreuen verlangte Grob viel ab, ließ ihnen als Gegen-Gabe für Engagement und Loyalität aber auch Zuneigung spüren. Das Patriarchen-Prinzip hat Charme: Der Bayer und Wohltäter Mindelheims zahlte über Tarif. Zu seinem 90. Geburtstag bekam jeder Beschäftigte 1000 Euro. Gerne erzählte Grob die Geschichte, nie einen Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen zu haben.

    Einer seiner seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit war die Einweihung der nach ihm benannten Technikerschule 2015. Unser Bild zeigt Burkhart Grob mit seiner Frau Margret sowie Landrat Hans-Joachim Weirather (links) und Staatssekretär Franz-Josef Pschierer (rechts).
    Einer seiner seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit war die Einweihung der nach ihm benannten Technikerschule 2015. Unser Bild zeigt Burkhart Grob mit seiner Frau Margret sowie Landrat Hans-Joachim Weirather (links) und Staatssekretär Franz-Josef Pschierer (rechts). Foto: Johann Stoll

    In Mindelheim hat „Dr. Grob“, wie ihn Angestellte respektvoll nennen, eine wundersame Arbeitsplatzvermehrung bewirkt. Standen dort 2006 noch rund 2000 Frauen und Männer auf den Personallisten, sind es heute 3600. Die enorme Leistung hat auch Horst Seehofer anerkannt. Der Ministerpräsident kam zu Grob in das Unterallgäu, Balsam für die CSU-Wunde des Unternehmers, der am Ende seinen Frieden mit der Partei geschlossen hat.

    Wer das Geheimnis des Weitermachers Grob, sein Erfolgselixier ergründen will, kommt an seiner Frau nicht vorbei, der großen Liebe, der wichtigsten Stütze des Firmeninhabers. Und der Unternehmer, der von anonymen Konzernen nichts hielt, hat sich immer gewünscht, „dass die Grob-Werke zu 100 Prozent in Familienbesitz bleiben“. So teilte die Firma mit, „das Unternehmen wird innerhalb der Familie auch in der Nachfolgegeneration weitergeführt“. Details wurden nicht genannt. Bekannt ist aber, dass Grob seinem „Kabinett“, wie er die Spitzenkräfte nannte, großes Vertrauen geschenkt hat Nun müssen sie ohne ihren Boss, der Kanzler und Wissenschaftsminister in einem war, auskommen. Das wird schwer.

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